Wirtschaft

Schlimmste Krise seit 100 Jahren USA vor Wirtschaftseinbruch von 30 Prozent

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Lange Schlange an der Essensausgabe in New York: In den USA haben durch die Corona-Krise mehr als 26 Millionen Menschen ihre Jobs verloren.

(Foto: REUTERS)

Durch die Corona-Pandemie verlieren in den USA mehr als 26 Millionen Menschen ihre Jobs. Die Katastrophe zeigt sich auch in der ersten Wirtschaftsschätzung des Jahres: Im ersten Quartal bricht die Wirtschaftsleistung um 4,8 Prozent ein. Und fast alle Analysten sagen: Das Schlimmste kommt noch.

Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal wegen der Coronavirus-Pandemie geschrumpft. Wie das Handelsministerium mitteilt, ging die Wirtschaftsleistung von Januar bis einschließlich März auf das Jahr hochgerechnet im Vergleich zum Vorquartal um 4,8 Prozent zurück. Im vierten Quartal 2019 war die weltgrößte Volkswirtschaft noch 2,1 Prozent gewachsen. Inzwischen warnen Experten, dass den USA der stärkste Wachstumseinbruch seit der Weltwirtschaftskrise vor fast 100 Jahren droht.

Die Coronavirus-Pandemie hatte sich in den USA im vergangenen Monat zugespitzt. Ab Mitte März haben viele Bundesstaaten für die Wirtschaft verheerende Ausgangsbeschränkungen verhängt. Seither verloren mehr als 26 Millionen Menschen ihren Job.

Experten gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote inzwischen bei etwa 15 Prozent liegen dürfte. Die Regierung befürchtet für das zweite Quartal einen noch drastischeren Wirtschaftseinbruch - womöglich sogar ein Schrumpfen um bis zu 30 Prozent.

Schlimmer als erwartet

In den USA werden Wachstumszahlen für die Quartale stets auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben damit an, wie sich die Wirtschaft entwickeln würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. In Europa wird auf diese Methode verzichtet, weshalb die Zahlen nicht unmittelbar miteinander vergleichbar sind. Bei den jüngsten US-Daten handelt es sich zudem um die erste Schätzung des Jahres, der Wert könnte daher Ende Mai oder Ende Juni noch korrigiert werden.

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Allerdings übertrifft die Schätzung die Erwartung von Experten: Sie hatten mit einem Minus von 4,0 Prozent gerechnet. "Der längste Aufschwung der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte ist beendet", sagte Christoph Balz von der Commerzbank. "Da die Pandemie erst im März durchschlug, dürfte die Wirtschaft im zweiten Quartal noch stärker einbrechen."

Fritzi Köhler-Geib, die Chefvolkswirtin der KfW, schloss sich an: "Der gemeldete Rückgang des BIP (...) geht im Wesentlichen allein auf die zweite Märzhälfte zurück. Für das laufende zweite Quartal zeichnet sich bereits jetzt ein weit deutlicherer Einbruch der Wirtschaftsleistung ab. Es ist unwahrscheinlich, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einer deutlichen Erholung kommt."

Trump hofft auf rasche Erholung

Einzelne US-Bundesstaaten haben bereits begonnen, ihre Corona-Beschränkungen zu lockern. US-Präsident Donald Trump hofft daher auf eine rasche Erholung der Wirtschaft im dritten und vierten Quartal. Eine schwere Rezession dürfte ihm im Wahljahr höchst ungelegen kommen. Trump bemüht sich im November um eine zweite Amtszeit.

US-Kongress und Regierung haben wegen der Pandemie bereits Konjunkturpakete in Höhe von rund 2,7 Billionen Dollar auf den Weg gebracht, um den Anstieg der Arbeitslosigkeit und das Einbrechen der Konjunktur abzubremsen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wiederum hat ihren Leitzins bereits auf fast Null gesenkt und Notprogramme in Höhe von mehreren Billionen US-Dollar aufgelegt, um Finanzmärkte und Wirtschaft zu stabilisieren.

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Zentralbankchef Jerome Powell will sich im Laufe des Tages zur wirtschaftlichen Lage äußern. In den USA haben sich Daten der "New York Times" zufolge bislang rund eine Million Menschen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Mehr als 50.000 Menschen sind gestorben.

Quelle: ntv.de, chr/dpa