Wirtschaft

Panikverkäufe wegen Schuldenschnitt Markt gibt Athens Banken verloren

Die Verhandlungen über einen massiven Schuldenschnitt Griechenlands sorgen am Aktienmarkt in Athen für Panikverkäufe. Papiere von Banken, die ohnehin nur noch wenige Cents wert sind, brechen massiv ein. Sorgen bereitet ein Schuldenschnitt daneben vor allem den Rentnern, die um ihre Versorgung fürchten.

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(Foto: REUTERS)

Drastische Kursverluste am Aktienmarkt in Athen haben zum Wochenauftakt Griechenlands Finanzwelt erschüttert. Unter dem Strich brachen die Kurse um 4,5 Prozent ein. Besonders dramatisch war das Bild bei Aktien der Banken des Landes. Der Index der Athener Bankenaktien verbuchte in der Spitze mehr als 17 Prozent Tagesverlust, so stark wie bislang nie.

Die Anteilsscheine der Alpha Bank verbilligten sich um 19 Prozent, Eurobank um 20 Prozent und Piraerus um 22 Prozent. Zeitweise fielen die Verluste noch stärker aus. Seit Jahresbeginn haben die Papiere im Schnitt ohnehin schon drei Viertel ihres Wertes verloren. Nun haben die laufenden Verhandlungen im Vorfeld des EU-Gipfels am Mittwoch über die Konditionen eines Schuldenschnitts des Landes den Kursen einen neuerlichen kräftigen Tritt verpasst.

Griechische Banken sind besonders stark in den Staatsanleihen ihres Landes investiert. Ein deutlicher Schuldenschnitt würde bei ihnen große Abschreibungen erforderlich machen, die sie im Zweifel nicht selbst schultern können. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte in Brüssel gesagt, Banken und deren Kundeneinlagen seien mit dem neuen Rettungsplan für Griechenland abgesichert.

Nicht mehr viel übrig

Am Aktienmarkt haben Anleger eine solch dramatische Entwicklung bei den griechischen Banken mit den massiven Kursverlusten bereits zum großen Teil vorweggenommen. Am Markt sind die Institute derzeit gerade einmal rund 4 Mrd. Euro wert. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank dürfte allein im dritten Quartal nach der Prognose von Analysten so viel Geld als Zinsüberschuss eingenommen haben.

Aus dem Finanzministeriums verlautete darüber hinaus, ein Schuldenschnitt werde vor allem die Rentenkassen treffen. "Die Rentenkassen müssen dringend abgesichert werden", sagte Savas Robolis, Chef des Arbeitsinstituts des größten griechischen Gewerkschaftsverbandes GSEE. Bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent müssten die Rentenkassen vom Staat unterstützt werden.

Geringerer Kapitalbedarf in Europa

Im europäischen Bankensektor scheint derweil der Refinanzierungsbedarf für den Sektor mit rund 100 bis 110 Mrd. Euro deutlich geringer auszufallen als zuvor mit teilweise über 200 Mrd Euro von Analysten geschätzt. Der offenbar geplante Schuldenschnitt bei Griechenland-Anleihen - die Erwartungen schwanken zwischen 40 und 60 Prozent - bereitet den deutschen Banken wohl vergleichsweise wenig Sorgen. Allerdings kämen zumindest für die Commerzbank, die bisher erst 25 Prozent auf die Griechenland-Anleihen über Wertberichtigungen aus ihren Büchern genommen hat, noch massive Belastungen im Umfang von hunderten an Millionen Euro zu.

Dirk Becker, Analyst bei Kepler Capital Markets, wiegelt aber ab. Er rechnet damit, dass die Commerzbank wohl zusätzlich etwa 600 bis 700 Mio. Euro abschreiben müsste, was zwar unangenehm, aber nicht verheerend wäre. "Da geht nochmal ein Quartalsgewinn flöten, aber das war es dann auch", kommentierte Becker. Bei der Deutschen Bank sieht er gar keine Auswirkungen, weil diese ihre Griechenland-Anleihen zum dritten Quartal erneut auf Marktwert abschreiben werde. Und der Markt bewerte die Papiere derzeit klar unter 50 Prozent.

Quelle: ntv.de, nne/DJ/dpa