Wirtschaft

Bewegung im Fall Claassen Streithähne reden miteinander

Solar Millennium und sein Ex-Chef Claassen versuchen eine Einigung. Der Manager macht deutlich, dass es mit ihm nur einen Kompromiss geben werde, wenn der Aufsichtsrat die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung anerkennt.

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Utz Claassen

(Foto: dapd)

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat einen neuerlichen Einigungsversuch zwischen dem Kraftwerksentwickler Solar Millennium und dessen Ex-Vorstandschef Utz Claassen vermittelt. Beide Seiten stimmten dem Schritt in einer Verhandlung zu. Zuvor hatte sich Aufsichtsratschef Helmut Pflaumer bei dem Manager für mutmaßliche Beleidigungen im Zuge der Streitigkeiten entschuldigt.

Claassen hatte sich vor Gericht schwer gekränkt durch Anschuldigungen des Kontrollgremiums und seiner Anwälte gezeigt. Der Aufsichtsrat habe ihn belogen und diskreditiert und behauptet, er sei"körperlich gebrochen", "geistig minderbemittelt" und "nicht mehr vermittelbar".   

Pflaumer ging nicht auf die Anschuldigungen ein, forderte allerdings Verständnis für die Härte der Auseinandersetzung. "Ich weiß um die Leidenswege, die Mitarbeiter, Aktionäre und Manager gehenmüssen", sagte er. "Lassen Sie uns einen gütlichen Vergleich finden", wandte sich der Aufsichtsrat an Claassen. "Unser Leben ist zu kurz, um uns mit so einer Auseinandersetzung zu belasten."          

Nur kurze Amtszeit

Claassen, der mit fünf Anwälten erschienen war, hatte den Erlanger Solarkraftwerksentwickler Anfang 2010 nach nur 74 Tagen im Amt verlassen. Vor Gericht fordert er nun, dass seine Kündigung als rechtmäßig anerkannt wird. Als Gründe für seinen abrupten Abschied, vor dem er neun Millionen Euro als Antrittsprämie erhalten hatte, nannte er Fehlinformationen im Rahmen seiner Einstellung. "Der vorgelegte Businessplan war zu keiner Zeit gültige Konzernplanung", klagte er. Zudem sei das Unternehmen zum Zeitpunkt seiner Anheuerung "existenziell bedroht" gewesen.

Claassen machte deutlich, dass es mit ihm nur einen Kompromiss geben werde, wenn der Aufsichtsrat die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung anerkennt. "Wahrheit und Rechtmäßigkeit kann man nicht teilen, nicht halbieren", sagte er. Finanzielle Aspekte spielten eine untergeordnete Rolle. Das schwer gebeutelte Unternehmen und der Managerstreiten noch um eine Abfindung über sieben Millionen Euro.

Der Vorsitzende Richter Werner Meyer zeigte sich zuversichtlich, trotz der mehrfach gescheiterten Einigungsversuche, bis Ende November einen Vergleich zustande zu bringen. Die Kammer werde auf Basis der bisherigen Verhandlungen zwischen Claassen und Solar Millennium neue Vergleichsvorschläge machen. Falls die Vermittlung dennoch scheitere, werde die Verhandlung im Frühjahr 2012 fortgesetzt.

Quelle: ntv.de, rts