Wirtschaft

Butter 60 Cent günstiger? Milchbauern blockieren mehrere Aldi-Lager

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Landwirte protestieren vor dem Aldi-Zentrallager im niedersächsischen Hesel gegen niedrige Preise.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während Aldi mit den Molkereien über neue Butterpreise verhandelt, protestieren Hunderte Bauern mit ihren Traktoren lautstark vor Zentrallagern des Discounters. Die Landwirte bangen um ihre Zukunft - nach ihren Angaben ist eine Senkung der Preise um 40 Prozent im Gespräch.

Unter den Milchbauern geht die Angst um. Viele von ihnen fürchten drastisch sinkende Milchpreise und sind deshalb nun mit ihren Traktoren zu Demonstrationen gefahren. In Schleswig-Holstein haben an zwei Orten insgesamt bis zu 200 Landwirte gegen die aus ihrer Sicht drohende Preissenkung in den Supermärkten bei landwirtschaftlichen Produkten protestiert.

In Nortorf protestierten die Bauern am Sonntagabend bis zu 100 Fahrzeugen und lautstarkem Hupen vor dem Aldi-Zentrallager, wie die Polizei mitteilte. Wegen des geringen Verkehrs habe es trotz der Traktorkolonne keine Verkehrsbehinderungen gegeben. Anwohner hatten sich allerdings wegen des Lärms beschwert. Die Bauern hätten daraufhin auf das Hupen verzichtet. Auch vor dem Aldi-Zentrallager in Gleschendorf in der Gemeinde Scharbeutz hatten sich bis zu 100 Traktoren versammelt, sagte die Schleswig-Holstein-Vorsitzende der Bauernbewegung "Land schafft Verbindung" (LSV), Uta Schmidt-Kühl.

Auch in Niedersachsen kam es zu Protesten. Vor dem Aldi-Zentrallager in Hesel im Landkreis Leer waren am heutigen Montag rund 200 Traktoren auf den Straßen unterwegs und sorgten so für Lastwagen-Stau auf den Zufahrtsstraßen.

Hintergrund der Aktionen seien aktuelle Butterpreis-Verhandlungen des Discounters Aldi mit den Molkereien, sagte Schmidt-Kühl. Es sei wohl eine Senkung um 40 Prozent im Gespräch.

Aldi-Unternehmenssprecher Joachim Wehner teilte mit, dass Aldi Nord und Aldi Süd derzeit turnusmäßig in der Ausschreibung für Butter sind. "Die Preise, die wir zahlen, richten sich nach Angebot und Nachfrage auf dem gesamten Markt, beeinflusst von vielen weiteren Faktoren." Es sei völlig normal und wiederhole sich jedes Jahr aufs Neue, dass die Butterpreise aufgrund der hohen Nachfrage zur Weihnachtszeit steigen und danach zu Jahresbeginn wieder zurückgehen. "Dieses Prinzip spiegelt sich grundsätzlich auch in den Angeboten der Molkereien wider, wie sie allen Händlern um diese Jahreszeit unterbreitet werden", so der Sprecher. Zu Details laufender Preisverhandlungen wolle man sich nicht öffentlich äußern.

"Das ist pure Verzweiflung"

Der Bauernbewegung zufolge ist die geplante Preissenkung allerdings deutlich drastischer als sonst üblich. So seien bis zu 60 Cent statt der sonst üblichen 10 bis 20 Prozent geplant, sagte ein LSV-Sprecher aus Niedersachsen.

Der Verein sei enttäuscht, weil es mit Blick auf die Preise bereits erste Gespräche mit den großen Lebensmitteleinzelhändlern Aldi, Rewe, Lidl und Edeka gegeben habe und diese im Januar fortgesetzt werden sollten. Die nun dennoch gestarteten Verhandlungen von Aldi mit den Molkereien für geringere Butterpreise seien deshalb "ein Schlag ins Gesicht", so Schmidt-Kühl. Hinzu komme, dass die Bauern verzweifelt sind. "Das ist die blanke Existenzangst. Das nichts mit Spaß und Vergnügen zu tun. Das ist die pure Verzweiflung."

Quelle: ntv.de, uzh/dpa