Wirtschaft

Eiszeit auf Weltwirtschaftsforum Trump und Merkel duellieren sich in Davos

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Donald Trump betritt in Davos vermintes Gelände. Angela Merkel bietet seiner Abschottungspolitik Paroli.

(Foto: picture alliance / Pablo Martine)

Bei seinem Besuch in den Schweizer Alpen sucht Donald Trump die große Bühne für seine Abschottungspolitik. Doch der Empfang ist frostig. Seine Widersacher machen offen Front gegen "America First".

Angela Merkels Botschaft auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kommt an, ohne dass sie den angesprochenen Adressaten beim Namen nennen muss. "Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt. Wir glauben, dass Protektionismus nicht die Antwort ist", mahnte die Kanzlerin. Wenn man der Meinung sei, dass die Dinge nicht fair zugingen, müssten multilaterale und nicht unilaterale Lösungen gesucht werden, forderte Merkel. Diplomatisch entwirft sie ihre Vision eines geeinten Europas, von freiem Handel und Globalisierung, ohne den zu erwähnen, der diese Prinzipien von Davos missbilligt: US-Präsident Donald Trump.

Merkel und Trump liefern sich in Davos ein Fernduell. Dass Merkel nach zwei Jahren Abwesenheit überhaupt zum Elitetreffen in die Schweizer Alpen reist, hat einen einfachen Grund: Sie will Trump und seiner Politik nicht das Feld überlassen. Denn als erster US-Präsident seit Bill Clinton nimmt auch Trump an der alljährlichen Versammlung von Spitzenpolitikern, Top-Managern, Notenbankern, Schauspielern und Künstlern im Schweizer Luftkurort teil.

Treffen will sie ihn trotzdem nicht. Trump hält seine große Rede am Freitag. Vorher spricht Merkel in Davos mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri. Den US-Präsidenten aber schneidet die Kanzlerin, obwohl er nur kurz nach ihrer Abreise landet. Merkel könne Trump ja jederzeit anrufen, wenn sie ihn sprechen wolle, heißt es in Berlin.

Die späte Retourkutsche verschärft die Eiszeit, die seit Merkels erstem Besuch in Washington vor einem knappen Jahr zwischen beiden herrscht, als Trump ihr vor laufenden Kameras den Handschlag verweigerte. Ihre Rivalität hat sich inzwischen über Stilfragen hinausentwickelt. Der Schlagabtausch in Davos offenbart nicht mehr nur die Persönlichkeitsunterschiede zwischen dem impulsiven, dauertwitternden Populisten im Weißen Haus und der zaudernden, kühlen Sachverwalterin im Kanzleramt. Der Konflikt zwischen Merkel und Trump ist zum Kampf der politischen Agenden gewachsen: weltoffene, multilaterale Globalisierung gegen nationalistisches "America First".

"Die Kräfte des Protektionismus erheben sich"

Merkel reiht sich in Davos ein in eine Phalanx von Weltpolitikern, die Trumps Abschottungspolitik die Stirn bieten. Den Anfang machte schon am Dienstag Indiens Regierungschef Narendra Modi. "Die Kräfte des Protektionismus erheben das Haupt gegen die Globalisierung", sagte Modi. Die Folgen seien "nicht weniger gefährlich als der Klimawandel oder der Terrorismus", warnte er.

Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat sich deutlich von Trump distanziert, der das Nafta-Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada neu verhandeln will. "Wir sehen viel Skepsis gegenüber dem freien Handel weltweit", sagte Trudeau. "Wir bemühen uns sehr, unseren Nachbarn im Süden zu überzeugen, wie gut Nafta ist." Und selbst IWF-Chefin Christine Largarde sieht in den "protektionistischen Versuchungen einiger populistischer Politiker" die größte Gefahr für die Weltwirtschaft.

Dass Trumps Empfang in Davos frostig werden würde, hatte sich schon im Vorfeld abgezeichnet. Die Gesprächsrunden, die vor seiner Ankunft stattfinden, heißen zum Beispiel "Fake news vs echte Politik". Das Forum "Beben im Handelssystem" ergründet die Frage 'Was, wenn bilaterale Handelskriege sich aufschaukeln und multilaterale Streitbeilegungsinstitutionen zu schwach sind zu antworten?' Andere Panels beschäftigen sich mit den "Globalen Folgen von 'America First' " und "Demokratie in der postfaktischen Gesellschaft".

"USA besetzen ihre Festungswälle"

Trump ist in Davos bereits in aller Munde, bevor er überhaupt gesprochen hat. Und pünktlich zur Anreise hat er noch einmal unter Beweis gestellt, dass er beim Klassentreffen der Globalisierungsfans in den Schweizer Alpen eigentlich fehl am Platz ist: Er verhängte drakonische Strafzölle für Waschmaschinen und Solarmodule aus Asien. China und Südkorea haben bereits protestiert und Beschwerden vor der Welthandelsorganisation WTO angekündigt.

Davos ist ein politisches Minenfeld für Trump. Trotzdem kommt er, um die Bühne der Weltpolitik für seine Botschaft zu nutzen. Als Vorhut rühren unter anderem Finanzminister Steven Mnuchin, Handelsminister Wilbur Ross, Heimatschutz-Ministerin Kirstjen Nielsen und Verkehrsministerin Elaine Chao schon mal die Werbetrommel für "America First".

"Sein Interesse, nach Davos zu kommen, liegt darin, sich mit anderen Regierungschefs zu treffen und ihnen seine Agenda zu erläutern", sagt Mnuchin. "Handelskriege werden jeden Tag ausgefochten. Leider verletzen jeden Tag verschiedene Länder die Regeln und ziehen einen Vorteil daraus", verteidigt Ross seinen Präsidenten. "Handelskriege hat es immer schon gegeben. Der Unterschied ist, dass jetzt die US-Truppen ihre Festungswälle besetzen."

Neben Merkel spricht heute auch noch Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron vor Trump. Ihn und seine Frau wollte Trump beim Besuch in Paris zum Nationalfeiertag im Sommer - anders als Merkel - gar nicht wieder loslassen. Doch der "längste Handschlag der Geschichte" wird sich in Davos nicht wiederholen. Auch Macron reist wie Merkel schon vor Trumps Ankunft wieder ab.

Quelle: n-tv.de

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