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Strahlenschutz-Bundesamt sammelt Daten Messnetz kontrolliert Radioaktivität

Nach der Reaktorkatastrophe in Japan gibt es nach Ansicht der EU-Kommission für Menschen in Europa keinerlei Gesundheitsgefahren. In Deutschland überwacht ein enges Netz von Messstationen das mögliche Auftreten von Radioaktivität.

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Physiker Clemens Schlosser vom Bundesamt für Strahlenschutz in der Frühwarnstation für Radioaktivität auf dem Schwarzwald-Berg Schauinsland bei Freiburg vor einem Messinstrument für radioaktives Jod.

(Foto: dpa)

Nach den wächst offenbar bei vielen Bundesbürgern die Sorge über eine Ausbreitung der Radioaktivität bis nach Mitteleuropa. Beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach erkundigen sich in diesen Tagen zahlreiche Anrufer nach der Überwachung der Radioaktivität in der Luft über Deutschland. Gemeinsam mit dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verfügt der Wetterdienst über ein flächendeckendes Netz von Messstationen in Deutschland, die die Radioaktivität messen.

Nach Angaben des BfS würde ein Transport radioaktiver Partikel von Japan nach Europa freilich mehrere Wochen benötigen. Aufgrund der weiten Entfernung seien aber seriöse meteorologische Prognosen nicht möglich. In der Regel nimmt die Konzentration der radioaktiven Stoffe in der Luft mit wachsender Entfernung, durch den natürlichen Zerfall und Auswaschungen durch Niederschläge ab.

48 Messstationen

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Der Leiter des Messnetzknotens Freiburg des Bundesamtes für Strahlenschutz, Harry Doll, überprüft eine der Messsonden.

(Foto: dpa)

Für die Überwachung der Radioaktivität in der Atmosphäre ist seit 1955 der Deutsche Wetterdienst verantwortlich. Im Rahmen des Integrierten Mess- und Informationssystems zur Überwachung der Umweltradioaktivität (IMIS) sammelt der Wetterdienst an bundesweit 48 Luftmessstationen rund um die Uhr Daten. Mindestens einmal pro Woche werden in einem radiochemischen Zentrallabor zudem Proben ausgewertet, dann suchen die DWD-Experten gezielt nach Spuren von speziellen radioaktiven Elementen wie Strontium-90 und Plutonium-239/240.

Außerdem kann der DWD Messungen mit einem Spezialflugzeug vornehmen, wenn nach einem Katastrophenfall auch in der höheren Atmosphäre mit Radioaktivität zu rechnen ist. Nach dem Atomunfall in Japan wurde das Flugzeug, das zuletzt nach dem Vulkanausbruch auf Island eingesetzt wurde, noch nicht aktiviert. Die gemessenen und ausgewerteten Daten werden vom DWD an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie das BfS weitergeleitet, die für die eventuell erforderliche Information und Warnung der Bevölkerung verantwortlich sind.

Empfindliches Frühwarnsystem

Das BfS betreibt in Deutschland darüber hinaus ein eigenes umfassenden Messnetz mit etwa 1800 Messsonden, die kontinuierlich die Strahlung in der Luft messen. Außerdem unterhält das Bundesamt auf dem Schauinsland im Südschwarzwald eine internationale Messstation - eine von weltweit 80 sogenannten Radionuklidmesstellen. Das hochempfindliche Messlabor auf dem Hausberg der Stadt Freiburg funktioniert als Frühwarnsystem und kann sehr schnell geringe Spuren an Radioaktivität in der Atmosphäre aufspüren.

Quelle: n-tv.de, Andrea Hentschel, AFP

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