Marktberichte

Fed bewegt Wall Street nicht Dax-Anleger vor Zinsentscheid wie erstarrt

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ruhe am deutschen Aktienmarkt vor dem Fed-Beschluss. Anleger halten sich zurück, bis klar ist, wie es mit der US-Zinspolitik weitergeht. Doch die Entscheidung am Abend, die Zinswende wieder einmal aufzuschieben, lässt die US-Börsen dann kalt.

Nur zittrige Bewegungen um den Ausgangswert herum, mehr hatte der Dax nicht zu bieten. Die Anleger waren wir erstarrt vor der am Abend anstehenden geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank. "Der Markt steht ganz im Bann der US-Notenbank", sagte ein Händler. Der Dax trat bei sehr dünnen Umsätzen auf der Stelle und schloss bei 10.230 Punkten.

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Dax 12.108,32

Die Bekanntgabe der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe spielt keine Rolle am Markt. Diese sind um 11.000 auf 264.000 gegenüber der Vorwoche gefallen. Der Philadelphia Fed Index ist derweil im September auf minus 6 nach plus 8,3 im August gefallen. Erwartet wurde ein Rückgang auf nur plus 5,35. Die Daten dürften auf die Leitzinsentscheidung der US-Notenbank keinen Einfluss mehr haben.

Deutschland: Versorger sind die Gewinner des Tages

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Der Dax ging nahezu unverändert auf 10.230 Punkten in den Feierabend. Mit dem MDax ging es ebenfalls weder hoch noch runter, er schloss auf 19.750 Zählern. Deutlich besser zeigte sich der TecDax mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 1770 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 stieg lediglich um 0,3 Prozent.

Nach ihrer zuletzt deutlichen Talfahrt gingen die Versorgeraktien auf Erholungskurs. Eon und RWE legten nach deutlicheren Aufschlägen am 8,0 und 9,0 Prozent zu. Allein seit Monatsbeginn sind die Titel um knapp 26 und 19 Prozent eingebrochen, weil Anleger die finanziellen Kosten des Atomausstiegs fürchten. Auslöser für den heutigen plötzlichen Kursanstieg der Aktien ist laut Händlern ein Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg", wonach die Aktienkursentwicklung von Eon nach Aussagen des Versorgers nicht der Leistung des Unternehmens entspricht.

RWE waren nach Berichten verschiedener Nachrichtenagenturen deutlich von den Tageshochs zurück. Laut den Berichten soll RWE Gespräche mit einem potenziellen Partner über einen möglichen Einstieg bei dem Versorger dementiert haben. Allerdings sei RWE weiter an gemeinsamen Projekten in der Mena-Region (Middle East & North Africa) interessiert.

Pilotenstreiks bleiben weiterhin ein Thema. Die Lufthansa traf sich wieder mit der Pilotengewerkschaft Cockpit zu Verhandlungen. Allein die Unsicherheit über den Ausgang dieser Gespräche habe bereits am Mittwoch verhindert, dass die Aktie stärker positiv auf den Konzernumbau mit einem möglichen Gewinnbeitrag von 500 Millionen Euro reagierte, betonten Händler. Lufthansa-Titel verloren 1,1 Prozent.

Eine Herunterstufung der Citibank hat die Aktien des Roboterbauers Kuka ans MDax-Ende gedrückt. Die Papiere schlossen 3,2 Prozent schwächer. Citi setzte seine Bewertung auf "Neutral" von "Kaufen" herunter. Nach der jüngsten Rallye der Aktie sei kein Aufwärtspotential mehr vorhanden. Im Juli waren die Titel auf ein Rekordhoch von 82,06 Euro gesprungen. Seit Jahresbeginn haben sie knapp 30 Prozent zugelegt.

USA: Angespannte Ruhe auch an der Wall Street

Dow Jones
Dow Jones 26.166,00

Die Wall Street hat am Donnerstag leichte Verluste verbucht. Die Verschiebung der Zinswende durch die US-Notenbank löste am Aktienmarkt eine Achterbahnfahrt aus. Am Ende siegten die Bären. Eindeutiger war die Reaktion bei Dollar, Anleihen und Gold. Die Fed hat den Leitzins unverändert bei 0,00 bis 0,25 Prozent belassen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,4 Prozent auf 16.674 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,3 Prozent auf 1990 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte dagegen 0,1 Prozent auf 4893 Punkte vor.

