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Eine Gefahr für den Menschen? 320.000 Viren existieren in Säugetieren

HIV, Westnilfieber, Ebola, Sars oder Influenza: Alle diese Krankheiten sind irgendwann einmal vom Säugetier auf den Menschen übergesprungen. Forscher finden jetzt heraus, dass eine enorme Anzahl potenzieller Gefahren in den Tieren lauert - die meisten davon bisher unbekannt.

Säugetiere beherbergen weltweit mindestens 320.000 Viren. Auf diese Zahl kommt ein internationales Forscherteam nach einer Studie an Flughunden. Angesichts der möglichen Bedrohung für Menschen und die mit neuen Krankheiten verbundenen Kosten raten sie in der Zeitschrift "mBio" dringend dazu, diese Mikroorganismen stärker zu erforschen.

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Die Studie wurde an Riesenflughunden durchgeführt.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Fast 70 Prozent aller neuen Viruserkrankungen sind aus dem Tierreich auf den Menschen übergesprungen. Bislang gab es keine zuverlässigen Schätzungen, wie viele Viren in der Natur existieren. "Historisch basierten unsere Ansätze zur Entdeckung insgesamt zu sehr auf dem Zufall", sagt Erstautor Simon Anthony von der Columbia University in New York. "Was wir zurzeit über Viren wissen, beruht weitgehend auf jenen, die schon auf Menschen oder Tiere übergesprungen sind und Krankheiten verursacht haben. Doch das Reservoir aller Viren in der Natur, einschließlich vieler möglicher Bedrohungen für den Menschen, reicht viel tiefer."

Um die Zahl zu ermitteln, untersuchten die Forscher im Dschungel von Bangladesch Indische Riesenflughunde (Pteropus giganteus). Mit einer Spannweite bis 1,50 Meter zählen sie zu den größten fliegenden Säugern der Welt. Die Forscher analysierten fast 1900 Gewebeproben und identifizierten darin 55 Viren aus neun verschiedenen Familien. Nur fünf der Erreger waren bis dahin bekannt.

6,3 Milliarden Dollar zur Erforschung nötig

Weil die Forscher die Proben nicht auf jede Virenfamilie testeten, gehen sie davon aus, dass Flughunde insgesamt 58 diverse Viren beherbergen. Übertragen auf die weltweit knapp 5500 Säugetier-Arten ergibt das rechnerisch die Menge von rund 320.000 Viren. "Es gibt nicht Millionen von Viren, sondern nur ein paar Hunderttausend", sagt Mitautor Peter Daszak von der gemeinnützigen Organisation EcoHealth Alliance. "Angesichts der verfügbaren Technologie könnten wir zu meiner Lebzeit jedes unbekannte Virus auf dem Planeten kennen."

Die eingehendere Erforschung der Erreger könnte dazu beitragen, Menschen vor Krankheiten zu schützen. Die Forscher beziffern die Kosten dafür auf 6,3 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro). Für die häufigsten 85 Prozent der Viren wären es demnach nur 1,4 Milliarden Dollar. Dies sei nur ein Bruchteil der möglichen Folgen von Epidemien. Allein der Sars-Ausbruch verursachte demnach Schäden in Höhe von etwa 16 Milliarden Dollar.

"Wir behaupten nicht, dass dieses Unterfangen einen weiteren Ausbruch wie bei Sars verhindern würde", sagt Erstautor Anthony. "Aber was wir aus der Erforschung der weltweiten Virenvielfalt lernen, könnte eine bessere Überwachung und schnellere Früherkennung erleichtern und so Ausbrüche mildern."

Quelle: n-tv.de, dpa

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