Marktberichte

Saudis überzeugen Markt nicht Ölpreise gehen hoch

Saudi-Arabien hat versprochen, bei einem etwaigen Förderausfall in Libyen seine Ölproduktion zu forcieren. Allerdings bezweifeln viele Fachleute dies. Somit geht es mit den Preisen für Brent und WTI wieder nach oben.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Zweifel an der Förderleistung des weltgrößten Exporteurs Saudi-Arabien haben Spekulationen auf mögliche Lieferengpässe am Ölmarkt neue Nahrung geliefert. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent stieg am Dienstag um 1,7 Prozent auf 113,67 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 98,12 Dollar pro Fass. "Am Markt ist man nicht davon überzeugt, dass Saudi-Arabien das Versprechen halten kann, alle Lieferengpässe zu füllen", sagte Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank.

Saudi-Arabien fördere derzeit neun Millionen Barrel und damit eine Millionen Barrel über der eigentlichen Quote, schreibt die Commerzbank in einer Kurzstudie. "Die frei verfügbaren Kapazitäten Saudi-Arabiens belaufen sich damit noch auf gut drei Millionen Barrel pro Tag. Spätestens wenn die freien Kapazitäten auf weniger als zwei Millionen Barrel pro Tag absinken, dürfte der Markt nervös werden."

Ein Übergreifen der Unruhen auf Saudi-Arabien könnte nach Einschätzung von LBBW-Chef-Rohstoffanalyst Frank Schallenberger den Ölpreis deutlich über 150 Dollar je Barrel treiben. Solltedie Förderung in Saudi-Arabien ausfallen, drohe eine neue Ölkrise, sagte er in einem Interview mit Reuters Insider.

Die Regierung in Riad hatte versucht, den Markt mit höheren Fördermengen zu beruhigen. Einigen Analysten zufolge könnten andere Exporteure dem Beispiel folgen, um von den aktuell höheren Preisen zu profitieren und Saudi-Arabien nicht zu viele Marktanteile zu überlassen.

Massiver Kurssturz

Der Aktienmarkt in Saudi-Arabien stürzte am Dienstag um fast sieben Prozent ab und schloss auf dem tiefsten Stand seit Juli 2009. "Berichte über die Festnahme eines Geistlichen haben den Kursrutsch ausgelöst", erklärte Haissam Arabi, Fondsmanager bei Gulfmena Alternative Investments. Ganz eindeutig sei das aber alles nicht. Es schwirrten viele Gerüchte am Markt herum, die für Nervosität gesorgt hätten, sagte ein anderer Händler.

Die Preise für Brent- und WTI-Öl waren in der Vorwoche auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen, nachdem der Aufstand in Libyen die Furcht vor Lieferengpässen hat aufkommen lassen. Nach Angaben des Chefs der libyschen Ölgesellschaft, Schokri Ghani, sind die Förderanlagen von den Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern von Machthaber Muammar Gaddafi bisher zwar verschont geblieben, die Ölförderung habe sich aber halbiert, da viele Angestellte nicht zur Arbeit gekommen seien.

Run auf Gold und Silber

Die politische Unsicherheit in der arabischen Welt trieb die Anleger erneut in Edelmetalle. Silber legte in der Spitze um 1,6 Prozent auf 34,35 Dollar je Feinunze zu und war damit so teuer wie seit Anfang Januar 1980 nicht mehr.

Gold kletterte um 0,7 Prozent auf 1420 Dollar pro Feinunze. Das gelbe Edelmetall hat allein im Februar mehr als sechs Prozent zugelegt, der stärkste Anstieg seit August 2010. Der Silberpreis ist in diesem Jahr um elf Prozent in die Höhe geschossen. Edelmetalle blieben als sicherer Hafen gefragt, sagte ein Händler.

Quelle: ntv.de, rts