Trotz "beschleunigter" InflationRussische Zentralbank senkt überraschend den Leitzins

Trotz steigender Inflation und hoher Kriegskosten senkt Russlands Zentralbank den Leitzins. Dieser Schritt soll die schwächelnde Wirtschaft stützen. Für den Anstieg der Preise macht die Bank "Einmalfaktoren" verantwortlich.
Russlands Zentralbank hat ihren Leitzins überraschend gesenkt und Bereitschaft zu einer weiteren Lockerung signalisiert. Der Leitzins wurde um einen halben Prozentpunkt auf 15,5 Prozent gesenkt. Die meisten Experten hatten einen konstanten Zins erwartet.
Die Inflation habe sich im Januar "erheblich beschleunigt", erklärte die Zentralbank. Sie begründete den Anstieg der Verbraucherpreise mit "Einmalfaktoren". Es handele sich dabei vor allem um Steuererhöhungen. Deshalb müssten die Leitzinsen in den kommenden Monaten auf einem höheren Niveau als zuvor erwartet verharren, damit das Inflationsziel der Bank von vier Prozent erreicht werden könne.
Die Moskauer Zentralbank will auf kommenden Sitzungen prüfen, ob eine weitere Leitzinssenkung nötig ist. Sie macht dies von der Inflationsabschwächung und den Inflationserwartungen abhängig. Die jüngste Lockerung gilt als Versuch, die langsamer laufende Wirtschaft knapp vier Jahre nach der russischen Invasion in der Ukraine weiter zu stützen.
Kriegskosten belasten Staatskasse
Nach dem Beginn der russischen Offensive in der Ukraine im Jahr 2022 hatten die enormen Ausgaben für die Streitkräfte zunächst das Wachstum der russischen Wirtschaft angekurbelt. Die Ausgaben trieben jedoch auch die Verbraucherpreise in die Höhe. 2024 lag die Inflationsrate bei 9,5 Prozent. 2025 betrug die Teuerung noch etwa 5,6 Prozent.
Die Wirtschaft zwischen Kaliningrad und Wladiwostok hatte sich in den ersten drei Jahren des Konflikts trotz westlicher Sanktionen als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Doch im vergangenen Jahr setzte ein Abschwung ein. Die russische Regierung prognostiziert für das laufende Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent. 2025 waren es 1,0 Prozent. Die Zentralbank rechnet für dieses Jahr mit einem Zuwachs zwischen 0,5 und 1,5 Prozent.
Die Kriegskosten belasten die russischen Staatsfinanzen schwer. Zudem wirken sich westliche Sanktionen stark auf Russlands Energieexporte aus. Die Einnahmen aus Öl und Gas machen etwa ein Viertel des Staatshaushalts aus. Im vergangenen Jahr fielen sie auf ein Fünfjahrestief. Der Kreml versucht, die Lücken anderweitig zu schließen und hob die Mehrwertsteuer in diesem Jahr um zwei Prozentpunkte auf 22 Prozent an.