Marktberichte

Halbleiterwerte gesucht Boeing und Caterpillar belasten Dow

9e734403695761b7d8be0a72363cda4f.jpg

Quartal zum Vergessen für Boeing.

(Foto: imago/ZUMA Press)

An der Wall Street schalten die Anleger bei den Standardwerten einen Gang zurück. Nachdem es am Vortag beim Dow Jones für einen neuen Rekord nicht gereicht hatte, bleibt der Leitindex nun belastet von Kursverlusten bei Boeing und Caterpillar kleben.

Mit einer uneinheitlichen Tendenz hat die Wall Street den Handel beendet. Während der Dow-Jones-Index von den Kursverlusten bei Boeing und Caterpillar nach schwachen Quartalszahlen ins Minus gedrückt wurde, verzeichneten S&P-500 und Nasdaq-Composite Aufschläge. Beide Indizes stiegen im späten Handel sogar auf neue Allzeithochs. Der Technologie-Sektor zeigte sich damit wenig beeindruckt von der angekündigten Untersuchung der US-Regierung zur Marktmacht führender Internet-Konzerne. Diese richte sich gegen Anbieter von Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Onlinehändler, erklärte das Justizministerium.

Dow Jones
Dow Jones 28.036,22

Die EU-Kommission hat in diesem Zusammenhang bereits mehrfach Milliardenstrafen gegen Google verhängt. Nun könnten empfindliche Strafen gegen die Branchengrößen auch in den USA folgen. Die Aktien von Facebook und Amazon gewannen nach anfänglichen leichten Verlusten 1,1 beziehungsweise 0,3 Prozent. Die Papiere von Google-Mutter Alphabet reduzierten sich um 0,7 Prozent. Facebook, die nach Börsenschluss Quartalszahlen vorlegen, muss zudem fünf Milliarden Dollar für die Beilegung von Datenschutzermittlungen zahlen.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,3 Prozent und schloss bei 27.270 Punkten. Der S&P-500 legte dagegen um 0,5 Prozent auf 3020 Punkte zu und der Nasdaq-Composite erhöhte sich, angetrieben von deutlichen Gewinnen im Halbleiter-Sektor, um 0,8 Prozent auf 8322 Punkte.

Hoffnung im Handelsstreit stützt übergeordnet

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik in den USA und Europa stützte übergeordnet die Stimmung, hieß es im Handel. Eine mit Handelsvertreter Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin besetzte Kommission soll laut Berichten in der kommenden Woche nach China reisen, wo die festgefahrenen Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

Auch die Konjunkturdaten des Tages fielen besser als erwartet aus. So hat sich das Wachstum in der US-Wirtschaft im Juli etwas beschleunigt. Der von IHS Markit erhobene Sammelindex für die Produktion in der Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - stieg leicht auf 51,6 von 51,5 Punkten im Vormonat.
Am Rentenmarkt legten die Notierungen mit schwachen Konjunkturdaten aus Europa leicht zu. Hier hatten sich im Juli im Euroraum die Einkaufsmanagerindizes sowohl in der Privatwirtschaft als auch in der Industrie schwächer gezeigt als erwartet. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen reduzierte sich um 3,0 Basispunkte auf 2,05 Prozent.

Brent Rohöl
Brent Rohöl 62,48

Die Ölpreise gaben nach. Zwischenzeitlich hatten die stärker als erwartet gefallenen wöchentlichen US-Öllagerdaten die Notierungen leicht gestützt, doch wurden die Gewinne schnell wieder abgegeben und die Preise rutschten ins Minus. Die Lagerbestände fielen nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 10,835 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten lediglich einen Rückgang um 4,1 Millionen Barrel erwartet. Grund seien aber vor allem Förderausfälle im Golf von Mexiko wegen eines Wirbelsturms gewesen, hieß es. US-Leichtöl der Sorte WTI fiel zum US-Settlement um 1,6 Prozent auf 55,88 Dollar, das Fass der Sorte Brent gab um 1,0 Prozent auf 63,18 Dollar nach.

Am Devisenmarkt verharrte der Euro auf seinem zuletzt ermäßigten Niveau. Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag gerate er zunehmend unter Druck, hieß es. Die EZB dürfte den Weg für weitere geldpolitische Lockerungen ebnen. Der Euro notiert im späten US-Handel bei 1,1136 Dollar nach in der Spitze 1,1209 Dollar am Vortag.
Die schwachen Daten aus Europa festigten die Überzeugung für geldpolitische Lockerungen - auch in den USA. Daher blieb Gold weiter gefragt. Die Feinunze verteuerte sich zum US-Settlement um 0,1 Prozent auf 1.424 Dollar.

Caterpillar liefert schwaches Konjunktursignal

Bei den Einzelwerten gaben Caterpillar um 4,5 Prozent nach. "Die Zahlen sehen auf den ersten Blick schwach aus", sagte ein Marktteilnehmer. Der Baumaschinenhersteller hat im Quartal einen stärker als erwartet ausgefallenen Gewinnrückgang verzeichnet und wird für den Jahresgewinn etwas pessimistischer.

Boeing
Boeing 369,46

Boeing fielen um 3,1 Prozent nach dem heftigsten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte. Ganz überraschend kommen die schwachen Geschäftszahlen nicht, Boeing hatte bereits vor Belastungen wegen der Krise um das Modell 737 Max gewarnt. Der Flugzeugbauer verschiebt zudem den Jungfernflug der 777X auf 2020.

Der Halbleiter-Sektor war mit einem Plus von 2,8 Prozent der Tagesgewinner im S&P-500. Marktteilnehmer verwiesen auf die besser als erwarteten Quartalszahlen von Texas Instruments. Zwar verzeichnete der Konzern erneut einen Umsatzrückgang, doch wurde die Markterwartung übertroffen. Obwohl viele Unternehmen der Branche vor den negativen Auswirkungen des Handelsstreits und den gestiegenen Lagerbeständen gewarnt hätten, seien die Investoren weiterhin von den langfristigen Wachstumsaussichten für den Sektor überzeugt, hieß es. Die Aktie von Texas Instruments gewann 7,4 Prozent.

Das US-Justizministerium will offenbar die geplante Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile US mit Wettbewerber Sprint genehmigen. Das Ganze sei mit dem Zugeständnis der Unternehmen verbunden, dem Satellitenfernsehanbieter Dish Network Mobilfunkfrequenzen zu verkaufen, damit dieser ein eigenes Netz errichten könne, berichten mehrere Informanten. T-Mobile US und Sprint stiegen um 3,2 bzw. 8,0 Prozent.

UPS zogen um 8,7 Prozent an. Der Logistikkonzern hat im zweiten Quartal die Markterwartungen übertroffen und sieht sich bei den Jahreszielen auf Kurs. Der Börsenbetreiber Nasdaq hat im zweiten Quartal zwar mehr umgesetzt, die Erwartung der Analysten aber verfehlt. Die Titel gaben 2,6 Prozent ab. Snap haussierten um 18,7 Prozent. Das Social-Media-Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen rasanten Anstieg der täglich aktiven Nutzer und einen Umsatzsprung.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