Wirtschaft

TUI prüft Startverbot Wo Boeings Unglücksflieger im Einsatz sind

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Nach zwei Crashs ist die Boeing 737 Max 8 ins Zwielicht geraten.

(Foto: REUTERS)

Nach dem zweiten Absturz eines nagelneuen Jets von Typ 737 Max 8 wachsen Zweifel an der Sicherheit des meistverkauften Flugzeugs der Welt. China, Indonesien und Äthiopien verhängen bereits Flugverbote. Auch in Europa sind bald hunderte Maschinen im Einsatz.

Wer jemals in einem Flugzeug geflogen ist, hat sehr gute Chancen, in einer Boeing 737 gesessen zu haben. Seit der Einführung Ende der 1960er-Jahre ist der Jet zum Arbeitstier der internationalen Luftfahrt geworden: Tausende Maschinen sind weltweit im Einsatz. Mit der neusten Variante des meistverkauften Verkehrsflugzeugs der Welt, der sogenannten 737 Max 8, gibt es nun womöglich Probleme.

Nach zwei Abstürzen mit über 300 Toten innerhalb von nur fünf Monaten - Ende Oktober bei der indonesischen Lion Air und nun am Wochenende in Äthiopien - wachsen die Zweifel an der Sicherheit des Modells. China, Äthiopien und Indonesien haben der Maschine bereits Flugverbot erteilt. Auch die deutsche Fluggesellschaft TUI prüft ein Startverbot für seine Maschinen vom Typ 737 Max 8. "Wir stehen in engem Kontakt mit Boeing und werden mit dem Hersteller die Situation bewerten", sagte ein Tuifly-Sprecher am heutigen Montag.

Tödliche Fehlfunktion am Autopiloten?

Noch ist unklar, ob es eine Verbindung zwischen den Crashs gibt. In beiden Fällen waren die nagelneuen Flugzeuge vom gleichen Typ nur wenige Minuten nach dem Start abgestürzt, nachdem die Piloten um Rückkehr zum Flughafen gebeten hatten. Die Untersuchung in Äthiopien hat gerade erst begonnen. Der Absturz in Indonesien hat Beunruhigendes zutage gefördert. Die Maschine war "nicht flugtüchtig". Die Ermittler haben sich bislang zwar noch nicht auf eine Absturzursache festgelegt. Die "New York Times" berichtete jedoch unter Berufung auf den Untersuchungsbericht, dass die Lion-Air-Piloten praktisch von Beginn an gegen den Crash kämpften: Mehr als zwei Dutzend Mal sollen sie versucht haben, die Maschine aus einem automatischen Sinkflug wieder nach oben zu ziehen.

Luftfahrtexperten und Piloten vermuten deshalb, der Absturz könne mit einer tödlichen Fehlfunktion des Autopiloten zu tun haben: Registriert er einen drohenden Strömungsabriss an den Tragflächen, schickt er das Flugzeug automatisch in den Sturzflug, um so einen Crash zu verhindern. Um die Maschine abzufangen, muss der Pilot bei der 737 Max 8 den Autopiloten abschalten.

Über diese Neuerung habe Boeing aber weder Airlines noch Piloten informiert, kritisierten US-Luftfahrtexperten. Womöglich schafften es auch die Piloten der Lion-Air-Unglücksmaschine deshalb nicht, den Absturz zu verhindern. Eine Woche nach dem Crash räumte Boeing ein, dass es zu der vermuteten Fehlfunktion kommen könne, und verschickte laut "Wall Street Journal" eine weltweite Sicherheitswarnung zur neuen 737 Max an alle Kunden.

737 Max wurde weltweit verkauft

Weltweit hat Boeing nach eigenen Angaben bereits mehr als 5000 Bestellungen von Dutzenden Airlines für die neuste, extrem spritsparende Modelllinie seines wichtigsten Fliegers erhalten. Sie ist an den charakteristischen gegabelten Flügelspitzen zu erkennen.

Neben der 737 Max 8 gibt es auch noch die Varianten Max 7, Max 9 und Max 10. Die Flugzeuge unterscheiden sich durch die Zahl der Sitze und die maximale Reichweite. Am häufigsten ist die Variante des nun zweimal abgestürzten Unglücksfliegers Max 8 geordert worden. Insgesamt wurden laut dem Konzern weltweit bereits 350 Maschinen der 737 Max-Serie ausgeliefert:

  • Bei der deutschen Fluglinie TUI sind die Jets erst seit Ende Januar im Einsatz. 15 Maschinen fliegen bereits in Großbritannien und den Benelux-Staaten. In Deutschland sollen die 737 Max ab Mitte April starten. Insgesamt hat TUI 72 Maschinen bestellt.
  • Der irische Billigflieger Ryanair hat 135 Maschinen bestellt, die ersten sollen noch in diesem Jahr starten.
  • Turkish Airlines hat laut Boeing 75 Maschinen geordert, 11 wurden bereits geliefert.
  • Die Fluglinie Sun Express, die vor allem deutsche Urlauber an die türkische Mittelmeerküste fliegt, hat 32 Maschinen bestellt.
  • Norwegian Air Shuttle hat 110 Jets vom Typ 737 Max gekauft. 18 Maschinen sind bereits in der Flotte aktiv.
  • Bei der isländischen Icelandair fliegen bereits 3 Maschinen, insgesamt wurden 5 bestellt.
  • Auch bei der polnischen Fluglinie LOT sollen nach eigenen Angaben bis Mai 6 Exemplare ausgeliefert werden.
  • Bei Air Italy sind laut eigenen Angaben drei 737 Max 8 im Dienst.

Auch außerhalb Europas setzten viele Airlines auf die neuste Version des Massenmodells 737.

  • Weltweit größter Abnehmer ist bisher der US-Billigflieger Southwest. Er hat 280 Jets bestellt, 31 fliegen schon.
  • United Airlines hat 136 Maschinen geordert, 12 wurden bereits geliefert.
  • Bei American Airlines sollen insgesamt 100 Jets des neuen Typs starten, 22 sind schon im Einsatz.
  • Auch der Billigflieger flydubai aus den Vereinigten Arabischen Emiraten setzt massiv auf den supereffizienten Boeing-Flieger. Die Airline hat 251 Stück geordert, 14 sind schon in der Luft.
  • Air Canada will 61 der neuen Flieger in Dienst stellen, 20 sind schon im Einsatz.
  • Lion Air aus Indonesien hatte vor dem ersten Crash der 737 Max Ende Oktober insgesamt 201 Maschinen vom gleichen Typ des Unglücksfliegers bestellt. 14 wurden bereits ausgeliefert.
  • Auch die staatliche indonesische Fluglinie Garuda hat 50 Maschinen gekauft, eine wurde bereits geliefert.
  • Die größte private indische Fluglinie Jet Airways hat 125 Maschinen geordert, laut Boeing wurde aber noch keine übergeben.  
  • Brasiliens Billigflieger Gol hat 135 Bestellungen aufgegeben, 6 Jets wurden bereits geliefert.
  • In China sind bei Air China, China Eastern Airlines, China Southern Airlines, Hainan, Xiamen und Donghai mehrere Dutzend Flieger vom Typ 737 Max im Einsatz.

Quelle: n-tv.de

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