Wirtschaft

Trauer um ehemaligen VW-Chef Wegbegleiter würdigen Königsmacher Piëch

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Auf landes- und bundespolitischer Ebene waren Gerhard Schröder und Ferdinand Piëch verbandelt.

(Foto: imago images / photothek)

Über Jahre formt Ferdinand Piëch Volkswagen zu einem Weltkonzern. Nach seinem Tod trauern viele Gefährten aus Wirtschaft und Politik um einen der "weltweit bedeutendsten Unternehmensführer".

Nach dem Tod des langjährigen Volkswagen-Chefs Ferdinand Piëch haben Wegbegleiter aus dem Unternehmen und aus der Politik ihren Respekt vor der Lebensleistung des Managers ausgedrückt. VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh würdigte Piëch als "großen Manager und Ingenieur". "Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung", sagte Osterloh.

Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und Altkanzler Gerhard Schröder würdigte die Vita seines ehemaligen Weggefährten. "Ferdinand Piëch gehörte zu den weltweit bedeutendsten Unternehmensführern unserer Zeit. Er hat die globale Automobilbranche über mehrere Jahrzehnte geprägt", sagte Schröder. Den VW-Konzern habe er nach 1993 aus einer tiefen Krise herausgeführt und zu einem Weltkonzern geformt. "Damit hat er Zehntausende von Arbeitsplätzen in Niedersachsen und Deutschland gesichert. Unser Land hat Ferdinand Piëch viel zu verdanken."

Auch Niedersachsens aktueller Ministerpräsident Stephan Weil sagte, Piëch sei "einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" gewesen. "Dass die langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen im Jahr 2015 unter schwierigen Bedingungen beendet werden musste, habe ich sehr bedauert. Der große Dank für die Leistung von Ferdinand Piëch und der tiefe Respekt bleiben davon unberührt", sagte der SPD-Politiker.

Im Frühjahr 2015 hatte sich Piëch nach einem Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn aus den Aufsichtsratsgremien des Volkswagen-Konzerns zurückgezogen. Das Land Niedersachsen hat zwei Sitze im VW-Aufsichtsrat. Aktuell ist dort neben Weil der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann vertreten. Der CDU-Politiker schrieb auf Twitter, das Land verliere mit Piëch "eine große Unternehmerpersönlichkeit", die die Erfolgsgeschichte von VW maßgeblich mitgeschrieben habe.

"Leidenschaft für das Automobil"

Die Stadt Braunschweig, wo Piëch fünf Jahre lang lebte, trauert um ihren Ehrenbürger. "Professor Piëch war eine national wie international anerkannte Unternehmer- und Managerpersönlichkeit, die sich um die Entwicklung des Unternehmensstandorts Braunschweig sehr verdient gemacht hat", sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth.

Piëch war am Sonntag im Alter von 82 Jahren "plötzlich und unerwartet" gestorben, wie seine Ehefrau Ursula Piëch mitteilte. Sie schrieb: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt. Piëch hinterlasse eine große Familie mit 13 Kindern und mehr als doppelt so vielen Enkelkindern, hieß es weiter. In früheren Medienberichten war häufig von 12 Kindern die Rede gewesen. Auf Nachfrage dazu verwies Anwalt Christian Schertz lediglich auf die Mitteilung der Witwe.

Piëch - Strippenzieher und Königsmacher

Der in Wien geborene Piëch hatte viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns gestanden. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht war groß, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat.

Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen. Mit strenger Hand lenkte der detailverliebte Autonarr das immer größer werdende VW-Imperium zusammen mit dem damaligen Konzernchef Winterkorn, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zu Winterkorn - den Machtkampf verlor Piëch, er warf im Zorn hin.

Als Piëch 80 Jahre alt wurde, würdigte VW die Verdienste des Managers: "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", sagte ein VW-Sprecher damals. "Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft." Sein milliardenschweres Aktienpaket an der VW-Dachholding Porsche SE hatte Piëch da schon an Verwandte verkauft.

Quelle: ntv.de, mba/dpa