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Zeit für den ersten SexMusiktexte von Bedeutung

04.03.2009, 13:45 Uhr

Alte Debatte, neu belebt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen sexuell aggressiven Musiktexten und dem Alter des ersten Geschlechtsverkehrs? Und welchen Einfluss hat solche Musik auf die Großeltern?

Eine US-Studie hat die Debatte wieder aufleben lassen, ob Musiktexte Jugendliche früher zum Sex bringen können. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Hören sexuell aggressiver Musik und dem Alter des ersten Geschlechtsverkehrs. Zwar seien sexuell aggressive Musiktexte nicht der Auslöser für Sex bei Jugendlichen, sagt Mitautor Brian Primack von der Universität von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Sie seien aber "ein wahrscheinlicher Faktor" bei Verhaltensmustern in der sexuellen Entwicklung.

Harmlose Musik, später Sex

In ihrer Studie haben Primack und seine Kollegen die Lieder in den US-Billboard-Charts nach sexueller Aggressivität ihrer Texte eingeteilt. Sie fragten dann 711 Schüler zwischen 15 und 16 Jahren nach ihrem Musikgeschmack und ihrem sexuellen Verhalten. Insgesamt hatten 31 Prozent der Teilnehmer bereits Geschlechtsverkehr. Bei den Teenagern, die eher harmlose Musiktexte hörten, waren es aber nur 20,6 Prozent. Dagegen hatten bei den Hörern von Songs, die Sex als rein körperlichen Akt beschrieben, bereits 44,6 Prozent Sex.

"Diese Texte beschreiben oft aggressive Männer und unterwürfige Frauen, was Jugendliche dazu bringen kann, dieses Muster für sexuelles Verhalten in ihre Weltsicht einzubauen", sagte Primack. "Jugendliche könnten sich gezwungen sehen, solche Verhaltensmuster auszuleben, ob sie in die Rolle der Frau oder des Mannes schlüpfen."

Stärkere Kontrolle nötig?

Verfechter einer stärkeren Kontrolle von Musiktexten sahen sich durch die vergangene Woche im "American Journal of Preventive Medicine" veröffentlichte Untersuchung bestätigt. Sie forderten Eltern auf, den Musikkonsum ihrer Kinder stärker zu überwachen.

Der Musikpsychologe Raymond MacDonald von der britischen Glasgow Caledonian Universität riet dagegen zur Gelassenheit. Das sei "eine Dauerdebatte", die in jeder Generation neu aufbreche, sagte er. "Brauchen wir wirklich dafür eine Lösung?" Geändert habe sich lediglich, dass Altersgrenzen heute verwischt seien und nicht mehr alle dieselbe Musik hörten. "Vielleicht sollten wir eine Studie machen, um zu sehen, ob die Musik auf Großeltern einen genauso schlechten Einfluss hat", witzelte er.