Wirtschaft

Fabrik kommt ins Berliner Umland Tesla-Werk soll bis zu 7000 Stellen schaffen

Jubel in der Hauptstadtregion: Der Elektroauto-Hersteller Tesla wählt das Berliner Umland als Standort für ein neues E-Autowerk in Europa. Zahlreiche neue Jobs sollen entstehen. Politik und Wissenschaft erwarten einen Schub für ganz Auto-Deutschland.

Die geplante Europa-Niederlassung des Elektroautoherstellers Tesla dürfte nach Einschätzung der Berliner Wirtschaftsverwaltung allein in Brandenburg 6000 bis 7000 neue Stellen schaffen. "Wichtig war für Tesla deshalb die Nähe zu Berlin sowie zum neuen Flughafen BER", sagte eine Sprecherin mit Blick auf das Fachkräfteangebot in der Hauptstadt.

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Tesla plant demnach auch ein Entwicklungs- und Designzentrum in Berlin. Wie viele zusätzliche Arbeitsplätze dort entstehen sollen und welche Standorte dafür diskutiert werden, wurde zunächst nicht bekannt. Berlins Wirtschaftssenatorin, Ramona Pop von den Grünen, sprach von einer Größenordnung von mehreren Hundert Stellen. In den vergangenen Monaten habe es intensive Gespräche zwischen Berlin, Brandenburg und Tesla gegeben, hieß es.

Tesla-Chef Elon Musk hatte am Dienstagabend überraschend in Berlin angekündigt, seine europäische Fabrik im Umland von Berlin zu bauen. Das Werk solle in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER errichtet werden. In der sogenannten Gigafactory sollen zunächst das künftige Kompakt-SUV-Model Y sowie auch Batterien und Antriebe produziert werden.

Dudenhöffer: Wettbewerb für alle gut

Die geplante Fabrik des Elektroauto-Herstellers Tesla soll nach Angaben aus Brandenburger Regierungskreisen in der Gemeinde Grünheide angesiedelt werden. Seit rund vier Monaten sei man über den geplanten Standort im Landkreis Oder-Spree im Gespräch, hieß es. Der Standort rund 35 Kilometer südöstlich vom Berliner Stadtzentrum ist an die Ringautobahn A10 sowie die A12 Richtung Polen angeschlossen.

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Tesla hatte schon seit Längerem nach einem Standort für eine "Gigafactory", wie der Konzern sein Werk selbst bezeichnet, in Europa gesucht. Obwohl auch andere Länder Interesse zeigten, hatte Musk zuvor bereits gesagt, dass Deutschland gute Chancen habe. Die Fabrik in Deutschland soll nach bisherigen Angaben voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in der Tesla-Entscheidung ein positives Signal für den Autostandort Deutschland. "Wettbewerb hat schon immer dafür gesorgt, besser und schneller zu werden", so Dudenhöffer. Entsprechend sei das auch eine gute Nachricht für VW, Daimler und BMW. "Mit der Entscheidung von Elon Musk für Deutschland werden wir gestärkt und die Elektromobilität nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln in Berlin."

Altmaier: "ein Meilenstein"

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Tesla-Werk in Kalifornien

(Foto: REUTERS)

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begrüßte die Pläne von Tesla. "Die Entscheidung von Tesla, eine hochmoderne Fabrik für Elektroautos in Deutschland zu errichten, ist ein weiterer Beweis für die Attraktivität des Automobilstandortes Deutschland", erklärte Altmaier. "Es ist zugleich auch ein Meilenstein beim Ausbau von Elektromobilität und Batteriekompetenz."

"Wir gehen davon aus, dass wir jetzt die Chance haben, in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Zentrum in diesem Bereich zu werden", sagte Altmaier. "Herr Musk hat zunächst einmal eine politische Entscheidung verkündet." Er erwarte, dass der nun kommunizierte Schritt "mit konkreten Investitionsentscheidungen" hinterlegt werde. "Es ist bisher nicht über Subventionen gesprochen worden", sagte Altmaier.

Batterie-Förderung obsolet?

Die Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Batterieproduktion sieht Dudenhöffer durch das Tesla-Werk weiter infrage gestellt. Es sei nun zu überlegen, welchen Sinn die von Altmaier angekündigte Milliarde für eine deutsche Lithium-Ionen-Fabrikation noch habe, so Dudenhöffer. Auch sei die mit 200 Millionen Euro vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Batterieforschungsfabrik kritisch zu hinterfragen.

"Wir sollten nicht in Aachen und Münster mit einer Batterieforschungsfabrik das Rad nochmals erfinden, sondern am wertvollsten arbeiten, dem Zellmaterial", fordert der Leiter des CAR-Center Automotive an der Universität Duisburg-Essen. Mit CATL in Erfurt sowie Northvolt, LG-Chem und Samsung an anderen Standorten seien noch weitere Batteriefabriken in Europa geplant.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/rts/DJ

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