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Teure Zukunftsvisionen errechnet Schwefel soll Erwärmung stoppen

Trotz der bedrohlichen Aussichten für das Klima steigt der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Weil sich auch bei der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember keine durchgreifende Änderung abzeichnet, könnte eines fernen Tages eine große Flotte von Kampfflugzeugen gegen den Klimawandel eingesetzt werden. Diese würden Schwefelverbindungen in der oberen Atmosphäre versprühen, die Sonnenlicht zurückwerfen und die Erde kühlen sollen.

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Ein US-Kampfjet vom Typ F15C-Eagle bei einem Manöver.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Eine Gruppe um Alan Robock von der Rutgers-Universität in New Brunswick (US-Staat New Jersey) hat nun ausrechnet, was es kosten würde, pro Jahr eine Million Tonnen Schwefelgase, sogenannte Sulfat- Aerosole, in die Luft zu bekommen. Eine Möglichkeit dafür wären US-Kampfflugzeuge vom Typ "F-15C Eagle". Die können jeweils ein Gewicht von acht Tonnen in eine Höhe von 20 Kilometern fliegen. 167 dieser Maschinen müssten für die angestrebte Menge 3 Flüge am Tag unternehmen. Der Kaufpreis für die Flugzeuge hätte im Jahr 2008 etwa 6,6 Milliarden Dollar (rund 5,1 Milliarden Euro) betragen, der jährliche Unterhalt für diese Aktion läge bei rund 4,2 Milliarden Dollar.

Kühlender Schwefel

Die Idee mit dem kühlenden Schwefel geht unter anderem auf den Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz zurück. In einem Essay für das Journal "Climatic Change" hatte er 2006 darüber nachgedacht, was sich dem Klimawandel entgegensetzen ließe, wenn der Mensch nicht vom Verbrennen seiner letzten fossilen Brennstoffe abließe. Man könnte die sogenannte Albedo erhöhen, also das Rückstrahlvermögen der Atmosphäre. Dies wäre der letzte Ausweg, wenn sich die Menschheit nicht darauf verständigt, weniger Treibhausgase freizusetzen.

Dass Schwefelpartikel die Erde kühlen können, zeigte der Ausbruch des Pinatubo in Indonesien. Dabei gelangten 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid (SO) in die Atmosphäre, was zwei Jahre lang einen kühlenden Effekt hatte. Im Jahr nach dem Ausbruch sank die globale Durchschnittstemperatur um etwa ein halbes Grad Celsius. Bereits vor einiger Zeit hatte Robock berechnet, wie viele solcher Pinatubo- Ereignisse nötig wären, um dem Treibhauseffekt entgegenzuwirken: ein Ausbruch alle 4 bis 8 Jahre.

Alternative: schwere Geschütze

Statt der Kampfjets könnten auch schwere Geschütze eingesetzt werden, hat Robock mit seinen Kollegen kalkuliert. 8000 Schuss täglich mit je einer halben Tonne stark reflektierendem Aluminiumoxid in den Kartuschen kämen da zusammen – ebenso wie Kosten von 30 Milliarden Dollar im Jahr. Variante drei: 37 000 hochfliegende Wetterballone mit je vier Tonnen Schwefel-Tragkraft am Tag, was die zuständigen Financiers zwischen 21 und 30 Milliarden Dollar kosten könnte. Alternativ sei auch eine Flotte reflektierender Ballone denkbar, deren Kosten aber nicht beziffert wird. Aus einer anderen Arbeit zitieren die US-Wissenschaftler, dass sich am Äquator ein gigantischer Turm aufstellen ließe, um das schwefelhaltige Gas kontinuierlich in die Atmosphäre zu entlassen.

Eine anderer, noch aufwendigerer Vorschlag sieht die Installation eines Sonnenschirms im All vor, am sogenanngten Lagrange-Punkt 1. Der liegt zwischen Sonne und Erde, etwa 1,5 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt. Dort heben sich die Anziehungskräfte beider Himmelskörper auf; ein dort installiertes Hindernis könnte seinen Schatten dauerhaft auf die Erde werfen. Das hat sich der Astronomen Roger Angel von der Universität von Arizona in Tucson ausgedacht. Mit einer riesigen Scheibe im All ließen sich vielleicht jene 1,8 bis 2 Prozent des Sonnenlichtes wegfiltern, die zum Bremsen der Erderwärmung nötig wären. Angel sieht indes effektivere Wege: Würde der Aufwand, der zur Entwicklung und Konstruktion eines kosmischen Sonnenschirms nötig wäre, in die Erforschung erneuerbarer Energiequellen gesteckt, gäbe das "ganz sicher" bessere Lösungen, meint er.

 

Quelle: n-tv.de, dpa