Anbieter lobt sinkende Förderung"Schwarz-Rot steckt den Pfad klar ab: Es bleibt nur die Wärmepumpe"
Interview: Christian Herrmann und Clara Pfeffer
In der vergangenen Woche überrumpelt die schwarz-rote Koalition die Heizungsbranche. Die Wärmepumpen-Förderung wird umgestellt. Ohne Vorwarnung. "Viele Kunden mit abgeschlossenen Verträgen haben über Nacht 3600 Euro Förderung verloren", sagt Thermondo-Chef Felix Plog im Podcast "Das Klima-Labor von ntv". Die Bundesregierung möchte unter anderem Deutschlands größten Wärmepumpeninstallateur animieren, die Kosten zu senken. Die Förderung schrumpft ab sofort alle sechs Monate um 1300 Euro. Wer Wärmepumpen verkaufen möchte, muss günstiger werden. Doch der Thermondo-Chef ist nicht unzufrieden mit der Neuregelung, denn sie schafft Planbarkeit und gibt einen klaren Pfad vor: "Die Gasheizung ist keine Option mehr. Die wird extrem teuer. Nichtstun aber auch", sagt Plog. "Es bleibt nur die Wärmepumpe. Am besten sofort. Mich würde eine anhaltend starke Nachfrage nicht überraschen - bis nah an die 100-Prozent-Marke."
ntv.de: Wie viele Verträge haben Sie und Thermondo seit vergangener Woche gebrochen?
Felix Plog: Wir empfinden das nicht als Vertragsbruch, sondern als Situation, mit der keiner gerechnet hat. Im laufenden Geschäft haben wir jede Woche ungefähr 1000 Kunden-Termine. Dort werden Angebote erstellt, digital unterschrieben und zügig die Förderung beantragt. Wir stellen unseren Kunden eine Berechtigung für den Förderantrag aus. Dann können sie die Förderung im KfW-Portal beantragen. Aber dieses Portal war schlichtweg nicht erreichbar. Dieser Prozess wurde mit einer Kettensäge gestoppt.
Die KfW vergibt staatliche Kredite oder Fördermittel, in diesem Fall die Wärmepumpen-Förderung. Die erhalten Thermondo-Kunden jetzt nicht mehr?
Bei uns waren etwa 100 Kunden betroffen. Die haben sich gekümmert, den Vertrag unterschrieben, aber denen fehlte die Berechtigung für den Förderantrag. Wir benötigen ein, zwei Tage für die Ausstellung. Diese Kunden müssen wir auffangen. Das tun wir mit individuellen Lösungen und teilweise auch Kulanzregelungen.
Sie gleichen aus, was die Bundesregierung nicht mehr bezahlt?
Partiell. Vollständig geht das nicht.
Von welchen Summen reden wir denn?
Das Regelwerk ist wie immer kompliziert. Das erste Segment sind Haushalte mit geringen Einkommen bis 60.000 Euro. Dort wurden die Fördersätze teilweise erhöht. Es werden auch Kinder angerechnet, um die Förderung familienfreundlicher zu gestalten. Das begrüßen wir. In diesem Segment hat sich die Förderung nicht signifikant geändert. Die erhalten je nach Fördersatz 1000 bis 1500 Euro mehr oder weniger als zuvor.
Das zweite Segment sind Haushalte mit einem Einkommen von mehr als 60.000 Euro?
Ja. Das sind einige. Etwa 60 bis 70 Prozent der Kunden fallen in diese Kategorie. Die haben über Nacht 3600 Euro Förderung verloren. Das ist ein harter Schlag.
Bei Gesamtkosten von ...?
Das kommt auf die Fördersituation an. Grob geschätzt hätten sie vor einer Woche 20.000 Euro für die Wärmepumpe zahlen müssen. Reicht man den Antrag heute ein, werden 23.600 Euro fällig.
Wie haben Ihre Kundinnen und Kunden von den Mehrkosten erfahren?
Wir haben 120 Außendienstmitarbeiter und ein Sales-Team in Berlin, die entsprechende Gespräche geführt und auch erklärt haben, warum das so ist. Wir haben auch ein FAQ erstellt, das man durcharbeiten kann. Vor allem für Familien sind einige steuerrechtliche Fragen hinzugekommen: Was ist anrechenbares Haushaltseinkommen, was nicht? Jetzt müssen wir abwarten, wie sich der Markt austariert, denn das sind signifikante Eingriffe in die Margen.
Können die Kunden auch vom Vertrag zurücktreten?
Theoretisch ist das möglich, aber praktisch macht das niemand. Der Gesetzgeber hat ja nicht nur die bisherige Förderung reduziert, sondern sie auf einen klaren Degressionspfad geschickt, um einen starken Anreiz zu entfachen: Die Förderung wird ab sofort alle sechs Monate um 1300 Euro gesenkt.
Man kann nicht lange warten.
Genau. Die Förderung wird immer niedriger. Das ist für Kundinnen und Kunden unbefriedigend, weil sie sich beeilen müssen. Aber es ist auch eine klare Botschaft: Die Elektrifizierung ist unumkehrbar.
