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Besiedlungswellen per Boot Chinesen entdeckten Amerika

Die Ureinwohner Amerikas wanderten vor etwa 15.000 Jahren aus Asien ein. Nun findet eine neue Studie heraus: Danach gab es zwei weitere Wellen der Besiedlung. Die Neuankömmlinge waren mit den heutigen Chinesen verwandt – und kamen per Boot.

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Die Geschichte von der Besiedlung Amerikas muss wohl neu geschrieben werden.

(Foto: REUTERS)

Die Besiedlung des amerikanischen Kontinents durch den Menschen könnte anders verlaufen sein als bislang von den meisten Forschern angenommen. Eine im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Ureinwohner Amerikas nicht in einer, sondern in drei Wellen von Asien aus übersiedelten. Damit bringt die umfangreiche Genstudie Bewegung in eine langjährige Kontroverse zwischen Genetikern, Archäologen und Linguisten.

Die allermeisten Ureinwohner des Kontinents stammen der Studie zufolge von den ersten Siedlern ab, die auch als "Erste Amerikaner" bekannt sind. Diese sollen zum Ende der Eiszeit vor 15.000 Jahren von Sibirien aus die Beringsee überquert haben, als es dort noch einen Landweg gab. Allerdings fanden die Gen-Forscher bei der Analyse der Gene der Ureinwohner Nordamerikas Hinweise, dass es später noch zwei weitere Siedlergruppen, die eng mit den heutigen Han-Chinesen verwandt waren, bis nach Nordamerika schafften.

Siedler müssen mit Booten gekommen sein

Die zweite und dritte Einwanderungswelle erfolgte demnach deutlich später per Boot, da der Landweg mit der Eiszeit verschwunden war. Genetische Spuren dieser späteren asiatischen Einwanderer fänden sich nur im Norden Amerikas, wo die genetische Vermischung zwischen den Stämmen allgemein größer ist. Der Studienleiter Andres Ruiz-Linares vermutet, dass die ersten Siedler im Kampf um Lebensraum nach Süden auswichen, als die Asiaten aus der zweiten und dritten Welle den hohen Norden erreichten.

"Eine der Haupterkenntnisse der Studie ist, dass die Ureinwohner aus dem Norden des Kontinents rezentere Vorfahren aus Sibirien haben als die anderen Bewohner des Kontinents", erklärte Ruiz-Linares der Nachrichtenagentur AFP. Für die Studie koordinierte der Genetiker ein Team von etwa 60 Forschern aus aller Welt, die zusammen die Gene von mehr als 500 Personen aus 52 uramerikanischen Stämmen und 17 asiatischen Völkern analysierten. Mehr als 350.000 so genannter Markierungsgene mussten dafür verglichen werden.

Die Studie liefert neue Nahrung für eine Theorie, die erstmals 1986 von dem Sprachwissenschaftler Joseph Greenberg entwickelt worden war. Greenberg hatte aufgrund von Sprachunterschieden ebenfalls von drei Siedlungswellen gesprochen, war damals aber scharf kritisiert worden. Ruiz-Linares betonte, die Erkenntnisse der Studie seien entscheidend für unser Verständnis von der Besiedlung Amerikas. "Das ist Teil der Frage, wie sich die Menschheit entwickelt und die Erde besiedelt hat."

Quelle: n-tv.de, AFP

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