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Griechenland Ärmel hochkrempeln

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(Foto: dpa)

Gerd Bennewirtz

Die Büchse der Pandora ist weit geöffnet. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat die strukturellen Schwächen der griechischen Wirtschaft ans Licht gebracht. 2009 ein Wirtschaftswachstum von -2,0 Prozent, 2010 prognostizierte -0,3 Prozent. Optimistisch geschätzt. Während die Industrie weltweit wieder mit dem Anstieg begonnen hat, beschleunigt sich die griechische Talfahrt.

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Im Februar fällt der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Industrie mit 44,2 Punkten auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten. Im laufenden Jahr sackt der MSCI Greece auf Eurobasis -6,82 Prozent in die Tiefe, während der MSCI World +10,05 Prozent zulegt. Grund ist vor allem die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der hellenischen Unternehmen: Seit 1999 stiegen die Lohnstückkosten in Griechenland laut Europäischer Zentralbank um 15,0 Prozent. In Deutschland sanken sie im gleichen Zeitraum um 13,5 Prozent. Steigende Arbeitslosigkeit hemmt den privaten Konsum. Die Erwerbslosenquote liegt mit 9,7 Prozent leicht über dem EU-Durchschnitt von 9,5 Prozent. „Griechenlands Wirtschaft ist in einen Teufelskreis abgerutscht, und es gibt nur einen Ausweg: Die drastische Reduzierung von Defizit und Schulden“, urteilt die Notenbank in Athen.

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Eine Herkulesaufgabe: Mit 12,9 Prozent des BIP ist das griechische Defizit 2009 sogar noch höher als bisher angenommen. Insgesamt klafft ein Loch von 115,0 Prozent der Wirtschaftsleistung im Staatshaushalt. Die EU, der IWF und die internationalen Ratingagenturen machen Druck. Mit einem drastischen Sparprogramm soll der Fehlbetrag schon in diesem Jahr um 4,0 Prozentpunkte gedrückt werden. Das kostet weitere Wachstumspunkte, vermuten Experten.

Doch Pandoras Büchse enthält der Sage nach nicht nur Schlechtes, sondern auch Hoffnung.

Zu seinem Allzeithoch vom 31. Oktober 2007 hat der MSCI Greece ein Aufwärtspotenzial von 170,32 Prozent. Der Dienstleistungssektor steuert 75,8 Prozent zum BIP bei – und auf die deutschen Urlauber ist Verlass. Auch nicht-zyklische Konsumgüter wie Nahrungsmittel bilden einen verlässlichen Sockel. Fazit: Ärmel hochkrempeln. Am Ausmisten der Ställe des Augias führt kein Weg vorbei. Antizyklik-Potenzial. Klassisch.

 

 

Quelle: n-tv.de