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"Der moderne Mann ist oft gehemmt"Guter Sex will Weile haben

24.01.2010, 08:53 Uhr
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Für guten Sex müssen sich die Partner gezielt mehrere Stunden Zeit nehmen. (Foto: dpa)

Das Sexualleben der Frauen ist noch nicht ausreichend erforscht. Zwar sind sie im Zuge der sexuellen Revolution aktiver geworden, was die Befriedigung ihrer Bedürfnisse angeht, das aber schüchtert wiederum die Männer ein. Wichtig sind Kommunikation und Zeit.

Nur wenn sich beide Partner regelmäßig und gezielt mehrere Stunden Zeit für Zärtlichkeit nähmen, ließe sich über die Jahre eine erfülltes Sexualleben gewährleisten, so der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch.

"Die Männer haben nicht genug Verständnis für die Andersartigkeit der weiblichen Sexualität. Frauen brauchen mehr Zeit", so Sigusch.

Was genau Frauen für ein entspanntes Sexualleben brauchen, sei jedoch von der Wissenschaft noch nicht ausreichend erforscht: "Es ist absolut wichtig, dass sich die Forschung mit der weiblichen Sexualität beschäftigt. Und es ist zentral, dass das Frauen machen." Männer könnten nicht die Leitlinien in der Frauenheilkunde ausrufen, sagte Sigusch. "Wie kann ein Mann einer Frau sagen, wie es ist, zu menstruieren oder ein Kind zu gebären?"

Männer unter Druck

Die sexuellen Revolutionen des vergangenen Jahrhunderts hätten jedoch bereits erste positive Veränderungen bei den Frauen bewirkt. "Heute bestimmen die Frauen, was passiert und wie weit man geht. Sie sind aktiver." Das wiederum schüchtere viele Männer ein. "Der moderne Mann ist oft gehemmt und scheu und würde intime Dinge gern im Geheimen abwickeln. Frauen wollen aber darüber reden." Das erzeuge Druck bei den Männern, auch weil sie sich heute verstärkt für die Lust ihrer Partnerin verantwortlich fühlten.

"Das zentrale Problem in vielen Beziehungen ist nach wie vor mangelnde Kommunikation über Sexualität. Wir haben in Deutschland keine angemessene Sprache für das, was Tatsache ist", erklärte Sigusch. Auch würden viele Frauen heute noch immer nicht über ihren Körper Bescheid wissen, geschweige denn die Männer. Daher empfiehlt Sigusch einen Besuch beim Paartherapeuten. Auch weil moderne Paare vor neue Herausforderungen gestellt würden: "Die Menschen werden immer älter und Paare sind heute um Jahrzehnte länger zusammen. Sexuelles Verlangen lässt jedoch auch bei einem Liebespaar nach fünf bis acht Jahren nach."

Diese längere Lebenserwartung werde sich in Zukunft in veränderten Partnerschaftsstrukturen niederschlagen: "Die Polyamorie, also das Zusammenleben mit mehreren Partnern gleichzeitig, wird zunehmen."

Quelle: dpa