Wirtschaft

Chinas Devisenreserven wachsen Yuan auf Rekordhoch

China kommt den Kritikern im Währungsstreit einen kleinen Schritt entgegen und lässt den Yuan etwas steigen. Den USA dürfte das nicht reichen, doch Peking stellt klar: Eine schnelle Aufwertung der Währung wird es nicht geben.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Devisenmarkt bleibt Spielball der Politik. Während der Druck auf China wächst, die heimische Währung Yuan weiter aufzuwerten, signalisiert Peking Entgegenkommen. Die chinesische Notenbank legte den Kurs zum Dollar auf 6,6693 Yuan fest. Auf Basis dieses Mittelwerts kann der Yuan 0,5 Prozent nach oben und nach unten schwanken.

Die chinesische Währung ist faktisch an den Dollar gekoppelt. Um ein Aufwerten des Yuan zu verhindern, kauft die Notenbank Dollar. Wie sich diese Interventionen auswirken, lässt sich auch an einer Zahl ablesen, die die People's Bank of China am Dienstag veröffentlichte. Demnach sind Chinas Währungsreserven im September weiter kräftig gestiegen, sie wuchsen im Vergleich zum Juni um 194 Mrd. Dollar auf 2,648 Bill. Dollar. China besitzt damit weiterhin die weltweit höchsten Währungsreserven, deren Zusammensetzung ist allerdings unbekannt.

Kritik an China

Während diese Zahl Wasser auf die Mühlen von Kritikern der chinesischen Währungsmanipulation ist, dürfte Peking auf eine andere Entwicklung verweisen: Der Überschuss in der Handelsbilanz ging im September erneut zurück, er fiel auf 16,88 Mrd. Dollar und damit sehr viel deutlicher als von Ökonomen erwartet. Bereits im August war der Überschuss von 28,7 auf rund 20 Mrd. Dollar zurückgegangen.

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die Rufe nach einer Yuan-Aufwertung nachlassen werden. Schließlich wurde im dritten Quartal ein Handelsüberschuss von 65,6 Mrd. Dollar registriert – das ist das höchste Niveau seit fast zwei Jahren. Vor diesem Hintergrund stiegen die Währungsreserven des Landes zum Ende des Quartals deutlich. Dagegen verlangsamte sich der Anstieg der Exporte, das Wachstum ist aber noch immer atemberaubend. Die Ausfuhren legten im September auf Jahressicht um rund 25 Prozent zu, im August wurde noch ein Plus von 34,4 Prozent verzeichnet. Die Importe legten um 24,1 Prozent zu, nach einer Zunahme um 35,5 Prozent im August. Auf Monatssicht stiegen die Ausfuhren im September um 4,1 Prozent, während bei den Einfuhren ein Rekordanstieg um 7,4 Prozent registriert wurde.

Nicht nur die USA kritisieren, dass China mit dem Festhalten an einer unterbewerteten Währung die Exporte des Landes subventioniert. Doch angesichts hoher Arbeitslosigkeit und nahenden Wahlen ist die Kritik dort besonders laut. "Ich vermute, dass diese Zahlen von den China-Kritikern in den USA als Zeichen dafür gesehen werden, dass die chinesische Wirtschaft gesund ist und dass sich die Regierung sicher eine weitere Aufwertung des Yuan erlauben könnte", sagt ING-Analyst Tim Condon.

Auch Brian Jackson von der Royal Bank of Canada hält es für unwahrscheinlich, dass der Rückgang des chinesischen Außenhandelsüberschusses im September den Druck auf China spürbar reduzieren wird. "Die Daten legen nahe, dass Peking noch reichlich Spielraum hat, in den kommenden Monaten eine Aufwertung des Yuan zuzulassen."

USA verlangen Aufwertung

US-Finanzminister Timothy Geithner hatte am Dienstag eine "allmähliche, aber dennoch signifikante Aufwertung des Yuan" gefordert. In den vergangenen sechs Wochen habe der Yuan mit einem Plus von etwa 2,5 Prozent bereits beträchtlich aufgewertet. Dies müsse aber fortgesetzt werden. Der Wert des Yuan sollte seiner Einschätzung nach von den Marktkräften bestimmt werden, sagte Geithner und fügt hinzu: "Ich bin zuversichtlich, dass dies im Laufe der Zeit erreicht wird." Ein Teil der Führungsriege in China sehe die Notwendigkeit ein, die Landeswährung aufwerten zu lassen. Das Risiko eines "Währungskriegs" sieht Geithner nicht.

Unterdessen dämpfte China Hoffnungen auf eine schnelle Aufwertung seiner Landeswährung. Zu rasche Schritte könnten zu weiteren Problemen führen, sagte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan auf einer Diskussionsveranstaltung mit anderen Notenbankchefs in Washington. Zhou ergänzte, China unterstütze das Ziel der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20), ein "starkes, nachhaltiges, ausgewogenes Wachstum" zu erreichen. Doch dazu trage nicht nur eine Anpassung der Wechselkurse bei. Auch strukturelle Veränderungen seien nötig, für die zwangsläufig mehr Zeit nötig sei.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle warnte vor einem Handelskrieg mit Hilfe von Wechselkursmanipulationen und Strafmaßnahmen gewarnt. "Schuldzuweisungen, protektionistische Schnellschüsse und einseitige Sanktionen sind Irrwege", sagte Brüderle dem "Handelsblatt". China trage viel Verantwortung, dass es nicht zur Eskalation komme. Der Minister besucht derzeit China.

Unterdessen verschärft sich der Ton zwischen Japan und Südkorea. Tokio war Seoul vor, regelmäßig am Devisenmarkt zu intervenieren. Finanzminister Yoshihiko Noda machte dabei einen Unterschied zwischen der Intervention der japanischen Notenbank, die seiner Ansicht nach eine einzelne Maßnahme war, und den häufigeren Interventionen Südkoreas und Chinas.

Japan hatte im vergangenen Monat 2,1 Bill. Yen (25,65 Mrd. Dollar) verkauft. Das war die erste Intervention des Staates am Devisenmarkt seit mehr als sechs Jahren. Japan hatte damit Kritik auf sich gezogen.

Derzeit versuchen mehrere Staaten, mit einer Abwertung ihrer Währung den Export und damit die Konjunktur in ihren Ländern anzukurbeln. Deshalb wächst die Angst vor einem weltweiten Abwertungswettlauf.

Quelle: ntv.de, jga/DJ/rts