Marktberichte

Sorgen fressen Kauflaune auf Ölpreis unter 80 Dollar

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(Foto: REUTERS)

Als "schockierend" bezeichnet ein Analyst die US-Nachfragelage. Und keine Nachfrage ist, purzeln die Preise. Zu sehen derzeit beim US-Leichtöl WTI. Aber auch Gold ist derzeit nicht gefragt.

Sorgen über einen konjunkturellen Abschwung verbunden mit einer sinkenden Ölnachfrage haben die Rohölpreise am Freitag deutlich unter Druck gebracht. Der Preis des nächstfälligen Novemberkontrakts auf ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI ermäßigte sich an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex zum Settlement um 3,6 Prozent auf 79,20 Dollar. Vor allem in den letzten 10 Handelsminuten verbilligte sich WTI und fiel unter die psychologisch bedeutsame Marke von 80 Dollar. Brent, das in Europa dominiert, zur Lieferung im November, verbilligte sich an der ICE zum Settlement in London um 1,1 Prozent auf 102,76 Dollar.

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Auf der Suche nach Gold: Tagebau in der Ariab-Mine im Sudan.

(Foto: REUTERS)

Überraschend hohe Inflationsdaten in der Euro-Zone machten Hoffnungen auf Zinssenkungen zunichte. Für die USA und Europa rechnen Analysten aufgrund der Schuldenkrise mit nachlassendem Wirtschaftswachstum. Zunehmend zeigten sich Anleger aber auch über das Wachstum in den Schwellenländern besorgt, so Händler mit Blick auf die Ölnachfrage.

Der am Berichtstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex (PMI) für China fiel zwar höher als erwartet aus, gleichwohl war er aber im September erneut nicht gestiegen. Zudem hat Brasilien die Wachstumsprognosen nach unten angepasst.

Verbraucherlaune trübt die Stimmung

Verstärkt wurden die trüben Konjunkturaussichten von einer schwachen Einkommensentwicklung der US-Verbraucher. Zwar kletterten die Ausgaben der US-Konsumenten im August wie erwartet um 0,2 Prozent, parallel sanken jedoch die Einkommen um 0,1 Prozent, während Volkswirte eine Zunahme um 0,1 Prozent erwartet hatten. Es war der erste Einkommensverlust seit rund zwei Jahren. Händler werteten die Daten im Hinblick auf die künftige Ausgabenentwicklung in den USA als äußerst schwaches Zeichen.

Der Ölpreis sei in diesem Zusammenhang den fallenden Aktienmärkten gefolgt. Anleger hätten sich zudem die äußerst schwachen Daten zur US-Ölnachfrage vom Vortag in Erinnerung gerufen, sagte ein Händler. Im Juli war diese um 4 Prozent auf das niedrigste Niveau seit 1996 gesunken, wie Daten des Amtes für Energiestatistik innerhalb des US-Energieministeriums (EIA) gezeigt hatten.

"Schockierend"

Analyst Timothy Evans von Citi Futures Perspective charakterisierte die US-Nachfragedaten als "schockierend" und klaren Beleg für die konjunkturelle Schwäche. "Die Nachfrage geht zusehends zurück. Das spricht für ein schwaches Marktumfeld. Ich denke, wir werden eher mehr statt weniger davon sehen", ergänzte Marktstratege John Kilduff von Again Capital.

Andere Marktbeobachter verwiesen zudem auf den Umstand, dass die Opec ihre Ölproduktion im September auf 30,25 Millionen Barrel pro Tag und damit auf den höchsten Stand seit knapp drei Jahren gesteigert hat. Begründet wurde dies mit der Wiederaufnahme der Förderung in Libyen.

Goldpreis sackt weg

Scharfe Einbrüche gab es auch am Markt für Gold: Trotz einer leichten Erholung am Freitag hat der Goldpreis in diesem Monat den größten Preiseinbruch seit den Turbulenzen um die Lehman-Pleite im Herbst 2008 erlitten.

Das Edelmetall verbilligte sich im September rund 11 Prozent. Angesichts der Furcht vor einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur und einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise hatten die Anleger ihr Bargeld zuletzt lieber gehortet oder in die Weltleitwährung Dollar investiert.

Am Freitag notierte der Goldpreis allerdings wieder 0,8 Prozent fester bei 1627 Dollar je Feinunze. Unterstützung erhielt das Edelmetall laut Händlern von einer starken Nachfrage aus China und Indien. Gerade im weltgrößten Gold-Markt Indien steigt die Nachfrage mit Beginn der Hochzeitssaison im August deutlich. Goldschmuck für Brautpaare sind hier ein traditionelles Geschenk.

Quelle: n-tv.de, rts

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