Marktberichte

Gegenwind aus allen Richtungen Dax kämpft sich zurück

3gn21559.jpg3891241118423457681.jpg

Der Dax präsentiert sich schwächer.

(Foto: dpa)

Nach dem schwachen Wochenauftakt setzt der deutsche Aktienmarkt seine Talfahrt fort. Die Unruhen in der Ost-Ukraine sorgen bei Anlegern für Zurückhaltung.

Der deutsche Aktienmarkt fällt nach einem stabilen Auftakt deutlich ins Minus, kommt dann aber wieder zurück. Händler führten das auf Kursgewinne der Wall Street zurück. 

Der Dax geht mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 9490 Punkte aus dem Handel. Im Verlauf war er bis auf 9391 Punkte gefallen. Der MDax büßte 1,3 Prozent auf 16.253 Zähler ein. Der TecDax verlor 1,2 Prozent auf 1220 Punkte. "Die Sorge über eine Annexion der Ostukraine hängt wie ein Damoklesschwert über den Börsen. Aber auch der Zweifel über die fundamentale Bewertung europäischer und US-amerikanischer Aktien verunsichert derzeit die Marktteilnehmer", sagte Christian Henke von IG Markets. "Die Händler haben weiterhin keinen Appetit auf Risiko", beschrieb Analyst Craig Erlam die Stimmung.

Am Vorabend war der deutsche Leitindex 1,9 Prozent tiefer bei 9510 Punkten ins Minus gerutscht. Nach Meinung von Marktanalyst Kornelius Barczynski vom Broker GKFX wächst derzeit die Sorge vor einer größeren Korrektur an den Märkten, so dass sich die Anleger von Aktien trennen.

"Vor allem der TecDax hat sich seit Jahresanfang deutlich besser entwickelt als der Dax und verliert deshalb auch überproportional", sagte ein Händler. Hinzu komme, dass im Dax mehr defensive Werte enthalten seien, die sich in von Risikogesichtspunkten dominierten Märkten besser halten als etwa die vor allem im Max stark vertretenen zyklischen Titel.

Die weitere Entwicklung hänge nun davon ab, ob sich die Unruhen in der Ost-Ukraine verschärften, sagte Marktanalyst Heino Ruland. Die Entwicklung dort erinnere stark an die Entwicklung auf der Halbinsel Krim.

Die Ausrufung einer autonomen Republik der Ostukraine hatte am Vortag die Börsen stark belastet, weil es dem russischen Vorgehen auf der annektierten Halbinsel Krim glich. Die prorussischen Proteste im ukrainischen Osten seien "keine spontanen Ereignisse", sondern offenbar von Moskau "sorgfältig orchestriert" worden, so eine Sprecherin des US-Außenministeriums. "Die Berichte über Aufstände sind sicher nicht förderlich für die Risikoneigung", sagte Analyst Chris Beauchamp von IG.

"In der Ukraine sieht es für den Betrachter so aus, als ob Teile im Osten des Landes dem Muster der Krim-Halbinsel folgen würden und eine Angliederung an Russland erzwingen möchten", so die Analysten der Essener National-Bank. "Ob die Weltgemeinschaft dieses Mal tatenlos zuschaut, darf bezweifelt werden." Und in diesem Umfeld beginne auch noch die Bilanzsaison in den USA, von denen einige nichts Gutes erwarteten, so ein Börsianer.

David Thebault, Chef-Händler des Brokerhauses Global Equities, warnte davor, kurzfristig wieder in den Aktienmarkt einzusteigen. "Wir müssen erst den Beginn der US-Bilanzsaison abwarten." Sollten sich die Firmenergebnisse verbessern, könne mit einer Erholung des Marktes gerechnet werden. "So weit sind wir aber noch nicht", betonte Thebault. Am Abend wollte der US-Aluminiumkonzern Alcoa seine Zahlen vorlegen, um damit die dortige Bilanzsaison einzuläuten.

Kräftig unter Druck geraten die Aktien von Südzucker, die sich um 20 Prozent verbilligen. Der Zucker-Hersteller hatte für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Halbierung des operativen Ergebnisses bekanntgegeben und für 2014/2015 einen weiteren Umsatz- und Gewinnrückgang in Aussicht gestellt.

"Goldman Sachs lag wieder einmal richtig", sagte ein Händler. Ende März hatte die Bank die Aktie auf "Verkaufen" heruntergestuft. Die Prognose des Unternehmens für den europäischen Absatzmarkt sei angesichts der vollen Zuckerlager düster, so der Börsianer. Das erfordere umfangreiche Anpassungen, also Kostensenkungen. "Und die dürften erst einmal viel Geld kosten", ergänzte er.

Im Dax gingen die Verluste quer durch alle Sektoren. Besonders unter Druck gerieten nach einer Verkaufsempfehlung der Analysten von Bank of America/Merril Lynch die Aktien von Infineon, die 1,8 Prozent verloren. Ebenfalls unten im Dax standen Commerzbank mit einem Abschlag von 3 Prozent. Hier machten Händler Gewinnmitnahmen für die Verluste verantwortlich. Die Titel haben seit Jahresbeginn rund 20 Prozent zugelegt. Auch bei Lufthansa war Kassemachen angesagt: Die Aktien büßten 2,1 Prozent ein, nachdem sie seit Jahresbeginn rund 30 Prozent gewonnen haben

Für Aufsehen sorgte auch eine Megafusion im Bausektor. Die beiden weltgrößten Zementhersteller Holcim und Lafarge hatten zu Wochenbeginn ihre Pläne für einen Zusammenschluss bestätigt. Mit der Fusion unter Gleichen entsteht ein Riese mit einem Börsenwert von mehr als 50 Milliarden Dollar. Die Aktien von Holcim und Lafarge waren bereits am Freitagnachmittag, von Gerüchten um einen solchen Deal getrieben, stark gestiegen. Zu Wochenbeginn ging es dann gegen den Markttrend nochmals kräftig nach oben. Papiere von Holcim gaben bis zum Abend wieder nach, während Lafarge leicht zulegen konnten.

Nach drei starken Börsenwochen und angesichts der näherrückenden Saison der Quartalsberichte aus den USA seien neue Höchststände an den Aktienmärkten unwahrscheinlich, hieß es mit Blick auf die allgemeinen Markterwartungen. Der vom US-Außenminister John Kerry angekündigte Krisengipfel mit Russland, der EU und der Ukraine zur dortigen Krise dürfte zumindest vorübergehend für etwas Entspannung sorgen, meinte ein Händler.

Im Tagesverlauf stehen neue Impulse an: Neben den angekündigten Redebeiträgen der Fed-Gouverneure Kocherlakota und Plosser am Abend (US-Ortszeit) konzentriere sich das Interesse auf die Quartalszahlen und den Ausblick von Alcoa. Die Konsensschätzung laute auf einen Gewinn je Aktie von 0,05 US-Dollar, die Flüsterschätzung liege mit 0,08 Dollar deutlich höher. Der Geschäftsbericht wird allerdings erst nach Handelsschluss in Europa und den USA veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jga/mmo/DJ/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.