Wirtschaft

Der nächste Pleitekandidat? Portugal in der Schusslinie

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Pedro Passos Coelho in der Sparfalle? Politiker und Wirtschaftsexperten warnen, Portugal könnte sich kaputtsparen.

(Foto: picture alliance / dpa)

An den Finanzmärkten ist neben Griechenland auch Portugal wieder Thema. Es wachsen die Zweifel, ob das Land wie geplant 2013 an die Kapitalmärkte zurückkehren kann. Experten rechnen damit, dass die Regierung in Lissabon weitere Hilfen beantragen wird.

Griechenland gilt nach Einschätzung von Investoren nicht als einziger möglicher Pleitekandidat der Euro-Zone. Eng könnte es auch für Portugal werden. Deutlich sichtbar wurde das nach der jüngsten Welle von Herabstufungen durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die allein bei Portugal für Kursturbulenzen gesorgt hatte.

Volkswirten zufolge kommen bei Portugal mehrere Risiko-Faktoren zusammen: die Überschuldung des Privatsektors, die auf dem Niveau von Spanien liegt, die Verschuldung der öffentlichen Hand, die ähnlich hoch ist wie in Italien, und die Rezession. Dieses Jahr ist die Finanzierung des Landes noch unter dem Rettungsschirm gesichert. Im nächsten Jahr muss Portugal aber alleine den Zugang zum Kapitalmarkt finden. Im September 2013 muss Portugal 9,0 Mrd. Euro Schulden zurückzahlen.

Das zunehmende Misstrauen der Anleger in die Zahlungsfähigkeit Portugals lässt sich an den Anleihe-Renditen ablesen. Am Dienstag schnellte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen in der Spitze bis auf 15,27 (spätes Vortagesgeschäft: 14,5) Prozent, bröckelte im Verlauf aber wieder ab.

Wachsende Zweifel der Anleger

Seit dem S&P-Rundumschlag vor einigen Tagen hatten die richtungsweisenden zehnjährigen Papiere zeitweise bereits um mehr als drei volle Punkte auf ein Rekordhoch von 15,781 Prozent zugelegt. Für die Renten-Experten signalisieren die Anleihekurse, dass die Anleger langfristig mit einem Schuldenschnitt rechnen und nicht bereit sind, dem Land Zeit zu geben, bis die eingeleiteten Sparmaßnahmen den erhofften Erfolg bringen werden. 

Viele rechnen damit, dass die Regierung in Lissabon zusätzliche Hilfen beantragen wird. Bislang sieht Regierungschef Pedro Passos Coelho hierfür keine Veranlassung. Beim derzeitigem Stand müsste sich das Land ab der zweiten Hälfte 2013 wieder über langfristige Anleihen eigenständig am Bond-Markt refinanzieren. Denkbar ist es, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) ähnlich wie im Fall Griechenland verlangt, dass Portugal seine Finanzierungspläne mit einem Jahr Vorlauf vorlegt, bevor weitere Tranchen der Rettungshilfen ausgezahlt werden. 

Die Regierung in Lissabon ist zunehmend frustriert, weil die Anstrengungen, die das Land unternimmt, möglicherweise nicht ausreichen, um die Märkte zu besänftigen. "Das Drama ist doch, dass wir unsere Aufgabe exakt so erfüllen können, wie es gefordert ist. Wenn Europa aber nicht mitzieht, dann könnte alles vergebens sein", beklagt Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos, der das Rettungspaket unter der Vorgängerregierung mit ausgehandelt hatte.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa