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Dauerhafte Veränderung Psycho-Pilze fördern Offenheit

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Spitzkegelige Kahlköpfe enthalten Psilocin, die psychoaktive Form des Psilocybins.

(Foto: Wikipedia)

Dass Magic Mushrooms Halluzinationen auslösen, ist kein Geheimnis. Doch diese Wirkung kann auch nach einem Jahr noch spürbar sein, und zwar auf eine sehr positive Art und Weise. Forscher beobachten an Testpersonen eine größere Offenheit.

Verstärkte Sehschärfe und extreme Lichter: Der unmittelbare Effekt der Magic Mushrooms genannten Psycho-Pilze hält nur wenige Stunden an. Die persönlichkeitsverändernde Wirkung der Droge ist bei Erwachsenen jedoch auch ein Jahr später noch messbar. Das berichten Forscher um Roland Griffiths von der John Hopkins University in Maryland im "Journal of Psychopharmacology".

Wer nun aber eine Warnung vor Drogen erwartet, der irrt: Die Mediziner halten den in einer Studie gemessenen Effekt durchaus für positiv. Demnach waren 60 Prozent der Teilnehmer mehr als ein Jahr nach dem Pilz-Trip viel aufgeschlossener als vor dem Beginn der "Behandlung". "In dem Teil der Persönlichkeit, der als Offenheit bezeichnet wird, wurden dauerhafte Veränderungen gemessen", erklärt das Team. Das sei besonders erstaunlich, da die Offenheit mit dem Alter gemeinhin eher abnehme, ergänzte Griffiths.

Zaubermittel Psilocin

Die auch als Zauberpilze bekannten Magic Mushrooms enthalten den Wirkstoff Psilocin, dessen Einnahme ähnliche Rauschzustände auslöst wie die Droge LSD. Der Konsum ist normalerweise verboten. Für die Untersuchung begaben sich die Teilnehmer mehrmals auf achtstündige Pilz-Trips ins Labor. Nach mindestens drei Wochen folgten weitere Sitzungen – immer mit einer Kontrollgruppe. Die Teilnehmer und auch die Mediziner wussten jedoch nicht, welche Testpersonen tatsächlich Halluzinogene bekamen. Für die Tests wurden 51 psychisch gesunde Freiwillige ausgewählt.

Inwiefern sich ihr Wesen danach dauerhaft veränderte, maßen die Wissenschaftler mit einem Persönlichkeitstest, der insgesamt fünf Bereiche des Charakters erfasst. Neben Offenheit waren das Extroversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus (abgeleitet von Neurose). Die Auswertung basiert auf zahlreichen Fragebögen. Das Ergebnis: Bei den Teilnehmern mit "mystischen Erfahrungen" veränderte sich die Offenheit messbar, wie die Wissenschaftler berichteten. Dazu zählen Charakterzüge wie Fantasie, Großzügigkeit oder der Sinn für Ästhetik.

Therapeutischer Nutzen

Das Fazit der Forscher: Magic Mushrooms könnten einen therapeutischen Nutzen haben. Wie Griffiths sagt, könne das enthaltene Psilocin beispielsweise Krebspatienten helfen, mit Depressionen und Angst fertig zu werden.

Also grünes Licht für Psycho-Pilze? Nicht ganz: Manche Teilnehmer hätten während ihres Pilz-Trips von starken Angstzuständen berichtet, räumte der Studienleiter ein. "Wenn Halluzinogene in einer weniger gut überwachten Umgebung konsumiert werden, könnten mögliche Angstzustände zu gefährlichem Verhalten führen." Zudem ist die Studie mit 51 Teilnehmern nicht repräsentativ. Griffiths: "Wir wissen nicht, ob unsere Ergebnisse auf die größere Bevölkerung übertragbar sind."

Quelle: n-tv.de, dpa

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