Dann haben Wirtschaftsministerin Reiche und die Bundesregierung alles richtig gemacht?
Die Bewertung der politischen Entscheidung müssen andere vornehmen. Es gibt gute Argumente, die Förderung zu kürzen. Die Branche musste irgendwann davon loskommen. Aber man darf nicht vergessen, dass wir auch deswegen eine hohe Förderung haben, weil die Strompreise extrem hoch sind. Das wird in dieser Gleichung gerne vergessen. In den nordischen Ländern sind sie deutlich niedriger. Dort ist keine hohe Förderung erforderlich, weil die Wärmepumpe sich einfach so lohnt. Ein Stück weit subventionieren wir also gegen unsere hohen Strompreise an.
Schwarz-Rot hatte im Koalitionsvertrag angekündigt, dass die Stromsteuer gesenkt wird.
Ja. Dieses Versprechen wurde gebrochen. Das ist gravierender als vieles anderes, was nicht erfolgt ist - aus Klimagründen, aber auch aus volkswirtschaftlichen. Wir importieren jedes Jahr für knapp 100 Milliarden Euro Erdgas und Öl. Es wäre strategisch wichtig, sich durch die Elektrifizierung davon zu lösen. Hohe Investitionen in die Energiewende lassen sich am besten auch dann rechtfertigen, wenn wir die Sektorkopplung hinbekommen und nicht nur Strom, sondern auch Mobilität, Heizen und andere Dinge elektrifizieren. Das sollte ganz oben auf der Agenda stehen.
Es gibt Stimmen, die sagen: Die hohe Förderung ist der Grund dafür, dass die Wärmepumpe in Deutschland so viel teurer ist als beispielsweise in Frankreich oder den nordischen Ländern. Ist die Kürzung ein Anreiz für die Hersteller, es günstiger zu versuchen?
Es ist einfach nicht wahr, dass sich mit der Wärmepumpe alle die Taschen voll machen. Octopus Energy hat analysiert, warum sie in Deutschland fast doppelt so teuer ist wie in Großbritannien: Wir haben hohe regulatorische Anforderungen. In vielen Netzbereichen muss ein Elektriker von uns und auch vom Netzbetreiber mitkommen, um eine Anlage anzuschließen. Allein dafür zahlen wir 500 bis 1000 Euro. Wir haben höhere Arbeits- und Lohnkosten als alle anderen Länder. Wir müssen den vollen Mehrwertsteuersatz auf die Wärmepumpe zahlen. In Großbritannien ist sie von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Betriebskosten treiben die Kosten in die Höhe, nicht die Margen. Trotzdem entsteht durch das Abschmelzen der Förderung und der Erhöhung des Marktpreises ein Anreiz, dagegen anzuarbeiten und die Kosten zu reduzieren. Wir arbeiten daran und unsere Wettbewerber sicherlich auch.
In welchen Bereichen denn?
Wir werden besser in der Installation. Früher hat jedes Team pro Woche eine Wärmepumpe geschafft. Inzwischen schafft jedes Team zwei. Das sind Effizienzgewinne, die man nach 16.000 installierten Wärmepumpen entwickelt. Wir versuchen ständig, solche Abläufe zu vereinfachen. Wir hoffen natürlich auch, dass die Materialkosten weiter sinken und die Hersteller durch die höheren Volumina in der Lage sind, Skaleneffekte zu realisieren und günstiger zu produzieren.
Genau das möchte man mit einer Förderung bewirken: Eine Technologie wird anfangs angeschoben, dann gibt es Effizienzgewinne und sie rechnet sich von allein. Sie sagen, das Abschmelzen der Fördersumme hilft. Damit hat allerdings niemand gerechnet. Erst recht nicht von heute auf morgen. Das übersteht der Markt?
Ich mache mich einmal unbeliebt und nehme die Perspektive der Politik ein: Die Regierung muss auf ihr Budget aufpassen und möchte Mitnahmeeffekte verhindern. So gesehen geht sie richtig vor, auch wenn das für uns als Anbieter ambivalent ist und wir unsere Kunden beschützen möchten.
Ein Monat für den Übergang wäre zu lang gewesen?
Die Förderung wurde in der Vergangenheit immer wieder angepasst. Die letzte große Änderung gab es 2023/24 von der Ampel. In solchen Momenten sehen wir große Vorzieheffekte. Das Volumen der Vertragsabschlüsse steigt. Wir kommen nicht mit der Installation hinterher. Dann bricht die Nachfrage plötzlich ein und man steckt sechs Monate lang im Nachfrageloch. Das ist für eine Firma auch nicht einfach zu verkraften. Wir benötigen einen konstanten Durchsatz. Eine geradlinige Entwicklung ohne große Ausschläge ist am besten. Diese Ausschläge wollte die Politik verhindern. Das kann ich nachvollziehen. Wir können damit leben und unsere Kunden werden sich auch daran gewöhnen, auch wenn man die eine oder andere Regelung hätte kulanter gestalten können.
Auf dem Markt hat dieser überraschende Beschluss also keinen großen Effekt?
