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Tod wird nicht herbeigesehnt Zahl der Hundertjährigen nimmt enorm zu

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Viele alte Menschen sind heute fitter als ihre Altersgenossen vergangener Generationen.

(Foto: dpa)

In Deutschland hat sich die Zahl der Hundertjährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Sie leiden zwar unter im Durchschnitt vier Erkrankungen, sind aber deutlich fitter als Hundertjährige vor zehn Jahren. Fast drei Viertel von ihnen verspüren keine Todessehnsucht, sondern möchten unbedingt noch älter werden.

Hundertjährige sind heute geistig und körperlich fitter als Hundertjährige vor wenigen Jahren. Viele sehr alte Menschen können trotz gesundheitlicher Einschränkungen noch vergleichsweise selbstständig leben, wie eine von der Universität Heidelberg veröffentlichte Studie ergab. Zudem feiern immer mehr Menschen ihren 100. Geburtstag.

In Deutschland hat sich die Zahl der Hundertjährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Während im Jahr 2000 nach Angaben der Uni Heidelberg nur rund 6000 Menschen im Alter von 100 oder mehr Jahren hierzulande lebten, waren es im Jahr 2010 bereits rund 13.000. Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten für ihre repräsentative Studie in den Jahren 2011 und 2012 das Leben von Hundertjährigen aus Heidelberg und Umgebung genauer. Sie befragten rund 100 Hundertjährige aus dem Großraum Rhein-Neckar und bezeichnen ihre Untersuchung als repräsentativ. Eine erste Heidelberger Hundertjährigen-Studie gab es bereits 2000/2001.

Mehr hundertjährige Frauen

Die Forscher befragten ihre betagten Interviewpartner unter anderem zu alltäglichen Herausforderungen, Aktivitäten, sozialer Einbindung und Lebensqualität. Zusätzlich holten sie Auskünfte von nahen Verwandten oder Freunden ein. Die meisten Interviewten waren Frauen, da sie statistisch gesehen länger leben als Männer.

Die heutigen Hundertjährigen seien nicht kränker, sagte Studienleiterin Daniela Jopp. Die Studie ergab etwa, dass im Vergleich zu einer ersten Untersuchung vor zehn Jahren mehr von ihnen in der Lage sind, selbstständig zu essen, Mahlzeiten zuzubereiten oder Geldangelegenheiten zu regeln. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der alten Menschen wies keine oder nur geringe geistige Einschränkungen auf. Zehn Jahre zuvor waren es nur 41 Prozent gewesen.

Gesundheitliche Einschränkungen

Die Gesundheit der Hundertjährigen ist aber dennoch eingeschränkt. Im Durchschnitt leiden sie unter vier Erkrankungen. Die große Mehrheit (88 Prozent) ist von Seh- oder Höreinbußen betroffen, rund zwei Drittel (67 Prozent) haben Probleme durch Stürze. In der Untersuchung gab es niemanden, der keine Krankheit hatte.

Mehr als 80 Prozent der Hundertjährigen sind laut der Studie allerdings mit ihrem Leben zufrieden. Eine große Rolle spielt dabei, ob die Menschen optimistisch eingestellt sind und Lebenswillen haben. Die Menschen, die trotz des nahen Lebensendes optimistisch in die Zukunft schauten, zeigten sich zufriedener mit ihrem Leben, erklärte der Co-Leiter der Studie, Christoph Rott. "Im Vergleich dazu sind Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und soziale Aspekte mit wenigen Ausnahmen deutlich unwichtiger für die Lebensqualität", hob Rott hervor.

Die meisten Hundertjährigen wollen gern weiterleben

Fast drei Viertel der Hundertjährigen in Deutschland möchten der Studie zufolge unbedingt weiterleben. 72 Prozent der betagten Senioren verspürten keinerlei Todessehnsucht. Nur jeder zehnte Hundertjährige wünsche sich, zu sterben. Der eigene Tod und das Sterben sei für Hundertjährige kein Tabuthema, sagte Studienleiterin Jopp. "Sie machen sich aber Gedanken, wie ihr Ableben sein wird. Und, dass sie damit ihre Familie belasten." Obwohl sie wüssten, dass ihr Leben dem Ende zugehe, hätten 53 Prozent der Hundertjährigen eine positive Einstellung zur Zukunft und erzählten von Zielen und Plänen. Der Wunsch zu sterben ging aber häufig mit dem Gefühl von Einsamkeit einher, betonten die Wissenschaftler.

Mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Hundertjährigen lebt laut der Studie in Privathaushalten. Meist werden sie dabei von Kindern oder anderen Familienangehörigen unterstützt. Die Wissenschaftler hoben aber in ihrer Studie zugleich hervor, dass eine hauptsächliche Pflege durch Kinder in Zukunft nicht realistisch sei.

Die Forscher forderten für die Zukunft deshalb auch bei der Pflege ein Umdenken. Es müssten "sorgende Gemeinschaften" entstehen, sagte der Direktor des Heidelberger Instituts für Gerontologie, Andreas Kruse. Dafür sollten zum Beispiel die Kommunen gestärkt werden. Grundsätzlich rief der Forscher dazu auf, das hohe Alter sehr viel differenzierter als bisher zu bewerten.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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