Wirtschaft

Marode AKW plagen Stromkonzern Paris verstaatlicht Stromversorger EDF

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Nach der Wartung: Ein Reaktor des Atomkraftwerks Flamanville in der Normandie wird erst Ende November wieder hochgefahren.

(Foto: picture alliance / DUMONT Bildarchiv)

Frankreich hat ehrgeizige Pläne und will als erstes Land der Welt das fossile Zeitalter hinter sich lassen. Dazu verstaatlicht die Regierung in Paris den Stromkonzern EDF. Der hat allerdings Probleme mit seinen maroden Atomkraftwerken, die derzeit nicht kleiner werden.

Frankreich hat das Verfahren zur kompletten Verstaatlichung des Stromkonzerns EDF eingeleitet. Das teilte die Finanzmarktbehörde AMF am Nachmittag mit, wie der Sender Europe 1 berichtete. Der Staat habe ein vereinfachtes öffentliches Übernahmeangebot eingereicht, was ein erster Schritt ist, um EDF von der Börse zu nehmen. Bislang ist EDF bereits zu 84 Prozent in Staatshand. Die auf 9,7 Milliarden Euro bezifferte Maßnahme zielt darauf ab, die übrigen 16 Prozent aufzukaufen. Mit diesem Schritt soll der angestrebte Ausbau der Atomkraft in Frankreich sichergestellt werden.

Präsident Emmanuel Macron hatte im März angekündigt, EDF wieder vollständig verstaatlichen zu wollen. Es gehe darum, die französische Souveränität angesichts der Konsequenzen des Krieges in der Ukraine sicherzustellen, hatte Premierministerin Élisabeth Borne im Sommer betont. Die Energiewende werde mithilfe der Atomkraft gelingen. Um als erstes großes Land komplett auf fossile Energiequellen verzichten zu können, werde Frankreich erneuerbare Energie und die Atomkraft ausbauen. Mindestens sechs Atomkraftwerke sollen gebaut werden.

Flamanville erst im November wieder am Netz

Momentan befindet sich EDF allerdings in schwierigem Fahrwasser. Der alternde Kraftwerkspark schwächelt. Die Hälfte der 56 Atomkraftwerke ist zurzeit wegen Wartungen und Reparaturen vom Netz. Das setzt dem Konzern finanziell zu, und mitten in der Energiekrise liefert EDF deutlich weniger Strom als vorgesehen. Paris baut deshalb im Winter auf Stromlieferungen aus Deutschland und will im Gegenzug mit Gas aushelfen.

Ebenfalls am Nachmittag wurde bekannt, dass ein zu Wartungen abgeschalteter Reaktor des Kraftwerks Flamanville am Ärmelkanal nicht wie geplant in den kommenden Tagen, sondern erst am 26. November wieder ans Netz gehen kann. Das berichtete der Sender BFM TV unter Verweis auf einen EDF-Sprecher.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte den Weiterbetrieb von zwei deutschen Atomkraftwerken auch mit Blick auf die Situation in Frankreich gerechtfertigt. "Wir sind jetzt schon in einem Bereich, wo der Stresstest sagt: Da kann es notwendig werden, Atomkraftwerke für die Netzsicherheit einzusetzen", sagte der Grünen-Politiker Ende September. Die Situation in Frankreich entwickle sich nicht gut, schon jetzt fehle von dort Atomstrom.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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