Marktberichte

Vom Tageshoch 200 Punkte abwärts Dax schließt nahe Tagestief

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Verizon oder gar Google? In den USA zeichnet sich angeblich eine Bieterschlacht um das Kerngeschäft von Yahoo ab.

(Foto: REUTERS)

Die Angst vor dem Risiko steigt, die Kurse fallen: So lässt sich der Donnerstagshandel am deutschen Aktienmarkt zusammenfassen. Der Dax bricht durch die 9500. An der Wall Street stehen Fed-Szenarien und die Gerüchte um Yahoo im Vordergrund.

Die deutschen Anleger haben am Donnerstag erneut Risiken gescheut. Angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten über das weitere Vorgehen der Noten- und Zentralbanken waren Aktienkäufe nicht angesagt. Von einem "Gezerre der Notenbanken" sprach n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. "Der Dax kam mit dem Hintern wieder nicht hoch", kommentierte ihr Kollege Frank Meyer. "Bei 9700 war Schluss." Zwei Punkte darüber kippte die Stimmung, die Gewinne schmolzen und wandelten sich in Abschläge - die blieben und werden größer.

Der Dax schloss 1,0 Prozent tiefer bei 9531 Punkten. Das Tageshoch markierte er am Vormittag bei 9702 Stellen, das Tagestief bei 9485. Am Mittwoch war er 0,6 Prozent fester aus dem Handel gegangen, den Kursrutsch vom Dienstag konnte er damit aber nicht ausgleichen. Auch der MDax drehte im Verlauf ebenfalls ins Minus: 0,7 Prozent bei 19.903 Zählern. Der TecDax verlor 0,8 Prozent auf 1620 Stellen.

Konjunktur: Unsicherheit macht sich breit

Das am Vorabend veröffentlichte Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) offenbarte nach Einschätzung von Harm Bandholz von Unicredit "eine tiefe und recht gleich verteilte Spaltung" innerhalb der Fed. Es gebe kaum einen wichtigen Aspekt, bei dem sich alle Mitglieder einig seien. Die Meinungsverschiedenheiten reichten von der Einschätzung der konjunkturellen Risiken bis zur Interpretation der Zinserwartungen. Anleger hatten auch einen Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen am Abend (23.30 Uhr MESZ) bereits auf dem Schirm.

Es folgte das Protokoll der jüngsten Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB). Daraus geht hervor, dass sich die EZB die Tür für weitere Zinssenkungen offen gehalten hat. Zinssenkungen blieben Teil des Werkzeugkastens der Euro-Notenbank.  "Die Zentralbanken werden zukünftig mit ihren geldpolitischen Maßnahmen vor immer größeren Herausforderungen stehen", sagte Michael Stanes von Heartwood Investment. Das Risiko von "Fehltritten" der Notenbanken rund um den Globus dürfte im weiteren Verlauf des Jahres noch zunehmen, prognostiziert der Chefinvestor.

Rohstoffe: Brent wieder unter 40 Dollar

Öl konnte seine Preisaufschläge vom Mittwoch zunächst weiter ausbauen, ehe die Stimmung auch hier kippte. Am Abend kostete dann ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 38,97 Dollar. Das waren rund 2 Prozent weniger als zur Wochenmitte. Das gleiche Bild gab die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ab. Der Preis für ein Fass lag am Abend bei 37,04 Dollar. Das waren 1,8 Prozent weniger als noch am Mittwoch.

Am Mittwochnachmittag hatte der Ölpreis abrupt zugelegt, nachdem das US-Energieministerium einen deutlichen Abbau der Rohölvorräte gemeldet hatte. Zudem ging die Produktion der US-Ölförderer weiter zurück. Am Rohölmarkt kamen Hoffnungen auf, dass das derzeit hohe Überschussangebot mit der Zeit zurückgeht. Die Ölschwemme in den USA und seitens anderer großer Förderländer gilt als entscheidender Grund für den Ölpreisverfall seit Mitte 2014.

Die erhöhte Risikoaversion der Anleger schlug sich auch im Goldpreis nieder. Er kletterte für die Feinunze auf 1239 Dollar. Das war ein Plus von 1,1 Prozent.

