Wirtschaft

Angriff auf den Energiemarkt Tesla wird zum Stromanbieter

Nach Solaranlagen und Stromspeichern bietet Tesla nun auch in Deutschland einen eigenen Stromtarif an. Revolutioniert der E-Autobauer also bald auch den Energiemarkt? Mancher Energieriese verfolgt den Vorstoß mit Argusaugen. Doch die Prognosen von Experten gehen weit auseinander.

Was die deutsche Autoindustrie erlebt, könnte auch den Energieversorgern blühen: Dass Elon Musk ihre Branche aufmischt. Denn Tesla verkauft nun auch in Deutschland Strom - noch für einen sehr kleinen Kundenkreis, doch der soll bald größer werden.

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Tesla 863,00

Bisher können den Ökostromtarif nur Verbraucher buchen, die sowohl eine Solaranlage als auch Teslas Stromspeicher für zu Hause - die "Powerwall 2" - besitzen, und das auch nur in Bayern und Baden-Württemberg. "In Kürze" soll das Angebot aber auf ganz Deutschland ausgedehnt werden, wie es auf der Homepage des Stromanbieters Octopus Energy heißt, über den Tesla seinen Stromtarif anbietet. Anfang nächsten Jahres sei dabei realistisch, bestätigt dessen Sprecherin auf ntv.de-Anfrage. Der britische Stromanbieter lote zurzeit außerdem weitere Kooperationen mit Tesla aus - die dann womöglich auch für Kunden interessant werden, die keine Solaranlage oder Powerwall haben.

Musk will nicht weniger, als auch den gesamten Energiemarkt nachhaltiger gestalten. Manche in der Branche beobachten den Vorstoß auf den deutschen Strommarkt deshalb mit Argusaugen. "So wie Tesla im Automobilsektor die Spielregeln geändert hat, so trauen wir denen auch die Disruption des Energiemarkts zu", zitiert das "Handelsblatt" einen Vertreter eines Energiekonzerns. "Wir nehmen Tesla sehr ernst und beobachten genau, was die vorhaben", heiße es bei einem der großen Stromkonzerne. Auch Energiemarkt-Analyst Klaus Kreutzer von Kreutzer Consulting traut Tesla demnach zu, ein ernstzunehmender Player auf dem Strommarkt zu werden. Unter anderem in Großbritannien ist Tesla schon auf dem Markt aktiv.

"Autobauer versuchen alles Mögliche"

Doch nicht alle Branchenkenner glauben an einen großen Erfolg. "Produzenten wie RWE dürften nichts befürchten", meint Nord-LB-Analyst Holger Fechner gegenüber ntv.de. In seinen Ohren klingt das Ganze wie eine "Werbemaßnahme, um den Kunden mehr zu bieten". Auch sein Kollege Frank Schwope, Auto-Analyst, glaubt nach der Revolution des Elektro-Automarkts nicht an die Revolution des Strommarkts. Er sieht in dem Stromtarif lediglich ein Zusatzgeschäft.

VW bietet ebenfalls einen eigenen Ökostromtarif an. Viele Autobauer probieren zurzeit alles Mögliche, wie Schwope ntv.de erläutert. "Vielleicht verkaufen sie ihre Energie-Töchter wieder an Energieriesen." Wie etwa beim Carsharing versuchten die Autokonzerne nach dem Prinzip Trial-and-Error herauszufinden, wo sie in Zukunft Geld verdienen können. Dafür testeten sie verschiedene Geschäftsmodelle - nun eben den Stromverkauf. Schwope glaubt auch nicht, dass Tesla in Deutschland aus der Nische fährt und zweistellige Marktanteile erreicht, schließlich verkaufen die Amerikaner Premium-Modelle.

Energiemarkt-Eperte Fabian Huneke von Energy Brainpool sieht zwar eine Chance für Tesla. Denn der Markenname sei für den Vertriebserfolg eines Stromanbieters oft entscheidend, sagt er ntv.de. Doch neue Stromvertriebe änderten selten etwas an den etablierten Mechanismen des Marktes. "Der Wechsel des Stromanbieters bringt für Endverbraucher häufig nur relativ geringfügige Ersparnisse", sagt Huneke. Daher habe der Grundversorger einer Region in der Regel "keine Angst" vor neuen Wettbewerbern.

Noch sind die Zahlen rot

Neben Strom, Solaranlagen und Speichern für Privathaushalte bietet Tesla großen Kunden wie Unternehmen riesige Stromspeicher, die "Megapacks". In Australien ist darüber hinaus Teslas "Autobidder" im Einsatz - der etablierten Energieversorgern ebenfalls Konkurrenz machen könnte. Über die Plattform wird automatisiert mit Strom gehandelt, wie das Portal "Futurezone.at" erläutert. Strom wird eingekauft und in Powerwalls und Autobatterien gespeichert, wenn er besonders günstig ist - und verkauft, wenn er besonders teuer ist oder gebraucht wird. Maschinelles Lernen optimiert den Handel laut Tesla. Sowohl die Kunden als auch der Autobauer können so durchs Stromspeichern Geld verdienen, was auch andere Autokonzerne erproben.

Das ist allerdings auch nötig. Nach roten Zahlen im vergangenen Jahr erwartet Analyst Jed Dorsheimer von der Investmentbank Canaccord Genuity laut "Handelsblatt" nun, dass Tesla Energy seinen Umsatz bis 2025 auf acht Milliarden Dollar steigert – bei einer Bruttogewinnmarge von 25 Prozent.

Quelle: ntv.de

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