Es gibt nicht so viele Optionen, wenn man eine neue Heizung braucht und auf die Wärmepumpe verzichten möchte: Man kann gar nichts machen oder eine Gasheizung einbauen. Das geht durch das neue Heizungsgesetz wieder. Fakt ist aber, dass die Gasheizung durch den steigenden CO2-Preis, die zunehmende LNG-Quote im deutschen Gasmix, steigende Netzentgelte, die Biotreppe und die Grüngasquote extrem teuer wird. Die Gasheizung ist also keine echte Option.
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben Wärmepumpen-Haushalte 2025 am günstigsten geheizt: Es wurden 12,20 Euro je Quadratmeter Wohnfläche fällig. Mit einer Gasheizung lagen die Heizkosten bei 16,20 Euro. Fernwärme kostete 20,90 Euro.
Ja. Darüber sind sich Menschen aber komplett im Klaren. Der Heizungsmarkt zeigt keinerlei Anzeichen für ein Aufleben der Gasheizung. Bleibt als Option also Nichtstun. Der Anreiz der neuen Förderung ist aber: Nichtstun wird teuer. Die Wärmepumpe kostet alle sechs Monate mehr. Der Pfad ist klar abgesteckt: Es bleibt nur die Wärmepumpe. Am besten sofort. Mich würde eine anhaltend starke Nachfrage nicht überraschen, auch wenn sie für viele Kunden schon jetzt teurer ist als vor einem Monat. Diese Delle müssen wir ausbeulen und dafür sorgen, dass sie trotz der abschmelzenden Förderung erschwinglich bleibt.
Das klingt so, als hätte die schwarz-rote Koalition beim Heizungsgesetz und bei der Wärmepumpen-Förderung einen richtig guten Job gemacht.
Wie gesagt, für uns sind die Beschlüsse ambivalent und aus Kundensicht sind sie nicht ideal. Aber jetzt gibt es Planbarkeit. Das ist für uns als Unternehmen letztlich das schlagende Argument. Wir können mit Interessenten sprechen und genau sagen, was in sechs Monaten sein wird. Das war bisher nicht so.
Dann ist Deutschland bei der Wärmewende wieder auf Kurs? Es gibt auch für Vermieter einen Anreiz, die teure Wärmepumpe statt der günstigen Gasetagenheizung zu finanzieren? Wir wollen ja auch Klimaziele erreichen.
Auch für Mehrfamilienhäuser gibt es eine Förderung. Die richtet sich nach der Anzahl der Wohnungen und ist stattlich. Der entscheidende Faktor ist allerdings, dass Vermieter zukünftig einen Teil dieser Biogas-Treppe mitbezahlen müssen und maximal 50 Prozent der Kosten auf ihre Mieter umlegen dürfen. Das ist ein brutal hoher Anreiz, Mehrfamilienhäuser zu elektrifizieren. Er war nie größer als jetzt. Das merken wir auch. Im vergangenen Jahr war die Wärmepumpe erstmals die am meisten verkaufte Heizung. Die Gasheizung schmiert komplett ab. Die Ölheizung ist eh seit anderthalb Jahren irrelevant. Diese Entwicklung wird sich nicht mehr umkehren. Es wird einen Restbestand mit Pellet-Heizungen geben oder vielleicht auch Gas, wo es konstruktionstechnisch nicht anders möglich ist. Aber in ein, zwei Jahren werden 90 oder sogar 95 Prozent der installierten Heizungen Wärmepumpen sein. Die wird nah an die 100-Prozent-Marke kommen.
Es gibt nichts zu mäkeln?
Doch, gewisse Dinge müssen wir angehen: Es gibt nach wie vor Risiken wie die CO2-Bepreisung. Der europäische Emissionshandel steht seit Monaten aus vielen Richtungen unter Beschuss. Das könnte ein Gas-Comeback verursachen, obwohl das ökonomisch aus vielen Gründen keinen Sinn mehr ergibt. Außerdem müssen die Stromsteuer und der Strompreis sinken. Das ist wichtig, denn das ist ein Legitimationsthema. Wenn ich die Kosten für eine Technologie stetig erhöhe, ohne die Betriebskosten zu senken, führt das zu Unzufriedenheit. Ansonsten sehen wir wirklich große Fortschritte, etwa bei den Batteriespeichern. Die Neuzulassungen von E-Autos steigen stark an. Die erleben eine gigantische Beschleunigung. Wer ein E-Auto hat, denkt automatisch über eine Solaranlage nach oder umgekehrt. Dann folgt zwangsläufig die Frage nach der Wärmepumpe, weil sich die Technologien gegenseitig ergänzen. Hat man eine Fußbodenheizung, kann man mit der Wärmepumpe im Sommer übrigens auch kühlen, aber eine Klimaanlage funktioniert in einem elektrifizierten Haushalt natürlich auch. Das ist eine fantastische Vision.
Mit Felix Plog sprachen Clara Pfeffer und Christian Herrmann. Das Gespräch wurde zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet. Das komplette Gespräch können Sie sich im Podcast "Das Klima-Labor von ntv" anhören.