Dax: Immer wieder die Autowerte

Bei den Einzelwerten blieben die Autotitel im Anlegerfokus. Positiv vor allem für Daimler werteten Händler Presseberichte, wonach nur VW bei den Dieselabgaswerten manipuliert habe. Im Handel hieß es, auch die anderen Hersteller seien in den vergangenen Wochen immer wieder von Berichten belastet worden, die eine ähnliche Interpretation wie bei VW zugelassen hätten. Mit den Untersuchungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) sei nun Klarheit geschaffen worden. Laut "Handelsblatt", das auf den KBA-Bericht verweist, hat klar nur VW mit einem "Defeat Device" gearbeitet. VW schlossen rund 1 Prozent schwächer. BMW verbilligten sich etwa 2 Prozent. Daimler verloren mehr als 5 Prozent, wurden aber ex Dividende gehandelt.

Die deutlichsten Abschläge wiesen daneben wieder einmal die Banken auf. Deutsche Bank reduzierten sich um mehr als 3 Prozent. Commerzbank büßten fast 3 Prozent ein. Banken tun sich im Niedrigzinsumfeld immer schwerer, Erträge zu erwirtschaften und die Automobilhersteller gelten als überaus konjunkturabhängig und anfällig für Wechselkursschwankungen.

Siemens und Airbus kooperieren

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus und der Industriekonzern Siemens vereinbarten eine langfristige Zusammenarbeit bei hybrid-elektrischen Antriebssystemen. Die Kooperation hat zum Ziel, bis 2020 die technische Machbarkeit solcher Antriebssysteme für den Flugbetrieb nachzuweisen. Siemens gaben 1,8 Prozent ab, Airbus flogen 0,5 Prozent höher.

Bayer profitierten lange von einer Kurszielanhebung durch die Societe Generale. Die Analysten riefen 108 Euro aus. Die Anteilsscheine kletterten zunächst mehr als 1 Prozent, am Ende stand dann aber ein Minus von rund 1 Prozent.

BASF gaben fast 2 Prozent ab.  Die Öl- und Gas-Tochter von BASF, Wintershall, reagiert auf die Ölpreisschwäche mit verstärkten Sparmaßnahmen. Die Ausgaben will das Unternehmen in diesem Jahr deutlich senken. Das laufende Jahr werde sehr herausfordernd, sagte Wintershall-Chef Mario Mehren.

MDax: CTS Eventim rocken

CTS Eventim sprangen fast 3 Prozent an. Ein positiver  Analystenkommentar stützte Europas größten Tickethändler.  Die Analysten von MM Warburg hatten die Titel hoch auf "buy" von "hold" gestuft. Der jüngste Kursrückgang sei nicht gerechtfertigt, schrieben sie. Ihr Kursziel ließen sie mit 32 Euro unverändert. "Wir schätzen, dass der Ticketverkauf über das Internet im ersten Quartal 2016 auf einem hohen Niveau geblieben ist."

TecDax: Wirecard und die Shorties

Wirecard gaben deutliche Anfangsgewinne von mehr als 3 Prozent wieder ab und verabschiedeten sich etwa 4 Prozent schwächer aus dem Handel. Positiv wirke sich aus, dass die Aktien von Global Payments nach guten Geschäftszahlen an der Wall Street knapp 9 Prozent zugelegt hätten, so Händler. Daneben schauten Anleger auf den deutlichen Gewinnsprung und die aber nur leicht angehobene Dividende.

Auch Nemetschek will die Aktionäre an dem starken Wachstum im vergangenen Jahr beteiligen und erhöhte die Dividende - um ein Viertel auf 0,50 Euro je Aktie. Damit steigt die Ausschüttungssumme auf 19,25 von 15,4 Millionen Euro. Die Titel gewannen 0,4 Prozent.

USA: Wer bekommt Yahoo?

