Zertifikate

US-Dollar Angriff auf Leitwährung?

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(Foto: REUTERS)

Die „Diktatur des Dollars” soll beendet werden, so verkündete dieser Tage der selbsternannte venezuelanische Berufsrevolutionär Hugo Chavez. Bereits ab dem Jahre 2010 soll die virtuelle Währung „Sucre” als lateinamerikanische Handelswährung der neun Mitgliedsstaaten der „Bolivianischen Allianz für Amerika”  (ALBA) verwirklicht werden. Angeschlossen sind darin neben Venezuela und natürlich Bolivien andere Staaten mit überwiegend linken Regierungen wie Nicaragua, Honduras, Ecuador sowie den Karibikstaaten Antigua und Barbuda, Dominica und Saint Vincent. Der Name der Währung steht im übrigen für den südamerikanischen Freiheitskämpfer Antonio José Sucre, der im 19. Jahrhundert an der Seite Simon Bolivars gegen die spanische Kolonialmacht zu Felde zog. Mit Zucker, so heißt übersetzt „sucre” im Französischen, hat es allerdings wenig zu tun.

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Aber trotzdem könnte sich diese Idee sehr schnell wie Würfelzucker in einer Tasse Tee oder Kaffee auflösen. Denn Experten wie Marc Hofstetter Gascon von der Universität de los Andes in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota geben der Idee zumindest kurzfristig wenig Chancen. Es reiche nicht allein die Zielsetzung, ein neues Währungssystem zu initieren. So bedürfe es vor allem Abkommen über Wechselkurse und verbindliche steuerliche Regeln. Zudem ist diese Region eher durch politische Instabilität geprägt mit vorherrschender Armut. Reichere Länder Lateinamerikas wie Mexico, Argentinien oder Brasilien stehen einer solchen Währung eher skeptisch gegenüber. ALBA-Mitglied Ecuador ist seit neun Jahren fest an den US-Dollar gebunden.Zudem sind die USA Hauptabnehmer zahlreicher lateinamerikanischer Produkte, und lateinamerikanische Unternehmen dürften sich kaum auf ein Kräftemessen mit den USA einlassen, wenn dies wirtschaftliche Nachteile zur Folge hätte.

Weit ernster zu nehmen sind dagegen die immer häufigeren Ankündigungen Chinas oder Russlands, in Zukunft den US-Dollar als Leitwährung abzulösen. In den Gazetten landauf, landab zirkulierten sogar angebliche Gerüchte von Geheimtreffen einiger Staaten, darunter China. Immer wieder diskutiert werden dabei  beispielsweise die Einführung von Währungskörben, in denen neben dem US-Dollar auch der chinesische Juan, der Euro, der japanische Yen und Gold vertreten sind. Auch eine gemeinsame asiatische Handelswährung von China, Japan und anderen asiatischen Staaten wird immer wieder ins Spiel gebracht.

Auch wenn sich der Erfolg solcher Alternativüberlegungen derzeit noch nicht seriös einschätzen lässt, legt diese Tatsache eines offen: Die derzeitige US-Dollar-Schwäche, die immense US-Staatsverschuldung und die liberale Gelddruckpolitik schwächten das Vertrauen in die bisherige Leitwährung. Dies geht soweit, dass derzeit zahlreiche Carry-Trader unterwegs sind und sich US-Dollar leihen, um das Geld in höher verzinsten Emerging-Market-Anleihen, Aktien oder Rohstoffen anzulegen. All diese Tendenzen veranlassten auch kürzlich US-Zentralbankchef Ben Bernanke zu der Warnung, dass der US-Dollar langfristig seine Bedeutung als Leitwährung einbüßen könnte, wenn vor allem das US-Haushaltsdefizit nicht unter Kontrolle gebracht werde.

 

Ähnlich sieht dies EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny. Er sieht zwar nicht, dass beispielsweise der Euro den US-Dollar in zehn Jahren vom Thron gerissen hat. Aber es würde dann sicherlich mehrere wichtige Währungen geben, die zum Handel als Reservewährungen genutzt würden. Auch für Jürgen Koch von ABN Amro besteht Handlungsdruck, da die wirtschaftlichen Ungleichgewichte weltweit bestehen blieben. Während beispielsweise China ihre Währung künstlich niedrig halte und damit seinen Export beflügele, leide Europa angesichts der derzeitigen US-Dollar-Schwäche und damit eines teuren Euro unter zunehemende Exportproblemen. Es müsse daher zu einer weltweiten Diskussion kommen, wie eine weltweite Leitwährung beschaffen sein müsse, um einen fairen Welthandel  zu gewährleisten.

Kurz und mittelfristig gibt es zum US-Dollar aber höchstwahrscheinlich keine wirkliche Alternative, da  selbst China kein Interesse an einem allzu schwachen US-Dollar haben kann. Der Grund: Die Währungsreserven des Reiches der Mitte per 30. Juni 2009 betrugen satte 2,13 Billionen US-Dollar. Eine Abwertung würde auch immense Verluste für China bedeuten. Möglich wäre allenfalls eine allmähliche Umschichtung in andere Währungen bzw. Gold, um den Preis für den Greenback nicht zu verschlechtern.

Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, oft auch als Dr. Untergang bezeichnet, warnte erst kürzlich vor einem kräftigen Rebound, also einer Wiedererstarkung des US-Dollar, ähnlich wie inmitten der Finanzkrise des Jahres 2008, als der Kurs der Währungsrelation USD gegenüber dem EUR von 1,60 auf 1,25 stieg. Ein mögliches Szenario wäre eine unverhoffte Zinsanhebung durch die Fed-Bank. Carry-Trader müssten in diesem Falle ihre Trades auflösen, was zu einer weiteren Stärkung des US-Dollar führen würde. Und in der Tat, Bankanalysten gehen mittelfristig eher von einer Erstarkung des US-Dollar aus.

Die Deutsche Bank glaubt zwar noch an eine Schwächung des USD bis zum 1. Quartal 2010 auf 1,55 USD. Ende 2010 wird aber ein stärkerer USD bei 1,40 prognostiziert. Exane BNP Paribas sieht den Greenback Mitte 2010  bei 1,45 USD. Die HVB prognostiziert Ende 2009 einen Kurs von 1,48 USD, Mitte 2009 von 1,55 und Ende 2010 bei 1,50 USD. Zur Begründung nennt Michael Rottmann, Leiter Zins- und Devisenanalyse der Unicredit, eine mögliche konzertierte Aktion der Banken zur Stützung des USD oder eine Zinserhöhung durch die Fed. Mit einer weiteren Abwertung des USD rechnet also kaum ein Analyst.

Und aus technischer Sicht: Jörg Scherer, Technischer Analyst von HSBC Trinkaus erklärt den seit März laufenden Trend bei 1,4769, der nahezu identisch ist mit der 38 Tageslinie, für weiterhin intakt. Entscheidend nach oben sei der Doppel-Top bei 1,53 USD vom Mai 2008: Hier entscheide sich, ob es weiter abwärts ginge mit dem USD auf 1,60 oder wieder aufwärts. Ähnlich sieht dies godmode-Analyst Harald Weygand. Kurzfristig könne es noch ein Auspendeln auf 1,53 geben, danach sieht er eine mehrmonatige Trendwende auf 1,20 und darunter. Für Zertifikateanleger also, insbesondere aber Trader, lukrative Möglichkeiten für Investments. Eine kleine Auswahl dazu in obiger Tabelle.

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Quelle: ntv.de

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