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BUND-Studie Chemie macht Kinder krank

Chemikalien führen einer Studie zufolge immer häufiger zu Erkrankungen bei Kindern. Das geht aus einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

"Immer mehr Kinder leiden unter Geburtsdefekten, Allergien, Hormonstörungen, Leukämien und Verhaltensauffälligkeiten, die mit den Giften in Verbindung gebracht werden", sagte die Verfasserin der Studie, Patricia Cameron. BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm forderte die deutschen Abgeordneten des Europaparlaments auf, die Reform des Chemikalienrechts (REACH) nachzubessern. Diese Forderung und die Studie insgesamt wurden von der Chemieindustrie zurückgewiesen.

"Weichmacher, Flammschutzmittel und künstliche Duftstoffe - die Liste der in Kinderkörpern vorhandenen Chemikalien liest sich wie eine Anleitung zur Blutvergiftung", sagte Cameron. Kinder seien pro Kilogramm Körpergewicht stärker mit Chemikalien belastet als Erwachsene, heißt es in der Studie "Gesundheitsschäden durch eine verfehlte Chemikalienpolitik - Kinder besser schützen".

In Blutproben Heranwachsender würden vor allem neue auf dem Markt befindliche Chemikalien nachgewiesen. So seien doppelt so viele Flammschutzmittel (polybromierte Diphenylether), die das Nervensystem schädigen könnten, gefunden worden wie bei Erwachsenen. Auch die höchste Konzentration von Bisphenol A - einer Substanz, die bereits in minimalen Mengen das Hormonsystem beeinträchtigen könne -, sei im Blut eines Kindes gefunden worden.

Der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner, Frank Bartram, berichtete, es gebe 100.000 chemische Substanzen auf dem europäischen Markt, von denen nur vier Prozent auf ihre Folgen für Gesundheit und Umwelt getestet seien. Gesundheitsschädliche Chemikalien seien in Wickelunterlagen, Babyfläschchen und Spielzeug für Kinder nachgewiesen worden. Da sich der Stoffwechsel der Kinder sowie ihr Immun- und Nervensystem noch im Aufbau befänden, wirkten sich die Schadstoffe besonders negativ auf ihre Gesundheit aus.

BUND-Geschäftsführer Timm forderte die Abgeordneten auf, der Chemikalienreform Reach die "Giftzähne" zu ziehen. "Schädliche Stoffe müssen ersetzt werden, wenn es Alternativen gibt." Die Europa-Parlamentarier wollen in den nächsten Wochen abstimmen.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hielt dem BUND vor, er wolle "bewusst Ängste gegen Chemie schüren". "Der alleinige Nachweis von chemischen Stoffen im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten sagt alleine noch nichts über seine gesundheitliche Relevanz aus - weder bei Erwachsenen noch bei Kindern." Dazu wäre eine Risikobewertung erforderlich. Ein großer Teil der angeführten Stoffe sei schon lange verboten oder in der Verwendung stark eingeschränkt worden.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl berichtete, die EU-Kommission habe im März 2005 das Flammschutzmittel deca-BDE zunächst verboten. "Auf Betreiben der Industrie wurde dieses Verbot dann aber wenig später wieder aufgehoben - wie wir seit heute wissen, vor allem auf Kosten von Kindern".

Quelle: ntv.de