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Airbus-Restrukturierung Ball bei Konzernspitze

Deutschland und Frankreich haben eine gemeinsame Position über das Sanierungsprogramm des Flugzeugbauers Airbus erzielt. Die Zukunftschancen und die Lasten der notwendigen Anpassungsmaßnahmen müssten gleich zwischen beiden Ländern verteilt werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag nach einem Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac im brandenburgischen Meseberg.

In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, beide Seiten vertrauten auf eine Entscheidung der Unternehmensführung, die die zugesicherte Balance sicher stellt. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass bei der Restrukturierung "die Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Technologie und das Gleichgewicht der Kompetenzen in den betroffenen Staaten berücksichtigt wird".

Für die beiden Politiker ist unstrittig, dass bei Airbus Anpassungen nötig sind nach den Fehlern, die dort gemacht worden seien. Es gehe darum, gegenüber dem Konkurrenten Boeing wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Chirac wie Merkel bekannten sich dazu, dass Deutschland und Frankreich das Airbus-Projekt auch in der Zukunft politisch mittragen wollen. Merkel sprach von einem klaren politischen Bekenntnis zum Airbus-Projekt, das sie und Chirac abgegeben hätten.

Chirac unterstrich, es sei der Wunsch beider Staaten, dass bei der Sanierung einige wichtige Grundsätze eingehalten werden. Dazu gehöre auch, Gleichgewichtigkeit zu wahren: beim Abbau der Arbeitsplätze wie in der Verteilung technologischer Kompetenzen. Nötig sei "ein absolutes Gleichgewicht".

Vor allem an der Verteilung der Technologiekompetenzen sind bisher die Verhandlungen um das Sanierungsprogramm für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS gescheitert. Deutschland will sich vor allem einen Anteil am neuen Langstrecken-Airbus A350 sichern. Der dort geplante Einsatz neuer Werkstoffe gilt als Zukunftstechnologie. Zudem dreht sich die Debatte um eine faire und ausgewogene Verteilung des geplanten Arbeitsplatzabbaus.

10.000 Jobs gefährdet

Dem Vernehmen nach stehen die deutschen Airbus-Standorte Nordenham und Varel zum Verkauf. Dort arbeiten knapp 3600 Menschen. Insgesamt könnten sind etwa 10.000 Arbeitsplätze in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien durch die Sparmaßnahmen gefährdet sein. In Deutschland arbeiten 23.000 Menschen bei Airbus.

Nach Angaben der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" stellt Airbus-Chef Louis Gallois auch vier französische Produktionsstätten in Maulte, Saint-Nazaire, Rochefort und Tarbes sowie Filton in Großbritannien und Purto Real in Spanien zur Disposition. Das Blatt schrieb weiter, die deutsche Seite hätte zudem auf die Rumpfproduktion des neuen A350 verzichtet. Quellen für den Bericht nannte "Les Echos" nicht.

Die Nachrichtenagentur Reuters will erfahren haben, dass Gallois Deutschland einen größeren Anteil an der Arbeit für die nächste Generation des Modells A320 geben wolle. Dafür solle die Bundesrepublik umgekehrt auf ihre Forderung nach mehr Arbeit an dem Modell A350 verzichten, hieß es. Die Forderungen der Deutschen beim A350 hätte das Ende von zwei französischen Werken bedeutet, sagte der Gewerkschaftsvertreter, der anonym bleiben wollte.

Der EADS-Aufsichtsrat werde sich voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche treffen, um diesen neuen Plan zu verabschieden. Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm am 20. Februar bekannt gegeben werden sollen. Doch wegen strittiger Fragen um die Airbus-Standorte war die Bekanntgabe verschoben worden.

Quelle: ntv.de