Wirtschaft

Viele sind krank oder isoliert Omikron zeigt britischer Wirtschaft Grenzen auf

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Auch Kneipen schließen, um Angestellte und Gäste zu schützen.

(Foto: picture alliance / empics)

Züge fallen aus, Museen müssen schließen und Feuerwehren erleben einen "beispiellosen" Arbeitskräftemangel: Die Ausbreitung der Omikron-Variante macht der britischen Wirtschaft, aber auch Teilen der öffentlichen Versorgung zu schaffen. Doch die Regierung bleibt bei ihrer zurückhaltenden Corona-Strategie.

Die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus schürt auch in Deutschland Befürchtungen vor einem massenhaften Ausfall von Arbeitskräften. In Großbritannien sorgt Omikron mitten in der Vorweihnachtszeit bereits für erhebliche Beeinträchtigungen, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkrankt sind oder sich zu Hause isolieren müssen - vom Bahnverkehr über die Unterhaltungsbranche bis hin zur Feuerwehr.

"Unglücklicherweise führt die Pandemie zu einigen Personalengpässen", heißt es etwa beim regionalen Zugbetreiber Avanti West Coast. "Wir tun alles, was wir können, um unseren Fahrplan einzuhalten", erklärte das Unternehmen bereits Ende vergangener Woche. Trotzdem könne es zur kurzfristigen Streichung von Verbindungen kommen. "Also bitte am Reisetag nachschauen." Ähnlich sieht es beim Konkurrenten LNER aus, der ebenso wie andere Unternehmen seine Betriebszeiten wegen der coronabedingten Abwesenheit von Beschäftigten anpasst.

Im schottischen Edinburgh musste die viel besuchte Burg Edinburgh Castle wegen kranker Mitarbeiter die Pforten schließen - ebenso wie das berühmte Naturhistorische Museum in London. In der britischen Hauptstadt haben außerdem die Theater am West End Aufführungen abgesagt, darunter etwa den "Nussknacker" oder "König der Löwen", um sowohl die Schauspielerinnen und Schauspieler als auch das Publikum zu schützen.

Gastronomie leidet weiterhin

Auch Hotels und die Gastronomie bleiben nicht verschont: In den Online-Netzwerken häufen sich die Ankündigungen von Schließungen. "Wir entschuldigen uns für all die Tischreservierungen, die wir absagen mussten", heißt es etwa vonseiten der Londoner Kneipe Duke of Richmond auf Instagram. "Wir müssen zur Sicherheit unserer verbleibenden Mitarbeiter und unserer Kunden schließen."

Am Montag wurden im Vereinigten Königreich mehr als 91.000 neue Corona-Fälle registriert - ein neuer Höchstwert seit Beginn der Pandemie, der die exponentielle Ausbreitung von Omikron unterstreicht.

Die Regierung des zuletzt wegen einer Reihe von Skandalen in die Kritik geratenen Premiers Boris Johnson hält bislang an eher zurückhaltenden Maßnahmen fest, darunter der Appell, von zu Hause aus zu arbeiten, und ein Corona-Pass zum Impf- oder Teststatus für Nachtclubbesuche und größere Veranstaltungen.

Vorgaben etwa zur Begrenzung der Zahl der Haushalte, die sich in beengten Innenräumen treffen dürfen, lehnt der konservative Premierminister bisher ab, vor allem aus Furcht vor weiterem Unmut in seiner Partei, die sich gegen neuerliche Freiheitseinschränkungen auch mit Blick auf die Wirtschaft sträubt. Zugleich gibt es katastrophale Prognosen von Johnsons wissenschaftlichen Beratern zur potenziellen Entwicklung der Zahl der Todesfälle und Krankenhauseinweisungen bis April.

Pensionierte Lehrer kehren zurück an Schulen

Auf der anderen Seite warnt etwa der Arbeitgeberverband CBI, dass Befürchtungen der Verbraucherinnen und Verbraucher im Zusammenhang mit Omikron mitten im üblicherweise für die Händler besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft "die Umsätze belasten". Viele Unternehmen etwa aus dem seit Beginn der Pandemie besonders betroffenen Gastgewerbe hatten auch schon vor Omikron mit Personalmangel zu kämpfen - unter anderem wegen des Brexits.

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Problematisch ist auch die Lage an vielen Schulen, an denen das Virus grassiert. Bildungsminister Nadhim Zahawi rief bereits pensionierte Lehrer auf, zumindest zeitweilig wieder zu unterrichten und damit den Ausfall erkrankter Lehrkräfte aufzufangen. In London warnten bereits Gewerkschaften, dass die Feuerwehren mit einem "beispiellosen" Arbeitskräftemangel konfrontiert seien. Die Einsatzfähigkeit sei aber noch nicht gefährdet.

Die größte Sorge besteht darin, dass das Gesundheitssystem durch erkranktes oder unter Quarantäne gestelltes Personal noch zusätzlich geschwächt wird. Großbritannien gehört mit mehr als 147.000 Toten ohnehin schon zu den am stärksten von der Corona-Krise getroffenen Ländern Europas.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP

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