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Ausblick auf den Selbstzünder 2018 - Schicksalsjahr für den Diesel?

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Der Diesel wird es im kommenden Jahr schwer haben.

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Schummel-Software, Fahrverbote, Preisverfall: Der Dieselmotor hat es in diesem Jahr nicht leicht gehabt. Ab Anfang 2018 könnte eine richtig schwere Zeit für ihn beginnen und damit auch für die Besitzer eines Dieselfahrzeuges.

Zum 125. Geburtstag des Dieselmotors in diesem Jahr gab es wenig zu feiern: Die effiziente Motorentechnik scheint zumindest im Pkw-Bereich die beste Zeit hinter sich zu haben. Der Abgas-Skandal hat schwer am Image gekratzt, Autokäufer sind verunsichert. Im kommenden Jahr steht nun eine wichtige Entscheidung an. Ein Rück- und Ausblick.

Der Marktanteil schwindet

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Geplant ist auch eine blaue Umweltplakette für Diesel.

(Foto: picture alliance / Marcus Führer)

2017 ist der Anteil der Selbstzünder an den Neuzulassungen deutlich gesunken, ein Minus von zwölf Prozent hat das Kraftfahrt-Bundesamt verbucht. 39 Prozent Diesel-Marktanteil (Januar bis November) ist der tiefste Stand seit acht Jahren. Zum ersten Mal seit 2009 sind im ersten Halbjahr auch europaweit weniger Autos mit Diesel- als mit Benzinmotor ausgeliefert worden. Die Gebrauchtwagen mit Selbstzünder stehen sich auf den Händlerhöfen oft die Reifen platt: Im Schnitt steht ein gebrauchter Diesel 100 Tage auf dem Hof, hat die Deutsche Automobiltreuhand ermittelt.

Hintergrund ist die nicht zuletzt durch die Politik geschürte Verunsicherung der Autokäufer: Diskussionen um blaue Plaketten, Fahrverbote und nun auch um die Aufhebung des Steuervorteils auf Diesel-Kraftstoff, jüngst nicht nur vom Bundesrechnungshof angestoßen, lassen so manchen Autokäufer zweimal über eine Anschaffung nachdenken. "Die Talfahrt wird sich 2018 verlangsamen, sie geht aber im Prinzip weiter", meint Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Fahrverbote wahrscheinlich?

Der Automobil-Professor hält tageweise Fahrverbote im kommenden Jahr für "hochwahrscheinlich". Dabei stehen die Städte Düsseldorf, Stuttgart, München und Köln ganz oben auf der Liste, regelmäßig werden hier die EU-Grenzwerte überschritten. Die Düsseldorfer Bezirksregierung hat bereits angekündigt, dass man um Verbote bestimmter Fahrzeuge zu bestimmten Zeiten nicht herumkommt. In Stuttgart hatte das Verwaltungsgericht den Weg für Diesel-Fahrverbote bereits im Sommer geebnet, dagegen hatte sich die Landesregierung gewehrt.

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Auch die Subventionierung des Diesel-Kraftstoffs wird inzwischen in Frage gestellt.

(Foto: picture alliance / Marijan Murat)

Zu beiden Städten werden nun Anfang 2018 wegweisende Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig erwartet, wenn Sprungrevisionen der Landesregierungen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verhandelt werden. Kommen die Richter zu der Auffassung, dass gewisse Dieselmodelle ausgesperrt werden dürfen, könnte dies beispielhaften Charakter für andere Städte haben. In rund 90 deutschen Städten werden die Stickoxid-Grenzwerte regelmäßig überschritten. "Wenn die erste Stadt anfängt, kann es relativ schnell zu einem Domino-Effekt kommen", glaubt Stefan Bratzel, Professor an der FH Bergisch-Gladbach.

Umsetzung ist noch ungewiss

Wie ein Fahrverbot ausgestaltet werden würde, ist noch offen. Um nicht per se alle Dieselfahrzeuge auszusperren, ist eine blaue Plakette in der Diskussion – in Anlehnung an die grüne Plakette der Umweltzonen. Die Vergabe würde an die Abgasnorm geknüpft, die das Auto erfüllt. So könnten zum Beispiel alle Dieselfahrzeuge mit Euro 6 und besser in die Innenstädte fahren. Euro 6 müssen Neuwagen spätestens seit September 2015 erfüllen.

Aber auch strengere Varianten sind denkbar, beispielsweise das Zugrundelegen der neusten Abgasnorm 6d-TEMP. Sie gilt seit September für neue Typgenehmigungen, ab September 2018 für alle neuen Autos. Die Besonderheit: Hier werden die Emissionen nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im Realverkehr gemessen. "Eine blaue Plakette müsste Autos mit 6d-TEMP umfassen, sonst geht der Irrsinn weiter", sagt Automobil-Experte Bratzel. "Fahrverbote sind eigentlich falsch, eine riesige Wertevernichtung und eine große Härte für Besitzer von Dieselfahrzeugen - man muss alles tun, um sie zu vermeiden. Es ist aber auch falsch, Symbolpolitik zu machen mit Plaketten, die nichts bringen."

Es geht auch strenger

Die Städte wollen aber auch andere Maßnahmen ergreifen, um die Stickoxid-Belastung zu senken: Mit Millionen Fördergeldern aus dem so genannten "Dieselfonds", in den auch die Autohersteller einzahlen, zum Beispiel durch Nachrüstung von Diesel-Bussen mit SCR-Katalysatoren oder Digitalisierung des Verkehrs durch Parkleitsysteme. Mehrere Dutzend Anträge auf Subventionen sind beim Bundesverkehrsministerium bereits eingegangen. Fahrverbote verhindert das aber wohl nicht: "Ein paar Elektrobusse und Umrüstungen von Bussen werden das Problem nicht lösen", meint Dudenhöffer. "Und nicht vergessen, bis die Kommunen mal an die versprochenen Gelder kommen und dann die Maßnahmen wirklich greifen, sprechen wir über das nächste oder gar übernächste Weihnachtsfest."

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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