Wirtschaft

Tops und Flops im Dax 2019 MTU schlägt Adidas, Wirecard sich selbst

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Die meisten Unternehmen haben ein erfolgreiches Börsenjahr 2019 hinter sich.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Der deutsche Leitindex Dax beendet das Jahr mit einem Plus von mehr als 25 Prozent bei 13.249,01 Punkten. Damit ist 2019 an der Börse das beste Jahr seit 2013. Bis zum Rekordhoch fehlen aber noch 2,63 Prozent. Der größte Gewinner ist trotz Boeing-737-Max-Skandal ein Triebwerksbauer. Auch Adidas, ein Energieversorger und die Post beenden das Jahr in sattem Grün. Ein Autozulieferer kämpft dagegen mit dem Branchenwandel, die Lufthansa mit streikendem Personal. Am schlimmsten verläuft das Jahr aber für ein Unternehmen, das sich eine Fehde mit einer bekannten Finanzzeitung liefert.

Gewinner

MTU: Plus 60,73 Prozent - der Triebwerksbauer MTU ist einer der großen Profiteure des weltweiten Luftfahrtbooms. Umsatz und Gewinn legen seit Jahren konstant zu, die Aussichten sind rosig. Eine Kombination, die die Börse honoriert. Das Sahnehäubchen war im September der Aufstieg in den deutschen Leitindex Dax. Positiv aus Anlegersicht ist aktuell auch, dass MTU mit den Antrieben von Boeings modernisiertem Mittelstreckenjet 737 Max, für den nach zwei tödlichen Abstürzen ein praktisch weltweites Flugverbot gilt, nichts am Hut hat.

Adidas: Plus 58,88 Prozent - wie schon im schwachen Dax-Jahr 2018 schafften die Papiere des Sportartikelherstellers auch 2019 den Sprung unter die Top 3 im Leitindex. Das Kursplus wurde aber vor allem in der ersten Jahreshälfte eingefahren. Seither blieben die Papiere unter dem Strich nahezu unverändert. So hatte der Jahresausblick der Herzogenauracher im August Investoren und Analysten angesichts bereits sehr hoher Erwartungen nicht mehr so recht überzeugt. Im dritten Quartal aber kehrte Adidas in Europa auf den Wachstumspfad zurück, nachdem in der Vergangenheit Europa angesichts guter Geschäfte in den USA und China etwas vernachlässigt worden war. Zuletzt lieferten dann noch positive Aussagen zum Weihnachtsgeschäft Rückenwind. Das Rekordhoch aus dem August von 296,75 Euro bleibt in Reichweite.

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Im Rennen um den dritten Platz lieferten sich RWE und die Deutsche Post ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das letztendlich RWE mit einem Plus von 44,21 Prozent für sich entschied. Die Essener wandeln sich vom Kohlekonzern zum Ökostromerzeuger. Zudem profitierte das Unternehmen im ablaufenden Jahr vom Energiehandel, der allerdings schwankungsanfällig ist. Und auch aus Großbritannien gab es zuletzt endlich positive Nachrichten: Denn nach der EU-Entscheidung zur Rechtmäßigkeit des Kapazitätsmarktes auf der Insel erwartet das Unternehmen nun Nachzahlungen.

Verlierer

Continental: Minus 4,55 Prozent - der Autozulieferer und Reifenhersteller knabbert schwer an der Branchenflaute und dem Wandel hin zur Elektromobilität. Weil das Unternehmen nicht damit rechnet, dass sich die Automobilproduktion weltweit in den kommenden fünf Jahren wesentlich erholt, verbuchte es im Herbst eine Wertminderung in Milliardenhöhe. Insgesamt ist Conti aber dabei, sich neu aufzustellen. Die Hannoveraner wollen flexibler werden. Der Fokus soll stärker auf Softwarediensten und Technologie liegen und weniger auf Teilen rund um den Verbrennungsmotor.

Deutsche Lufthansa: Minus 16,70 Prozent - die Lufthansa kann ihre Vormacht unter Europas Airlines nicht für einen richtigen Höhenflug nutzen. Der Gewinn schmilzt dahin, der Hoffnungsträger Eurowings schreibt rote Zahlen. Gerade erst verordnete Vorstandschef Carsten Spohr mehreren Konzerntöchtern neue Sparprogramme. Außerdem sorgt zum Jahresende die Kabinengewerkschaft Ufo wieder einmal mit Streiks für Ärger.

Wirecard: Minus 19,05 Prozent - die Verunsicherung der Anleger nach den Wirren um Bilanzierungsprobleme einer Konzerntochter in Singapur aus dem Frühjahr und immer neue kritische Berichte der "Financial Times" zu Bilanzierungspraktiken haben den Aktien des Zahlungsabwicklers 2019 zugesetzt. Das Unternehmen sieht sich dagegen im Visier von Spekulanten, die mit sinkenden Aktienkursen Geld verdienen wollen. So gab Wirecard eine Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG in Auftrag, um frische Vorwürfe der britischen Zeitung zu widerlegen.

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Im Tagesgeschäft hinterließ das bisher keine Spuren und Wirecard kündigte zuletzt viele weitere Kooperationen mit Händlern an. Gleichwohl dürfte für eine nachhaltige Kurserholung der Bericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG entscheidend werden.

Quelle: ntv.de, chr/dpa