Wirtschaft

"Grad' mit König Salman geredet" Trump quetscht Saudi-Arabien aus

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Mit einem Anruf beim saudischen König will Donald Trump die Ölpreise gesenkt haben. Doch so einfach ist es nicht.

(Foto: REUTERS)

So funktioniert Wirtschaftspolitik im Trump-Zeitalter: Der US-Präsident will niedrigere Ölpreise. Also ruft er in Saudi-Arabien an. Dann verbreitet er Lügen über das Telefonat mit König Salman. Doch die Wahrheit lässt sich nicht auf Dauer wegtwittern.

Donald Trump twittert unentwegt. Meist geht es schon frühmorgens los, manchmal bereits um 6 Uhr. Der US-Präsident lästert, prahlt und schmollt; beleidigt, bedroht und belügt die Welt jeden Tag von seinem Smartphone aus, wie es ihm gefällt. Mehr als 38.000 Tweets hat Trump bereits an seine mehr als 53 Millionen Follower abgesetzt. Oft macht er sich dabei lächerlich. Doch manchmal auch gezielt Weltpolitik.

Schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat Trump sein Twitter-Megafon genutzt, um die Ölpreise zu drücken. Am Mittwoch nahm er die Opec ins Visier: Das Kartell "treibt die Preise höher während die Vereinigten Staaten viele seiner Mitglieder für wenig Geld verteidigen. Das darf keine Einbahnstraße sein. Senkt die Preise jetzt!" Am Markt ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Am Donnerstagmorgen gaben die Preise um 0,5 Prozent nach.

Seine Kampagne gegen den Ölpreis hatte Trump allerdings schon am Wochenende gestartet - mit einem Frontalangriff das größte Opec-Mitglied Saudi-Arabien. Dabei kombinierte er echte Diplomatie geschickt mit einer Social-Media-Attacke. "Habe grad' mit König Salman von Saudi-Arabien gesprochen und ihn gebeten, dass Saudi-Arabien die Ölproduktion erhöht, vielleicht bis zu 2 Millionen Barrel", twitterte Trump am Samstag. "Die Preise sind zu hoch! Er hat eingewilligt!" behauptete der US-Präsident. Am Montag fielen daraufhin die Ölpreise.

Das Ölmärchen hat funktioniert

So funktioniert Außenpolitik in Trumps Welt: Wenn er mehr Öl auf dem Markt will, ruft Trump einfach mal schnell in Riad an und bestellt Nachschub. Der saudische König steht dann im Palast sofort stramm und fährt quasi persönlich die Förderpumpen hoch. Der übermächtige US-Präsident kann die Scheichs am Golf mit einem Satz am Telefon nach Belieben ausquetschen, wie es ihm passt.

Das Problem ist nur: Die Geschichte stimmt nicht. Trump hat die Ölmärkte zwar vom Smartphone aus bewegt. Aber nur mit einer Lüge. Denn der saudische König Salman erinnert sich ganz anders an das Telefonat mit Trump. Nur eine Stunde danach gab seine staatliche Nachrichtenagentur SPA eine Mitteilung heraus. König Salman habe tatsächlich mit Trump telefoniert. Die beiden hätten "die Notwendigkeit betont, Anstrengungen zu unternehmen, um die Stabilität der Ölmärkte zu gewährleisten". Von einem Produktionsziel war in der Meldung keine Rede, schon gar nicht von einer Erhöhung der Förderung auf zwei Millionen Barrel täglich.

Kein Wunder: Das entspräche einem Anstieg von 20 Prozent. Selbst für den Ölriesen wäre das eine gigantische Ausweitung. Saudi-Arabien produziert nach Opec-Angaben derzeit rund zehn Millionen Barrel pro Tag. Und hat kein besonders großes Interesse an niedrigeren Preisen: Jahrelang hat die Ölmonarchie einen erbitterten Verdrängungskampf mit den Schieferölproduzenten in den USA geführt. Dadurch waren die Preise auf den tiefsten Stand in einem Jahrzehnt bei rund 30 Dollar abgestürzt. Inzwischen haben sie sich wieder auf Niveaus von über 70 Dollar stabilisiert - und die Scheichs freuen sich über die zusätzlichen Petrodollars, die ihnen dadurch in die Kasse fließen. Auch das Weiße Haus ruderte kurz nach Trumps Tweet zurück und nannte keine konkrete Fördermenge mehr, auf die sich der saudische König laut Trump angeblich festgelegt haben sollte.

Trump kann Probleme nur scheinbar wegtweeten

Noch bezeichnender ist, warum Trump sich überhaupt veranlasst sah, mehr Öl aus dem saudischen König herauszupressen. "Wegen den Turbulenzen & Störungen in Iran und Venezuela" hätte er Saudi-Arabien gebeten, "die Abweichungen auszugleichen", erklärte Trump seinen Anruf in Riad.

Dabei hat Trump dieses Chaos zum Großteil selbst verursacht - mit seinem Ausstieg aus dem Iran-Abkommen. Durch die Sanktionen, die Washington wieder in Kraft gesetzt hat, fällt ein Großteil der iranischen Ölexporte für den Markt aus. Die freien Kapazitäten in den anderen Opec-Ländern reichen gerade noch aus, um die Ausfälle abzufedern. "Dass es Trump selbst ist, der durch seine Iran-Politik die Preise steigen lässt, kommt dem US-Präsidenten nicht in den Sinn", konstatiert die Commerzbank.

Der US-Präsident kann im digitalen Zeitalter also tatsächlich Probleme schaffen und sie dann scheinbar wieder wegtweeten. Seine Anhänger und die Märkte glauben ihm jedenfalls. Seine Lügen funktionieren. Fragt sich nur wie lange. Abgesehen von den kleinen Knicks nach Trumps Ölmärchen auf Twitter, von denen sich die Märkte inzwischen wieder erholt haben, sind die Preise bislang nicht dauerhaft gesunken.

Quelle: n-tv.de

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