Aufflammende Sorgen um die Weltkonjunktur ziehen die Wall Street am Donnerstag nach unten. Für Verunsicherung sorgten die am Vorabend vorgelegten Fed-Protokolle. Darin machte diese deutlich, dass sie ihre Möglichkeiten, einen globalen Abschwung zu bekämpfen, als begrenzt einschätzt. Börsianer rätseln daher auch, wann und wie stark die Zinsen angehoben werden. Dazu gab es zuletzt unterschiedliche Äußerungen von Fed-Vertretern. Dies drücke weiter auf die Stimmung am Markt, sagte Aktienstratege Terry Sandven von U.S. Bank Wealth Management. Erhellende Signale erhofften sich Investoren von einem Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen am späten Abend (MESZ).

Dow Jones
Dow Jones 30.996,98

Erhellende Signale erhofften sich Investoren von einem Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen in der Nacht zum Freitag. Der Dow-Jones-Index schloss ein Prozent tiefer auf 17.542 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab um 1,2 Prozent auf 2042 Stellen nach. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,5 Prozent auf 4848 Zähler. Ein Investmentexperte sprach von einer insgesamt wieder abgekühlten Stimmung, nachdem sich der US-Aktienmarkt bis Anfang April kräftig erholt hatte.

Zu den Verlierern an der Wall Street zählten insbesondere Telekomwerte, die im Schnitt 1,4 Prozent nachgaben. Verizon sackten sogar 2,8 Prozent ab. Zuvor hatten Analysten die Aktie heruntergestuft. Einem Medienbericht zufolge will der Telekomkonzern in der kommenden Woche eine Offerte für das Kerngeschäft von Yahoo abgeben.Auch der Suchmaschinenbetreiber Google soll demnach Interesse an dem Internetgeschäft des Konkurrenten haben. Die Google-Aktie ließ ein Prozent Federn. Die Aktien von Yahoo selbst büßten an der New Yorker Börse 1,3 Prozent ein. Laut dem Technologie-Blog Recode rechnet der angeschlagene Internet-Pionier für das laufende Jahr mit hohen Umsatz- und Gewinneinbußen.

Der Einzelhändler Bed Bath & Beyond dagegen überraschte mit starken Quartalszahlen. Der Aktienkurs legte gegen den Trend 0,3 Prozent zu. Ebenfalls gefragt waren Valeant, die 3,9 Prozent in die Höhe schossen. Der Pharmakonzern sicherte sich ein Entgegenkommen seiner Gläubiger.

Devisen: Euro unter 1,14

Der Euro musste seine frühen Gewinne zum Dollar wieder abgeben. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,1379 Dollar. Damit lag sie 0,2 Prozent unter dem Niveau vom Mittwochabend. Das Tageshoch markierte der Euro aber bei 1,1454 Dollar. Die EZB legte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1364 Dollar fest nach  1,1336 Dollar zur Wochenmitte.

Derweil setzte der japanische Yen seinen Höhenflug im Vergleich zu anderen Währungen fort. Am Nachmittag kostete ein US-Dollar 108,05 Yen. So wenig musste für einen Dollar zuletzt im Oktober 2014 gezahlt werden. Experten sehen einen wichtigen Grund in zunehmenden Zweifeln an der Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie versucht seit Jahren, die schwache Inflation anzuschieben - bisher ohne Erfolg.

Asien: Stabilisierung, mehr nicht

Ohne kräftige Erholung, aber mit einer abgeebbten Verkaufsstimmung warteten die Aktienmärkte in Ostasien auf. An den meisten Plätzen stabilisierten sich die Indizes auf den ermäßigten Niveaus lediglich. Für etwas Zuversicht sorgten positive Konjunkturdaten aus China und sich erholende Ölpreise.

In Tokio stieg der Nikkei-Index 0,2 Prozent und schloss bei 15.750 Punkten. In Sydney kletterte der A&P/ASX-200 0,3 Prozent, wobei dort wie auch an anderen Plätzen vor allem Aktien aus dem Rohstoffkomplex gesucht waren - dank der gestiegenen Ölpreise. In Hongkong bewegte sich der Hang Seng kaum, mit dem Shanghai Composite ging es nach einem Richtungswechsel im Handelsverlauf nach unten: 1,1 Prozent.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa