Wissen

Sommer 2010 in Russland Hitzewelle war Naturphänomen

Die Hitzewelle des vergangenen Sommers in Russland geht nicht auf die Kappe des Klimawandels. Natürliche Schwankungen sind für die hohen Temperaturen verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA.

Hitze_Russland_Moskau.jpg

Moskau wurde im Sommer 2010 von der größten Hitzewelle seit mehr als 140 Jahren heimgesucht. Die Menschen suchten mitten in der Stadt in den Springbrunnen nach Abkühlung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Klimawandel war nicht die Ursache für die Hitzewelle in Russland im vergangenen Sommer. Das zeigen Untersuchungen von US-Forschern. Stattdessen hat ein natürliches Klimaphänomen die Temperaturen in Westrussland auf bis zu 40 Grad Celsius hochschnellen lassen, schreiben sie in den "Geophysical Research Letters". Durch die steigenden Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre steige allerdings das Risiko, dass solche Hitzewellen in der Region künftig erneut auftreten – das zeigten Klimamodelle. Die hohen Temperaturen von Ende Juni bis Mitte August 2010 hatten großflächige Wald- und Torfbrände ausgelöst; viele Tausend Menschen waren an der Hitze und ihren Folgen gestorben.

Kohlendioxidkonzentrationen irrelevant

Russland_Waldbrand.jpg

Folge der langanhaltenden Hitze waren Busch-, Moor- und Waldbrände.

(Foto: picture alliance / dpa)

Randall Dole und seine Kollegen von der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA einer Einrichtung des Handelsministerium der Vereinigten Staaten und der Universität von Colorado haben untersucht, ob sich die Hitzewelle eher mit natürlichen Einflüssen oder mit dem Klimawandel erklären lässt. Dafür analysierten sie die Temperaturen vergangener Jahrzehnte und erstellten Klimasimulationen im Computer. Unter anderem berechneten sie, ob die Konzentration an Treibhausgasen, die Temperatur der Meeresoberfläche oder die Menge an Eis in der Arktis Wahrscheinlichkeit und Stärke der Hitzewelle beeinflusst haben.

Ihr Ergebnis: Die stark erhöhten Temperaturen sind vollständig durch natürliche Schwankungen erklärbar. "Die derzeitigen Konzentrationen von Treibhausgasen haben nicht geholfen, die Hitzewelle in Russland vorherzusagen", erläuterte Dole. Stattdessen habe sich ein Hochdrucksystem über Westrussland festgesetzt und Sommerstürme sowie kühle Luft daran gehindert, durch das Gebiet zu treiben, heißt es in den "Geophysical Research Letters". Dieses bekannte natürliche Klimaphänomen verursache extreme Hitze und Trockenheit und habe bereits früher Hitzewellen in der Region ausgelöst.

Wie die Forscher zudem herausfanden, ist die Durchschnittstemperatur im Juli über die vergangenen 130 Jahre hinweg in Westrussland nicht gestiegen – sondern sogar um 0,1 Grad Celsius gefallen. Das sei nicht ungewöhnlich, erklärt Co-Autor Martin Hoerling: "Der Klimawandel findet nicht mit derselben Geschwindigkeit überall auf dem Erdball statt."

Vom Hintergrundrauschen verschluckt?

Russland_Hitze_Waldbrände_Moskau.jpg

Der Rauch der zahlreichen Feuer zog bis nach Moskau. Die Menschen in der größten Stadt Europas fanden kaum noch Luft zum Atmen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wissenschaftler wollen dennoch nicht ausschließen, dass der Klimawandel mit zum Entstehen der Hitzewelle beigetragen habe, betonen sie in einer ergänzenden Mitteilung des Journals. Ihre Ergebnisse ähnelten dem Versuch, eine ruhige Unterhaltung unter dem Getöse eines lauten Gebläses zu hören: Eine Temperaturerhöhung aufgrund erhöhter Treibhausgaskonzentrationen sei möglicherweise unter der viel größeren natürlichen Klimaschwankung untergegangen. Möglicherweise ändere sich das in Zukunft: "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass wir am Scheitelpunkt eines Zeitabschnitts stehen, in dem die Wahrscheinlichkeit solcher Extremereignisse steigt, und zwar aufgrund der laut Hochrechnungen zukünftigen Kohlendioxidkonzentrationen", schreiben sie.

Die Anfangsphase der Hitzewelle sei mit modernen Wettervorhersagemodellen gut voraussagbar gewesen, schreibt die japanische Behörde für Meeres- sowie Erdwissenschaft und -Technologie (Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology), ebenfalls in dem Journal. Dass sich die große Hitze allerdings bis in den August hineingezogen habe, sei auch mit modernen Methoden nicht vorherzusehen gewesen.

Quelle: ntv.de, dpa