Wirtschaft

Russische Seite sei startklar Putin: Erster Nord-Stream-Strang ist verlegt

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Putin war beim St. Petersburger internationalen Wirtschaftsforum per Video zugeschaltet - und lobte russisches Gas im Vergleich mit amerikanischem als "sauberer, billiger und verlässlicher".

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg verkündet der russische Präsident einen Etappenerfolg auf dem Weg zur Fertigstellung der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2. Die Rohre des ersten von zwei Strängen seien einsatzbereit, so Putin. Er nutzt die internationale Bühne auch für erneute Kritik an den USA.

Russlands Präsident Wladimir Putin meldet Fortschritte beim Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2. Die Arbeiten am ersten Strang seien beendet, die Rohre verlegt und der russische Gaskonzern Gazprom sei bereit, die Leitung zu befüllen, sagte er beim St. Petersburger internationalen Wirtschaftsforum. Auf russischer Seite sei die Pipeline startklar. Die Gazprom-Aktien setzten zu einem Sprung an. Die Wertpapiere des russischen Energiekonzerns kosteten so viel wie zuletzt Mitte 2008.

Zuvor hatten die Behörden darüber informiert, dass in der kommenden Woche der Testbetrieb am russischen Teil der Leitung beginne. Russland sei bereit, weiterhin solche internationalen Projekte wie Nord Stream 2 umzusetzen, betonte Putin. Der Kremlchef sagte bei dem Wirtschaftstreffen, an dem auch Altkanzler Gerhard Schröder teilnahm, dass der zweite Strang in zwei Monaten fertiggestellt werden könne. Die Befüllung hänge dann von der Erlaubnis der deutschen Behörden ab. Die endgültige Fertigstellung des Projekts plant Russland noch in diesem Jahr.

Putin bestreitet politisches Kalkül

"Es ist ein rein wirtschaftliches und kommerzielles Projekt", sagte Putin mit Blick auf politische Kritik an der Ostseepipeline. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte, er sei optimistisch, dass die Gasleitung fertiggestellt werde. Das sei gut für Russland, weil Europa viel Gas von dem Land kaufe. In Europa sorge Nord Stream 2 für Energiesicherheit, sagte der per Video zugeschaltete Kanzler.

Der russische Präsident warf den USA vor, sie hätten mit ihrem Widerstand gegen Nord Stream 2 vor allem eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt. Die USA bieten ihr durch Fracking gewonnenes und dann verflüssigtes Gas als Alternative in der EU an. Putin betonte, dass russisches Pipeline-Gas "sauberer, billiger und verlässlicher" sei als das US-Produkt.

Russland sei nicht für Ukraine zuständig

Billiger ist laut Putin auch der direkte Transport von Russland nach Deutschland - in Umgehung des bisher wichtigsten Transitlandes Ukraine. Auf die Frage, ob die Ukraine durch die Transitgebühren nicht wichtige Einnahmen verliere, sagte er, dass Russland nicht für das "Durchfüttern" des Nachbarn zuständig sei. Die Ukraine hatte immer wieder Sanktionen gegen das Projekt gefordert.

Ein Sprecher der Nord Stream 2 AG bestätigte, dass die Rohrverlegung des ersten Pipelinestranges abgeschlossen worden sei. "Die verlegten Abschnitte des Pipelinestranges müssen nun noch miteinander verbunden werden", sagte Sprecher Steffen Ebert. Anschließend würden die erforderlichen Aktivitäten vor Inbetriebnahme durchgeführt. "Die Verlegearbeiten am anderen Leitungsstrang werden fortgesetzt."

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/rts

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