Wirtschaft

Investitionen in Infrastruktur Studie: Nato-Pläne können Hunderttausende Jobs in Deutschland schaffen

10.07.2026, 10:50 Uhr
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Zu sicherheitsrelevanter Infrastruktur zählen Straßen, Schienen oder Häfen, aber auch Stromnetze und Cybersicherheit. (Foto: picture alliance / Noah Wedel)

Die Nato-Staaten wollen deutlich mehr Geld in Infrastruktur stecken. Laut einer EY-Studie kann die deutsche Wirtschaft davon massiv profitieren - durch zusätzliche Milliarden-Investitionen und mehr als 700.000 neue Jobs. Doch die Studie sieht auch erhebliche Hürden.

Ob Brücken, Straßen oder Cyber-Abwehr: Die geplanten Investitionen in die sicherheitsrelevante Infrastruktur in Deutschland können einer Studie zufolge Hunderttausende Jobs schaffen. Etwa 723.000 neue Arbeitsplätze können dabei hierzulande entstehen, heißt es in der veröffentlichten Analyse des Beratungsunternehmens EY und der DekaBank. Zu erwarten seien ein "kräftiger Wachstumsschub". Europaweit könnten sogar mehr als vier Millionen Jobs entstehen.

"Investitionen in Infrastruktur - von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit - bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten", sagte EY-Experte Jan Friedrich Kallmorgen. "Und wir werden in den kommenden Jahren einen massiven Anstieg dieser Infrastrukturinvestitionen sehen - dazu haben sich die europäischen Nato-Länder verpflichtet". Von den zu erwartenden Investitionen dürften vor allem Bauunternehmen und Informations- und Kommunikationsunternehmen, Logistikunternehmen und die Elektronik- und Elektrotechnikbranche profitieren.

Die Nato-Länder hatten sich bei ihrem Gipfel im niederländischen Den Haag im vergangenen Jahr darauf geeinigt, bis 2035 ihre Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts aufzustocken und weitere 1,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für sicherheitsrelevante Infrastruktur auszugeben. Dazu zählen strategisch wichtige Straßen, Schienen oder Häfen, aber auch Stromnetze und die Cybersicherheit. Diese dürfte der Studie zufolge in den europäischen Nato-Ländern eine deutlich höhere Produktion von insgesamt 822 Milliarden Euro im Jahr anstoßen. 131 Milliarden Euro davon entfallen demnach auf Deutschland. Jeder investierte Euro führe "zu einem gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,51 Euro", erklärte EY.

Wichtige Branchen profitieren

Ein kräftiger Schub ist auch in weiteren europäischen Nato-Partnerstaaten zu erwarten. Insgesamt könnten die anstehenden Infrastrukturinvestitionen - sofern sie wie vorgesehen zusätzlich werden - europaweit 4,4 Millionen Arbeitsplätze schaffen. Davon können fast 1,8 Millionen direkt bei der Infrastrukturindustrie und ähnlich viele bei Zulieferern entstehen.

"Diese Investitionen in die verteidigungsrelevante Infrastruktur werden erhebliche ökonomische Effekte entfalten und den Volkswirtschaften insgesamt zugutekommen", sagte Kallmorgen. Sie könnten stärker noch als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinne die Konjunktur kräftig ankurbeln. Allein in Deutschland könnten jährlich zusätzlich rund 17,2 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben generiert werden. Diese Einnahmen resultierten insbesondere aus Einkommensteuern, Unternehmenssteuern sowie Sozialversicherungsbeiträgen.

Die Studie verweist zugleich auf erhebliche Hürden. Der hohe Investitionsbedarf treffe auf knappe öffentliche Kassen und einen bereits bestehenden Investitionsstau. Ohne privates Kapital sei eine ausreichende Widerstandsfähigkeit nicht erreichbar. Als weitere Hindernisse gelten den Autoren zufolge lange Genehmigungsverfahren und eine mangelnde Abstimmung zwischen zivilen und militärischen Planungen.

Quelle: ntv.de, mwa/AFP/rts

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