Prognose angehobenWTO sieht überraschend robuste Weltkonjunktur - KI-Boom treibt an

Der weltweite Warenverkehr wird in diesem Jahr laut WTO deutlich stärker zulegen als angesichts der vielen Krisen zunächst befürchtet. Das liegt einerseits an der hohen Nachfrage rund um KI, aber auch geringeren direkten Folgen des Nahost-Konflikts. Manche Branchen leiden jedoch erheblich.
Der Welthandel zeigt sich deutlich robuster als angesichts der Krisen erwartet und entwickelt sich erheblich besser. Inn der Folge hob die Welthandelsorganisation (WTO) ihre Wachstumsprognose beim Warenhandel von 1,9 auf 3,9 Prozent an. Zentraler Grund sei der starke Anstieg der Investitionen in künstliche Intelligenz (KI). Im ersten Halbjahr sei die Nachfrage nach Halbleitern, Rechenzentren und digitaler Infrastruktur für einen Großteil des weltweiten Wachstums des Warenhandels verantwortlich gewesen, befand die WTO. Für das nächste Jahr erwartet die WTO sogar ein Plus von 4,1 Prozent beim Warenhandel. Im vergangenen Jahr betrug das Wachstum des Welthandels 4,6 Prozent.
Die Belastung des Welthandels durch den Nahostkonflikt mit der zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus sei zwar erheblich, werde aber durch den KI-Boom mehr als ausgeglichen, teilte die WTO in Genf mit. "Die Zahlen belegen die Widerstandsfähigkeit des Handels in der Praxis", sagte WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala. Die Erhöhung der Prognose sei ein Zeichen dafür, dass sich die globalen Lieferketten an die Störungen auf den Energie- und Düngemittelmärkten angepasst hätten, hieß es.
Obwohl die Rohölexporte aus dem Nahen Osten in der ersten Jahreshälfte laut WTO um rund ein Viertel und die Exporte von Flüssigerdgas (LNG) um fast die Hälfte zurückgingen, wurde dank anderer Anbieter der Rückgang der weltweiten Exporte auf etwa sechs Prozent beim Rohöl und ein Prozent bei LNG begrenzt. Die weltweiten Importe stickstoffhaltiger Düngemittel lagen laut WTO nur 2,8 Prozent unter den jüngsten Durchschnittswerten. Die Handelsströme seien über alternative Häfen und Korridore umgeleitet worden. Der weltweite Containerumschlag habe bis Juli einen Anstieg von 3,9 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn verzeichnet.
Schwächer als bisher erwartet entwickelt sich derweil der Handel mit kommerziellen Dienstleistungen. Die WTO senkte ihre Prognose für das laufende Jahr von 4,8 auf 3,3 Prozent. Betroffen sind vor allem Transport, Reisen und Tourismus. Höhere Spritkosten, Flugbeschränkungen und geopolitische Spannungen bremsen den Angaben zufolge das Geschäft. Für kommendes Jahr wird allerdings eine Erholung auf 6,4 Prozent erwartet.
In diesem Jahr werde Asien mit 9.9 Prozent das stärkste Wachstum bei den Warenexporten verzeichnen, hieß es. Nordamerika (5,7 Prozent), Afrika (5,6 Prozent) und Südamerika (3,4 Prozent) folgen dahinter. Die Exportentwicklung in Europa dürfte schwach bleiben.
Zu den Risiken für 2027 zählen laut WTO neben dem Nahostkonflikt eine mögliche Abschwächung der KI-Investitionen sowie anhaltend hohe Energiepreise.
