Marktberichte

ProSieben mit Freudensprung T-Aktie zieht Dax nach unten

Massive Verluste bei den „Volksaktien“ der Deutschen Telekom und der Deutschen Post drückten den Dax am Freitag tief ins Minus. Zusätzlich belastet wurde der Index durch die High-Tech-Titel, die ebenfalls ganz oben auf der Verliererseite mitmischten. Der Dax fiel 2,2 Prozent auf 4.746 Punkte.

Florian Weber, Händler beim Börsenmakler Schnigge, sieht zurzeit einfach keine Gründe, die Anleger überzeugen könnten, Aktien nachhaltig zu kaufen. Vielmehr würden die meisten nun darauf warten, dass der Markt bis auf 4.500 Punkte zurückfalle, bevor sie sich wieder engagierten, so Weber weiter. Fundamentale Gründe für einen Anstieg seien aber erst wieder gegeben, wenn die Unternehmensgewinne anziehen würden. Das könne aber durchaus noch ein paar Monate dauern.

Wenig Aufhellendes kam von der Wall Street, wo die Indizes uneinheitlich tendierten. Am Donnerstag hatte ein negativer Analystenkommentar zu dem Chip-Hersteller Intel die US-Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Zudem hatten Gerüchte über einen Einmarsch von US-Truppen in den Irak für zusätzlichen Abgabedruck gesorgt.

Der Intel-Kommentar habe eine Flucht aus den Technologie-Titeln ausgelöst, so ein Händler. Die Anleger seien sehr verunsichert, alle hätten Angst vor einer weiteren Hiobsbotschaft aus dem High-Tech-Sektor. Diese Stimmung habe sich am Freitag auch auf die deutschen Technologie-Werte übertragen. Infineon fiel 3,4 Prozent auf 23,61 Euro, Siemens gab 4,9 Prozent auf 61,82 Euro nach, Epcos lag mit 3,5 Prozent bei 39,85 Euro im Minus und SAP verlor 3,9 Prozent auf 149,00 Euro.

Tief in der Verlustzone schloss auch die Deutsche Telekom. Konzern-Chef Ron Sommer kündigte an, er halte die Chancen für den Verkauf des Telekom-Kabelnetzes an den US-Konzern Liberty Media für „sehr gering“. Darüber hinaus schloss Sommer eine Verschiebung des Börsengangs der Mobilfunktochter T-Mobile über 2002 hinaus nicht mehr aus. Derzeit sei der Markt dafür einfach nicht vorhanden. Man bereite aber weiter einen möglichen Börsengang für Juni oder Oktober/November vor, so der Telekom-Chef. Die T-Aktie verlor 4,4 Prozent auf 15,19 Euro. Händler zeigten sich vor allem enttäuscht, dass der T-Mobile Börsengang möglicherweise bis 2003 verschoben werde. Mit einer Verzögerung habe man gerechnet, allerdings seien die meisten Anleger sicher gewesen, dass T-Mobile noch 2002 an die Börse gebracht werde, hieß es.

Schlechte Nachrichten gab es auch für die Deutsche Post. Einem Zeitungsbericht zufolge drohen dem Bonner Konzern nun doch Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe. Die Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen verlange von der Deutschen Post fast eine Milliarde Euro für nicht abgeführte Mehrwertsteuer in den Jahren 1998 und 1999, so der Bericht. Für die Jahre 2000 und 2001 sollen 455 Millionen Euro nachgezahlt werden. Die Deutsche Post wehrte sich gegen den Bericht. Von einer kurz bevorstehenden Entscheidung im Finanzministerium in Düsseldorf sei weder der Post, noch dem NRW-Ministerium selbst irgend etwas bekannt, hieß es. Die Aktie Gelb fiel dennoch 3,0 Prozent auf 14,41 Euro. Finanzminister Hans Eichel hatte die Deutsche Post durch eine umstrittene Sonderregelung von der Zahlung der Mehrwertsteuer befreit. Eine Nachzahlung von einer Milliarde Euro sei natürlich eine enorme Belastung für das Unternehmen, begründete ein Händler die Kursverluste.

Die Bundesregierung will die Deutsche Lufthansa für die unmittelbaren Folgen des Anschlages vom 11. September entschädigen. Man habe die Ansprüche der Lufthansa geprüft und werde demnächst eine Genehmigung der Zahlung bei der EU-Kommission in Brüssel beantragen, teilte die Bundesregierung am Nachmittag mit. Über die Höhe der Entschädigung wurden keine Angaben gemacht. Die Lufthansa-Aktie schloss bei 17,20 Euro mit einem Abschlag von 0,9 Prozent.

Die britische Easygroup will einem Zeitungsbericht zufolge schnell nach Deutschland expandieren und damit der deutschen Sixt Konkurrenz machen. Der Billig-Anbieter werde "vielleicht schon in 2003" mit seinem Mietwagenableger Easycar starten, so der Bericht. Die im Mdax gelistete Sixt-Aktie fiel zeitweise über 8 Prozent konnte die Verluste bis zum Schluss aber auf ein Minus von 5,4 Prozent bei 14,18 Euro eingrenzen.

Die umstrittene Fusion von ProSiebenSat.1 mit der Kirch Media wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Dies verlautete nach einer Aufsichtsratssitzung aus dem Unternehmen. Prinzipiell hält man jedoch an dem Vorhaben fest: "zum frühest möglichen Zeitpunkt" nach der Sanierung der Kirch-Gruppe. Für ProSiebenSat.1 bedeutet der Aufschub zunächst aber einmal einen Wegfall von beträchtlichen finanziellen Risiken. Recht schnell will der Medienkonzern dagegen ein anderes Vorhaben angehen: Bereits im Mai soll die Hauptversammlung über die Umwandlung der börsennotierten Vorzugsaktien in Stammaktien entscheiden. Die Aktie, die sich vorher leicht im Minus bewegt hatte, schoss nach der Mitteilung ins Plus. Schlussstand: 8,50 Euro, ein Zugewinn von 28,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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