Wirtschaft

Fabrik in Pro-Brexit-Region Nissan streicht Produktion in Großbritannien

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Nissan-Fabrik im nordenglischen Sunderland.

(Foto: REUTERS)

Die Sorge vor einem ungeregelten Brexit zeigt weitere Folgen: Autobauer Nissan kündigt an, die Produktion eines neuen Modells von Großbritannien nach Japan zu verlegen. Als Grund nennt Nissan die Unsicherheit über die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU.

Der japanische Autobauer Nissan hat angekündigt, seinen neuen X-Trail-Geländewagen in Japan statt wie geplant in Großbritannien herzustellen. Nissans Europa-Chef Gianluca de Ficchy sagte, zu der Entscheidung für die Verlegung der Produktion des neuen X-Trail nach Japan habe die Unsicherheit über die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU beigetragen.

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Nissan stellt fast 30 Prozent aller in Großbritannien produzierten Autos her und exportiert den größten Teil dieser Produktion in EU-Staaten. Erst am Freitag trat das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan in Kraft, durch das die zehnprozentigen Einfuhrzölle auf Autos aus Japan abgebaut werden.

Der japanische Autobauer wollte den X-Trail in seinem Werk im nordostenglischen Sunderland bauen. Nissan hob hervor, dass die angekündigte Verlagerung zwar eine Enttäuschung für die dortige Belegschaft sei. Die Pläne für andere Modelle wie die SUVs Qashqai und Juke seien für Sunderland aber unverändert. Der Autokonzern hatte 2016 angekündigt, dass der X-Trail in Sunderland gebaut werden solle, nun ist stattdessen der Bau in Kyushu in Japan vorgesehen.

Sunderland stimmte für Brexit

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Die Labour-Abgeordnete Bridget Phillipson aus der Region Sunderland schrieb bei Twitter, die Nachricht sei "sehr besorgniserregend" für die Gegend. "So viele Jobs und Existenzen hängen vom Erfolg von Nissan ab", schrieb sie. Der Autokonzern ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, die früher ein industrielles Zentrum war, und mit der es dann wirtschaftlich bergab ging. Die Mehrzahl der Wähler in Sunderland votierte für den Brexit.

Die Ankündigung von Nissan kommt nur wenige Tage nachdem der britische Autobauerverband SMMT Zahlen veröffentlicht hat, wonach die Autoproduktion in Großbritannien im vergangenen Jahr auf ein Fünfjahrestief abgesackt ist. Wie SMMT mitteilte, wurden 2018 mit 1,5 Millionen Neuwagen 9,1 Prozent weniger produziert als 2017. Im Dezember alleine brach die Autoproduktion um 22,4 Prozent auf 78.106 Einheiten ein.

"Auf ewig bereuen"

Ein drohender "No-Deal-Brexit" sorgt für zunehmende Unsicherheit in Wirtschaft und Politik. Der britische Wirtschaftsminister Greg Clark hatte am Samstag in einem "Times"-Interview vor einem ungeregelten Brexit gewarnt, den Großbritannien "auf ewig bereuen" würde. Ohne Einigung droht Ende März ein EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen mit potenziell dramatischen wirtschaftlichen Folgen.

Clark warnte, das Parlament müsse bis Mitte Februar einem Brexit-Abkommen zustimmen, ansonsten würden zahlreiche Unternehmen keine Waren mehr nach Japan oder Südkorea auf den Weg bringen, da sie nicht wüssten, ob sie beim Eintreffen der Exporte Zölle zahlen müssten. Gemeinhin gelte, dass Entscheidungen erst in letzter Minute getroffen würden. "Aber es ist wichtig zu wissen, wann die Reißleine gezogen werden muss. Und das sei nicht am 29. März, dem geplanten Austrittsdatum."

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Quelle: n-tv.de, kst/rts/AFP

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