Wirtschaft

Mit ETFs am Ball bleiben – Teil drei Wenn der Index sich geschlagen gibt

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In der ETF-Welt kann der Schatten schon mal besser sein als der Spieler.

(Foto: REUTERS)

Der Hauptfaktor bei der Auswahl eines ETFs sollte die Performance sein. Manche ETFs schaffen es sogar, ihren Basiswert zu übertreffen. Die Abweichungen vom zugrunde liegenden Index helfen, den Überblick zu behalten – Teil drei unserer ETF-Erklärungsreihe.

In Deutschland sind über 1.000 ETFs gelistet, weltweit sind es 5.000. Die Auswahl ist groß und wird eher zu- als abnehmen. Zwar verschwinden dadurch auch die weißen Flecken auf den Landkarten, die nicht per ETF investierbar sind. Aber im Produktedschungel können Anleger auch schnell die Orientierung verlieren. Und ETFs – selbst wenn sie den gleichen Basiswert abbilden – sind keineswegs alle gleich. Die Performance eines Index und eines ETFs sind keine eineiigen Zwillinge und auch von ETF zu ETF gibt es Abweichungen. "Deswegen sollten Anleger sich ruhig die Tracking Differenz, also den Abstand nach oben oder unten zur Benchmark, auch anschauen. Dieser Indikator berücksichtigt alle direkten und indirekten Kosten wie die Replikationskosten, Managementgebühren, Handelskosten und die Swap-Gebühren", sagt Marcus Russ, ETF-Experte und Seniorfondsmanager bei der Veritas Investment GmbH.

Was viele nicht wissen: ETFs können auch ihren Index schlagen, wenn auch nur um ein paar Basispunkte. Gerade auf den Dax oder den EuroStoxx 50 gibt es zum Beispiel mittlerweile ein recht großes Angebot und auch den einen oder anderen ETF mit einer Outperformance. Häufig ist der Grund dafür, dass die Quellensteuer auf ausländische Dividendenerträge teilweise zurückerstattet wird. In den meisten europäischen Ländern werden viele Emittenten wie ein Inländer beim Aktienkauf behandelt – und das hat steuerliche Vorteile: Teile oder auch die gesamte Quellensteuer, die auf Dividenden fällig wird, werden zurückerstattet. Das wiederum erhöht den Betrag, der ausgeschüttet werden kann.

Die Performance ist entscheidend

Die Performance von ETFs ist das A und O. Nur wer die Wertentwicklung mit dem zugrunde liegenden Index und mit anderen ETFs vergleicht, sieht im Performanceunterschied auch die Kostenanteile. "Daher ist die Gesamtkostenquote wenig aussagekräftig", sagt Chris Hofmann, ETF-Expertin des Market Makers UniCredit. "Wichtiger ist, ob der ETF den zu Grunde liegenden Index möglichst genau abbildet."

Ins gleiche Horn stößt Jörg Sengfelder, ETF-Experte vom Market Maker Flow Traders. Die Tracking Differenz, die die Abweichung des ETFS von seinem Basiswert inklusive Kosten umfasst, sowie die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) sind seiner Meinung nach die entscheidenden Kriterien, auf die ein Privatanleger achten sollten. "Denn der Spread ist bei ETFs nicht fix, sondern kann sich ändern."

"Auf den Webseiten der verschiedenen Börsenplätze, die ETFs handeln, können Anleger die Spreads mittlerweile gut nachverfolgen", sagt Sengfelder. Generell gilt: Je mehr Market Maker, also Börsenhändler, die die Handelbarkeit von Wertpapieren sichern, ein ETF-Anbieter hat, desto enger sind die Geld-Brief-Spannen. ETF-Emittenten arbeiten daher mit zahlreichen verschiedenen Market Makern zusammen. Lyxor zum Beispiel hat aktuell 15 Market Maker, die einen liquiden Handel über die Börse sicher stellen sollen. Das ist ein Teil der Lyxor-Qualitätscharta, zu der sich der ETF-Emittent bereits im Herbst 2011 freiwillig verpflichtet hat.

Konsequenzen für den Anleger

Was bedeutet das aber für Investoren? Vor allem beim Börsenhandel sollten Anleger aufgrund der sich verändernden Spreads immer mit Limits handeln. Dagegen ist die Größe beziehungsweise das Volumen eines ETFs ein Merkmal, auf das man sich nicht zwingend bei der Auswahl fokussieren muss, das man aber im Blick behalten sollte. Denn ETFs mit dauerhaft kleinen Volumen laufen eher Gefahr vom Markt genommen zu werden, als ETFs, die viele Kundengelder eingesammelt haben. Allerdings sollte man dabei auch im Hinterkopf behalten, dass sich das verwaltete Vermögen bei ETFs schnell ändern kann. Mit Blick auf das wachsende Gesamtvolumen dürfte die Größe eine immer kleinere Rolle spielen.

"Bevor ein Anbieter einen ETF kauft, sollte er sich überlegen, in welchen Markt er investieren möchte und dann sich den zu Grunde liegenden Index anschauen", sagt Sengfelder. Anleger können inzwischen über einen ETF in sämtliche Anlageklassen investieren. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Produktangebot der ETFs stetig erweitert. Am Anfang gab es nur Aktien-ETFs. 1996 wurde der erste Schwellenländer-ETF lanciert, in den darauffolgenden Jahren wurde die Palette an ETFs ständig ergänzt. Die grundsätzlichen Kriterien, auf die ein Anleger aber beim ETF-Kauf achten sollte, bleiben die gleichen.

Quelle: n-tv.de

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