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Der Wind wird drehen "Kontamination Tokios ist möglich"

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Mehrere Explosionen erschütterten die Reaktoren Fukushima.

(Foto: Reuters)

In welchem Ausmaß Radioaktivität freigesetzt wurde, ist unklar. Fest steht aber: Bisher hat der Wind die Atomwolke aufs Meer getrieben. Das wird aber nicht so bleiben, sagt n-tv Meteorologen Björn Alexander.

n-tv.de: Björn, wie sehen die Wetter- und vor allem Windverhältnisse in den betroffenen Gebieten aus?

Björn Alexander: Bislang waren zumindest die meteorologischen Bedingungen in der Katastrophenregion rund um Fukushima günstig. Denn die ablandigen Winde aus westlichen bis südwestlichen Richtungen haben die Luft hinaus auf den offenen Pazifik gedrückt.

Und wird das auch so bleiben?

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In diesen drei Atomkraftwerken droht ein GAU.

(Foto: Stepmap)

Nein, leider wird sich das vorübergehend ändern. Denn der Wind kommt zur Wochenmitte mehr aus nördlichen Richtungen und damit sind Kontaminierungen der südlich gelegenen Küstenregionen und sogar des Großraumes Tokio nicht auszuschließen. Das gilt, falls es ab Dienstag Explosionen oder gar eine dauerhafte Freisetzung von nuklearem Material geben sollte. Dann spielt natürlich auch die Art und Weise der Freisetzung eine Rolle: explosive Prozesse haben eine weitere Verfrachtung zur Folge, während eine flache Abgabe natürlich weniger weit fortgetragen werden könnte.

Werden sich die Windbedingungen auch in den betroffenen Gebieten wieder bessern?

In der zweiten Wochenhälfte sieht es derzeitig wieder günstiger aus. Denn dann setzen sich neuerlich die westlichen und somit ablandigen Winde durch. Zwischendrin sorgt der Nordwind außerdem für einen Wintereinbruch. Rund um Fukushima beispielsweise sind es nachts um minus drei, tagsüber um plus sieben Grad. Im Raum Tokio ist es etwas milder, Richtung Norden hingegen sind auch Schneeschauer möglich. Das dürfte es angesicht der vielen zerstörten Häuser und des Energiemangels nochmals schwerer machen.

Können die radioaktiven Wolken auch uns hier in Europa erreichen?

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Tschernobyl nach dem GAU 1986.

(Foto: dpa)

Grundsätzlich ist es schon möglich, dass sensible Messinstrumente innerhalb der nächsten acht bis zwölf Tage erhöhte Strahlenwerte messen können. Allerdings dürfte die Konzentration minimal sein. Zum einen müssten mögliche Kontaminationen in der Westwinddrift von Japan über den gesamten Pazifik, Nordamerika und den Atlantik zu uns kommen. Das sind etwa 20.000 Kilometer und die Konzentration nimmt durch die Verteilung in der Atmosphäre massiv ab. Zum anderen gibt es zwischendrin Regengebiete, die die Partikel aus der Luft auswaschen. Größtenteils ins Meer - auch dort findet eine extreme Verdünnung statt.

Kein Vergleich also mit Tschernobyl?

Nein. Wenn man die meteorologische und geographische Situation mit der Tschernobyl-Katastrophe vergleicht: Tschernobyl ist mit knapp 1400 Kilometern natürlich deutlich näher dran und außerdem sorgte die Wetterlage zum damaligen Zeitpunkt für eine großräumige Ausbreitung unter anderem Richtung Skandinavien und eben auch bis in Teile Deutschlands.

Quelle: ntv.de

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