Wirtschaft

Millionenvorsorge für Winkelmann Politiker kritisieren Air-Berlin-Chef

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Wechselte vom Marktführer in Deutschland auf den Chefsessel einer taumelnden Airline: Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

(Foto: REUTERS)

Nach der Zerschlagung von Air Berlin liegen die Nerven blank: Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft verlieren ihren Job. Air-Berlin-Chef Winkelmann ließ sein eigenes Gehalt jedoch rechtzeitig absichern - was eine neue Welle der Empörung auslöst.

Der Teilverkauf ist in trockenen Tüchern, Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin ist Geschichte - jetzt sorgt die umstrittene Gehaltsgarantie für Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann für neuen Ärger. Politiker von CDU und SPD kritisierten die vertraglich vereinbarten Regelungen einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge nun scharf.

"Die Gehaltgarantie muss vor Beendigung des Insolvenzverfahrens einer Prüfung unterzogen werden, da sie offensichtlich für den Fall der Insolvenz getroffen wurde", sagte der CDU-Sozialpolitiker und Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem "Handelsblatt". "Gegebenenfalls müssen durch den Gesetzgeber die Rückforderungsrechte im Falle der Insolvenz verschärft werden."

Empört äußerte sich auch der SPD-Bundesvize Ralf Stegner. "Es hat mit sozialer Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun, wenn für Spitzenmanager im Insolvenzfall Riesengehälter abgesichert werden und Beschäftigte und Steuerzahler dafür auch noch die Zeche zahlen müssen", sagte Stegner. "Die Wirtschaft ist für die Menschen da - nicht umgekehrt." Solche "Auswüchse" müssten daher "konsequent unterbunden werden".

Gehalt bis 2021

Die Kritik aus den Reihen der Politik bezieht sich dabei auf Details aus dem Arbeitsverhältnis des Air-Berlin-Chefs Winkelmann. Bei seinem Antritt als Chef der hoch verschuldeten Fluggesellschaft im Februar hatte er sich seine Bezüge unter anderem auch durch eine Bankgarantie absichern lassen.

Wie aus dem im Mai vorgestellten Geschäftsbericht der Airline hervorgeht, behält Winkelmann selbst im Fall einer ordentlichen Kündigung seinen Anspruch auf das vertraglich vereinbarte Grundgehalt. Es liegt diesen Angaben zufolge bei 950.000 Euro im Jahr. Für das erste Jahr wurde zudem ein Mindestbonus von 400.000 Euro festgesetzt, der im Januar 2018 fällig wird. Winkelmanns Vertrag sollte eigentlich mindestens bis Ende Januar 2021 laufen. Abgedeckt durch eine Bankgarantie sind Gehalts- und Bonuszahlungen bis zu einer Gesamthöhe von 4,5 Millionen Euro.

Durch die Garantie der Bank ist sichergestellt, dass Winkelmann das Geld auch im Fall einer Insolvenz erhält. Air Berlin hatte sich damals - entgegen der eigenen Vergütungsrichtlinie - zu dieser Vereinbarung bereit erklärt, um den früheren Lufthansa-Manager zum Wechsel auf den schwierigen Chefposten bei der angeschlagenen Fluggesellschaft bewegen zu können.

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt führte Winkelmann Air Berlin in die Insolvenz, die schließlich in einen Teilverkauf an seinen früheren Arbeitgeber, die Lufthansa, mündete. Auf Unverständnis stößt dieses Vorgehen auch in den Reihen der Gewerkschaften. "Wenn der Air-Berlin-Chef trotz Pleite sein Gehalt bis 2021 garantiert bekommt, ist das eine schreiende Ungerechtigkeit und trägt dazu bei, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, der "Bild am Sonntag".

Quelle: n-tv.de, mmo

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