Wirtschaft

Eon warnt vor Netz-Zusammenbruch Streit um höhere Strompreise

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(Foto: dpa)

Der Wirtschaftsweise Franz erwartet nach der energiepolitischen Kehrtwende der Bundesregierung steigende Strompreise in Deutschland. Das verwundert den Leiter des Bundesumweltamtes, der für steigende Preise keinen Grund sieht. Eon sorgt sich derweil um die Stabilität des Stromnetzes.

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Wolfgang Franz schaut auf die Preise an der Leipziger Strombörse.

(Foto: dapd)

Auf die Verbraucher in Deutschland kommen nach Einschätzung des Chefs der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, deutlich höhere Strompreise zu. Die Kurse an der Leipziger Strombörse seien bereits erheblich gestiegen, sagte der Vorsitzende des Wirtschafts-Sachverständigenrats der Bundesregierung der "Rheinischen Post". "Die Verbraucher müssen sich auf spürbar höhere Strompreise in der Zukunft einstellen", sagte er. Die Börse reagiere schon auf die atompolitische Kehrtwende der Bundesregierung.

Dennoch empfahl Franz der Regierung, ihre Linie konsequent weiter zu verfolgen. "Die Bundesregierung sollte ihr Energiekonzept, das bekanntlich den Übergang zu den erneuerbaren Energien bereits vorsieht, gegebenenfalls modifizieren und dann konsequent umsetzen", sagte der Ökonom der Zeitung.

Keine Importe nötig

Ganz anders sieht das der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth. Auch das Abschalten rechtfertigt aus seiner Sicht keine Strompreiserhöhungen. Deutschland werde seinen Strombedarf auch ohne Importe decken können, sagte Flasbarth im Deutschlandradio Kultur.

"Es gibt viele Gutachten, die zeigen, dass wir bis Mitte des Jahrhunderts vollständig unseren Strom regenerativ erzeugen können", sagte er. Aus wissenschaftlicher Sicht sei es möglich, dass die abgeschalteten Reaktoren nicht wieder angefahren werden müssten. Da es eine Reserve gebe, könnten auch zwei zusätzliche Atomkraftwerke vom Netz genommen werden.

Das Umweltbundesamt rechnet während einer Übergangszeit mit einer stärkeren Verstromung von Kohle und Gas in Deutschland. Flasbarth sagte, es müssten zwar keine neuen Kohlekraftwerke gebaut werden, aber die Leistung der vorhandenen und der im Bau befindlichen müsse erhöht werden. "Wir müssten die Leistung dieser Kraftwerke stärker nutzen", betonte er. "Das würde in der Tat bedeuten, mehr Kohle und mehr Gas in der Übergangszeit."

Mehrheit würde Preisplus akzeptieren

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Eon-Chef Teyssen sorgt sich nicht um die Geldbeutel der Verbraucher, sondern um die Stabilität der Stromnetze.

(Foto: dpa)

Unabhäng von der Notwendigkeit ist eine deutliche Mehrheit der Deutschen nach den Ereignissen in Japan inzwischen bereit, höhere Stromkosten zu akzeptieren, wenn der Strom nicht mehr aus Kernenergie stammt. Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage für den "Focus" unter 1000 Teilnehmern würden 69 Prozent höhere Stromrechnungen in Kauf nehmen.

Der größte deutsche Energieversorger Eon warnt derweil nach der Abschaltung der deutschen Akt-Atomkraftwerke vor Gefahren für die Stabilität des Netzes. Konzernchef Johannes Teyssen sagte dem "Spiegel", es werde schon jetzt äußerst schwer, das Stromnetz stabil zu halten. Noch weitreichendere Maßnahmen wie der teils geforderte komplette Ausstieg aus der Atomkraft seien "überhaupt nicht zu verkraften".

Quelle: n-tv.de, nne/dpa

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