Ein deutliches Minus von 4 Prozent verzeichnet die Oracle-Aktie. Der SAP-Wettbewerber hatte am Vortag nach der Schlussglocke zum wiederholten Male einen Gewinnrückgang vermeldet. Von einem "erneut schwachen Quartal, bei dem das Unternehmen in allen Umsatzbereichen enttäuscht hat", sprechen die Analysten von Wunderlich.

Dagegen geht es für die Aktie von Cablevision um knapp 14 Prozent aufwärts, nachdem der europäische Kabelkonzern Altice offenbar an einem Kauf des US-Wettbewerbers interessiert ist. Beide Unternehmen vereinbarten eine Transaktion, die das US-Unternehmen inklusive Schulden mit 17,7 Milliarden US-Dollar bewertet. Altice steigt mit der Übernahme von Cablevision zum viertgrößten Kabelnetzbetreiber in den USA auf.

Asien: Zugewinne in Japan, Verluste in Shanghai

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Nikkei 21.124,00

An den ostasiatischen Börsen haben die positiven Vorzeichen dominiert. Wenige Stunden bevor die US-Notenbank am Abend das Ergebnis ihrer Zinssitzung bekanntgibt, waren viele Anleger zuversichtlich, dass die Fed ihre erste Zinserhöhung seit über neun Jahren noch etwas aufschieben wird.

In Shanghai kam es jedoch kurz vor Handelsschluss zu Gewinnmitnahmen, die den Leitindex um 2,1 Prozent drückten, nachdem er sich zuvor im positiven Bereich bewegt hatte. Marktteilnehmer maßen dem Minus nicht viel Bedeutung bei, nachdem der Index am Mittwoch ein Plus von fast fünf Prozent verbucht hatte. Vermutlich hätten am Vortag staatliche Stellen eingegriffen und den Markt nach oben getrieben, hieß es. Nun hätten die Anleger die Grenzen dieser Unterstützung ausloten wollen.

In Tokio gewann der Nikkei-225-Index 1,4 Prozent auf 18.432 Punkte. Australische Aktien legten um 0,9 Prozent zu. An der Börse in Seoul zeigten sich die Kurse gut behauptet.

Die geplante Übernahme von SAB Miller durch AB InBev brachte auch in die Aktien asiatischer Brauereikonzerne Bewegung. Wenn aus kartellrechtlichen Gründen Unternehmensteile verkauft werden müssten, damit der Zusammenschluss genehmigt werde, könnten japanische Branchenvertreter wie Asahi Group oder Kirin zugreifen, so die Überlegung von Analysten. Asahi gewannen 3,1 Prozent und Kirin 2,1 Prozent.

Suzuki gewannen in Tokio 0,1 Prozent. Der Automobilkonzern hat wie angekündigt die knapp 20-prozentige Beteiligung seines früheren Allianzpartners Volkswagen zurückgekauft. Umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro legte Suzuki Motor Corp für die 19,9 Prozent, die VW seit Jahren an den Japanern hielt, auf den Tisch.

In Seoul fiel der Kurs von Kia um 0,4 Prozent. Rund 34.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter des zweitgrößten südkoreanischen Automobilherstellers hatten sich in einer Abstimmung für einen Streik ausgesprochen, nachdem Verhandlungen mit der Unternehmensführung über Lohnerhöhungen und andere Vergünstigungen gescheitert waren.

Devisen: Dollar deutlich schwächer

Der Dollar gab mit der Zinsentscheidung kräftig nach. Der Euro kletterte deutlich auf 1,1433 Dollar nach 1,1340 Dollar vor der Entscheidung. Zugleich fiel der Greenback auf 120 Yen zurück nach zuvor knapp 121 Yen.

Rohstoffe: Ölpreise im Minus

Auch bei den Ölpreisen ging es im Handelsverlauf auf und ab. Gesunkene US-Lagerbestandsdaten haben die Hoffnungen verstärkt, dass sich das herrschende Überangebot in den USA verringern könnte. Am Ende des Handels lagen die Kurse jedoch im Minus.

Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI fiel um um 0,5 Prozent auf 46,90 Dollar. Für Brent ging es deutlicher abwärts, nämlich um 1,6 Prozent auf 48,93 Dollar.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ/dpa/rts

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