Marktberichte

J&J und Coco-Cola helfen US-Börsen schließen im Plus

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Die Unternehmensgewinne wiegen schwerer als die Zweifel: Händler Peter Tuchmann blickt auf steigende Kurse.

(Foto: REUTERS)

Die Wirtschaftsdaten sind durchwachsen, die geopolitische Großwetterlage bewölkt bis düster. In den USA picken sich Anleger die positiven Nachrichten heraus. Quellen der Zuversicht liefert die Berichtssaison.

Die US-Aktienmärkte haben dank positiver Signale aus der laufenden Berichtssaison Gewinne verbucht. Vor allem die Geschäftszahlen von Coca-Cola und Johnson & Johnson sorgten an der Wall Street für Zuversicht. Die Kursgewinne hielten sich allerdings in Grenzen, nachdem eine Reihe von Industriedaten weniger robust als erwartet ausgefallen waren. Der US-Leitindex rutschte nach einem freundlichen Auftakt ins Minus und konnte sich davon erst im späten Handel erholen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss rund 0,55 Prozent fester bei 16.262,56 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,68 Prozent auf 1842,98 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,28 Prozent zu auf 4034,16 Punkte. Der Nasdaq 100 kletterte um 0,38 Prozent auf 3487,85 Punkte. In Frankfurt war der Dax angesichts der Spannungen in der Ukraine 1,8 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen.

Händlern zufolge sorgten negative Konjunkturdaten sowie Berichte über Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Sondereinsatztruppen in der Ostukraine zeitweise für erhebliche Belastung. Zur Eröffnung hatte sich der US-Leitindex bereits unter dem Eindruck von Hoffnungen auf eine gute Berichtssaison der US-Unternehmen um rund ein halbes Prozent nach oben bewegt.

Diese Zuversicht schien sich kurz vor Feierabend durchzusetzen: Bei den US-Einzelwerten legten die Aktien des Konzerns Johnson & Johnson rund 2,1 Prozent zu. Dank neuer, verschreibungspflichtiger Mittel verdiente der Hersteller von Neutrogena-Kosmetik und Penaten-Creme im ersten Quartal mehr als erwartet. Die Prognosen für das Gesamtjahr hob der Bayer-Partner an.

Obwohl der Nettogewinn von Coca-Cola um 7 Prozent sank, griffen Anleger bei den Papieren des Getränkeherstellers zu. Der Umsatz fiel besser aus als erwartet, vor allem dank guter Geschäfte in China. Sie machten Rückgänge in Europa und den USA wett, hieß es. Die Coca-Cola-Aktien verteuerten sich um 3,7 Prozent.

Ostküstenindustrie und Immobilien

Für einen Dämpfer sorgten die Konjunkturdaten. Die am Dienstag veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten enttäuschten insgesamt. So hatte sich die Stimmung der Industrie im US-Bundesstaat New York im April überraschend eingetrübt. Der Empire-State-Index war von 5,61 Punkten im Vormonat auf 1,29 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit vergangenen November gefallen. Ökonomen hatten hingegen mit einem Anstieg auf 8,00 Zähler gerechnet. Zudem hatte sich der US-Häusermarkt im April nicht von dem starken Einbruch im Winter erholt. Der NAHB-Hausmarktindex war weniger als erwartet gestiegen.

Anleger wägen nach Ansicht von Marktbeobachtern derzeit unternehmenstechnische, konjunkturelle und geopolitische Nachrichten permanent gegeneinander ab. Die daraus resultierende große Unsicherheit im Markt sorge für eine hohe Volatilität und einen sich minütlich ändernden Wind am Markt, kommentierte ein Fondsmanager. Jens Klatt, Chefanalyst von DailyFX, sagte: "Kurzfristige Erholungen werden von den Investoren genutzt, um Aktien abzustoßen. Die weiterhin undurchsichtige Lage in der Ukraine wird als Anlass genommen, die Gewinne der vergangenen Monate und auch Jahre zu sichern."

Kursverluste in Moskau

Während in den USA Konjunkturdaten und Quartalszahlen im Vordergrund standen, wirkten im Hintergrund weiter die Unsicherheiten der Ukraine-Krise. "Die Angst vor einer militärischen Eskalation zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Truppen und damit vor dem Ausbruch eines Bürgerkrieges regiert an der Börse", sagte DailyFX-Analyst Klatt. Hinzu kämen die zunehmenden Spannungen zwischen Ost und West, deren Folgen nur schwer abzuschätzen seien. Angesichts einer drohenden Ausweitung der Sanktionen ziehen immer mehr Anleger ihre Gelder aus Russland ab. Der Micex-Index, dessen Werte in Rubel notiert sind, verlor 2,5 Prozent. Der auf Dollar lautende RTS-Index gab um 3,1 Prozent nach.

Nach Börsenschluss in New York legte der Chiphersteller Intel seine Quartalszahlen vor, die leicht über den durchschnittlichen Analystenprognosen lagen. Die Papiere kletterten im nachbörslichen Geschäft um 2,12 Prozent.

Zahlen gab es auch beim US-Internetkonzern Yahoo. Hier laufen die Geschäfte offenbar wieder etwas besser. Der Umsatz ohne Berücksichtigung der Gebühren für Partnerportale legte im ersten Quartal leicht zu auf 1,087 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Reingewinn betrug 311,6 Millionen Dollar oder 29 Cent je Aktie. Bei den Investoren kamen die Zahlen gut an: Die Yahoo-Aktie legte nachbörslich um bis zu 8 Prozent zu. Die seit rund anderthalb Jahren amtierende Yahoo-Chefin Marissa Mayer versucht mit diversen Übernahmen, wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Das Ziel ist es dabei, neue Trends nicht zu verpassen, die von kleinen Start-ups vorangetrieben werden.

Der Kurs des Euro hat am Dienstag im US-Handel nach überraschend schwachen Daten vom US-Immobilienmarkt die Marke von 1,38 Dollar verteidigt. Zuletzt wurde er bei 1,3813 Dollar gehandelt. Richtungweisende zehnjährige US-Anleihen stiegen um 5/32 Punkte auf 101 6/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,63 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 790 Millionen Aktien den Besitzer. 1835 Werte legten zu, 1185 gaben nach und 135 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,38 Milliarden Aktien 1259 im Plus, 1370 im Minus und 114 unverändert.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/dpa/rts