Meldungen

Wo ist die Dax-Chefin? Merkel sieht Nachholbedarf

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die weiblichen Mitglieder ihres Kabinetts haben am Dienstag zur Fortsetzung des Kampfes für die Gleichstellung der Frau aufgerufen. Merkel bezeichnete es als Skandal, dass in keinem Vorstand eines Dax- 30-Unternehmens eine Frau sitze. Dies entspreche "nun wirklich nicht der gesellschaftlichen Realität." Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte ein Umdenken auch in der Politik. "Es ist ein Sachverhalt, dass wir seit dem Bestehen der Bundesrepublik über 100 Ministerpräsidenten hatten und nur einzige Frau - Heide Simonis." Es sei an der Zeit, dass sich das endlich ändere.

Merkel und die Bundesministerinnen beteiligten sich an einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "20 Jahre Frauenministerium: Was bringt Gleichstellungspolitik?". Bundesfrauenministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, heute sei es eine wesentliche Herausforderung, auch die Männer als Partner und Adressaten der Gleichstellung anzusprechen. "Wir müssen erreichen, dass sich die herkömmlichen Rollenbilder - für Männer wie für Frauen - öffnen."

Die Kanzlerin bekräftigte, die Gleichberechtigung der Frau werde ohne ein verändertes Rollenverhalten des Mannes nicht möglich sein. Mit dem Wunsch um eine Auszeit für Kinderbetreuung zum Chef zu gehen, sei für einen Mann noch immer Mutprobe. "Das muss weg", sagte Merkel.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kritisierte, zu wenige Spitzenpositionen in der Wissenschaft seien mit Frauen besetzt. "Wir müssen jetzt ganz konkret werden und sehen: Wo gehen Frauen auf dem Weg zur Spitze verloren?" sagte die Ministerin. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte, sie habe nicht geglaubt, kurz vor ihrem 60. Geburtstag noch immer noch über die Gleichstellung diskutieren zu müssen. Sie habe schon vor Jahrzehnten für Frauenrechte gekämpft.

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hatte jüngst ergeben, dass in den 200 größten deutschen Firmen nur 11 Frauen im Vorstand sitzen, bei den 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) notierten Konzernen keine einzige. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung. Obwohl fast jeder zweite abhängig Beschäftigte weiblich ist, gelange nur knapp jede vierte erwerbstätige Frau in eine Führungsposition.

Quelle: ntv.de