Wirtschaft

Standortgarantie gekündigt MAN stellt Belegschaft Ultimatum

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Bei MAN glänzt längst nicht alles.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Fahrzeugbauer MAN ist hinter die Schwestermarke Scania zurückgefallen. Arbeitnehmervertreter machen Manager-Fehler dafür verantwortlich und sehen Reformbedarf. Den aber will das Unternehmen nun scheinbar erpressen. Gewerkschafter sprechen von einem Kulturbruch.

Der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN geht vor den Verhandlungen über den Abbau von 9500 Arbeitsplätzen auf Konfrontationskurs mit Betriebsrat und Gewerkschaft. Der Vorstand von MAN Truck & Bus habe den Beschäftigungs- und Standort-Sicherungsvertrag zum Ende des Monats vorzeitig gekündigt, mit dem bis 2030 betriebsbedingte Kündigungen für die Mitarbeiter in Deutschland und Österreich ausgeschlossen sein sollten, teilte das Unternehmen mit.

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Zugleich stellte das Unternehmen den Arbeitnehmern ein Ultimatum: Nur wenn man sich mit der IG Metall und dem Betriebsrat bis zum Jahresende einige, könnten die Verträge "ganz oder teilweise" wieder in Kraft treten. "Das ist ein Bruch mit unserer Kultur und ein Angriff auf die gesamte Volkswagen-Familie", erklärte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.

MAN gehört als Tochter der Nutzfahrzeug-Sparte Traton zum Wolfsburger Autobauer Volkswagen. Der Münchner Lastwagen- und Bus-Hersteller hinkt bei den Renditen deutlich hinter der schwedischen Schwestermarke Scania her. Dass der Konzern sparen muss, erkennen auch die Betriebsräte an: "Die MAN hat wegen Management-Versäumnissen aus der Vergangenheit großen Restrukturierungsbedarf. Darin sind wir uns einig", erklärten Osterloh und MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris. Das dürfe aber nicht einseitig die Belegschaft ausbaden. Der Betriebsrat wolle die Kündigung rechtlich prüfen lassen.

MAN Truck & Bus beschäftigt 36.000 Mitarbeiter, zwei Drittel davon in Deutschland und Österreich. Mit den Stellenstreichungen wäre nach Angaben der Gewerkschaft jeder zweite MAN-Arbeitsplatz in den zwei Ländern in Gefahr. Dem traditionsreichen Werk im oberösterreichischen Steyr mit 2200 Beschäftigten droht dabei die Schließung. Auch die Werke in Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) wackeln.

Ohne den Beschäftigungssicherungsvertrag wären spätestens ab Oktober 2021 flächendeckend Kündigungen möglich, teilweise sogar schon zum 1. Januar, erklärte der MAN-Betriebsrat. Der Schritt sei eine Abkehr vom gewohnten Konsens bei VW. "Das versetzt uns in Alarmbereitschaft", sagte Osterloh. Zu Gesprächen seien die Arbeitnehmervertreter trotz der Kündigung bereit. "Wir haben kein Interesse an Eskalation", sagte Stimoniaris. MAN erklärte, die Verhandlungen sollten in Kürze beginnen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts