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Feines für den Landy 30 Jahre Land Rover Discovery

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Hier treffen drei Generationen Discovery aufeinander.

(Foto: Land Rover)

Mit Land-Rover sollte seinerzeit ein Gegengewicht zu den fast schon blaublütigen Range-Rover-Modellen geschaffen werden. Es war der "Discovery", der 1989 wesentliche Range-Rover-Attribute in ein kompaktes SUV-Format packte und bei der Kundschaft punktete.

Darauf hatten Land-Rover-Fans jahrelang sehnsüchtig gewartet: Ein Range Rover im feinen und bezahlbaren SUV-Format, der sich als urbritisches Sperrwerk gegen die Flutwelle preiswerter japanischer Allradler in Stellung bringt. Ende 1989 war es soweit, der neue Discovery debütiert als dritte Baureihe des Offroadspezialisten und platziert sich als frisches Bindeglied zwischen dem archaischen Land Rover von 1948 und dem auch schon angejahrten Range Rover von 1970.

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In nur drei Jahren Entwicklungszeit wurde der Discovery serienreif gemacht.

(Foto: Land Rover)

In nur drei Jahren Entwicklungszeit hatte Projektmanager Mike Donovan den zuerst drei-, später auch fünftürigen Discovery serienreif gemacht, wobei der noble Range Rover die technische Basis lieferte und die elegante Formensprache beeinflusste. Ein Geniestreich, wie sich bereits andeutete, als der Discovery unmittelbar nach seinem Debüt den begehrten British Design Award gewann. Vor allem aber punktete der Disco – so nennen ihn seine Fans - trotz origineller Lifestyleattribute wie maßgeschneiderter Zeitschriftenhalter mit modernster Allradtechnik für stilvolle Fahrten durch Staub und Schlamm.

Schnell avancierte der bis zu siebensitzige Disco zum meistverkauften Land Rover überhaupt, zumal er sich bei Abenteuerfahrten wie der legendären Camel Trophy den Ruf eines rauhbeinigen Allesüberwinders erwarb, der dem rustikalen Defender kaum nachsteht. Tatsächlich erlangten die Sandbeige lackierten, verwegen ausstaffierten Camel-Trophy-Typen damals sofort Kultstatus, auch auf Postern in Kinderzimmern.

Fertigungsmängel wurden dem Disco verziehen

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Der Disco punktete auch mit modernster Allradtechnik.

(Foto: Land Rover)

Über 1,2 Millionen verkaufte Einheiten des bis heute in drei Generationen und fünf Serien - Land Rover zählt jedes Facelifts separat - gebauten Discovery sprechen für sich und dennoch blieb auch dieser Brite anfangs nicht ganz von damals typischen Problemen verschont. Entstanden in den letzten Jahren des dahin siechenden staatlichen Rover-Imperiums litt er in der ersten Serie unter diversen kleinen Fertigungsmängeln, die es bei der Allradkonkurrenz von Toyota, Mitsubishi oder Nissan nicht gab. Problemchen, die dem Disco aber von der enthusiastischen Kundschaft nachgesehen wurden. Die britische Polizei vertraute bald ebenso auf die Qualitäten des Geländegängers mit klassischem Leiterrahmen wie bis heute viele deutsche Polizeibehörden. Und der damalige Rover-Kooperationspartner Honda lancierte sogar einen asiatischen Disco-Doppelgänger, den Crossroad.

Mit diesem Klon war es erst vorbei, als BMW neuer Eigentümer von Land Rover wurde und dem Discovery ein gründliches Facelift mit längerem hinteren Überhang spendierte. Bis auf die Hecktür wurden dafür 1998 alle Karosserieteile ausgetauscht und trotzdem blieb die Linie dieses Series-2-Fahrzeugs fast unverändert, was auch am nach wie vor knapp bemessenen Radstand von nur 2,54 Meter lag.

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Schnell avancierte der bis zu siebensitzige Disco zum meistverkauften Land Rover.

(Foto: Land Rover)

Ein komplett erneuerter Discovery debütierte erst 2004, nun unter abermals veränderten Konzernstrukturen, denn Ford hatte das Sagen übernommen. Und Dearborn entschied sofort, dass das neue Auto auch einen neuen Namen benötigt, zumindest in Nordamerika und Asien. Dort trägt der Disco seitdem das kryptische Typenkürzel LR3, nicht zuletzt um so einen Qualitätssprung zu signalisieren. Schließlich war der SUV-Markt inzwischen von fast allen Premium-Marken besetzt, nachdem auch BMW (X3, X5), Mercedes (M-Klasse), Porsche (Cayenne) oder Volvo (XC90) mitmischten.

Serie 3 erreichte Preis-Niveau eines BMW X5

Eine Entwicklung, die auch den Discovery Series 3 beeinflusste, der deshalb mit neuer Plattform mit integriertem Leiterrahmen und Einzelradaufhängung vorfuhr und als vollausgestatteter luxuriöser V8 fast 60.000 Euro kostete – und damit das Niveau des X5 erreichte. Rund zwei Drittel billiger war noch der erste Discovery, der sich damit etwa als Alternative zu einem profanen Passat Variant oder Subaru Allrad-Kombi empfahl.

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Auch die Poilzei weiß die Geländegängigkeit des Discovery zu schätzen.

(Foto: Land Rover)

Die Erfolgsgeschichte des Discovery wurde durch diese preisliche Höherpositionierung aber sogar beflügelt. Als im März 2008 der indische Tata-Konzern neuer Eigentümer von Land Rover wurde, galt der Discovery/LR3 bereits als ein besonderer Diamant unter den Gelände-Ikonen. Als Series 4 (ab 2009) wurde der Disco zum Produktionsmillionär. Seine Vielseitigkeit hatte der Disco von Beginn an durch spektakuläre Spezialanfertigungen bewiesen, so gab es ihn etwa schon 1990 als Amphibienfahrzeug, das die Segelregatta Cowes Week vor der englischen Insel Wight begleitete.

Spektakulärer waren natürlich die monströsen oder bewaffneten 6x6- oder 6x4-Supacat-Discovery, die in Kriegs- und Krisengebieten zum Einsatz kamen und das britische TV-Publikum vermutlich mehr beeindruckten als die gepanzerten Discovery Sentinel, die als Shuttle-Fahrzeuge für die Minister der britischen Regierung genutzt werden. Englische TV-Kultkrimis wie Inspector Barnaby oder "The Inspector Lynley Mysteries" können auf prominente Auftritte des Disco ohnehin nicht verzichten, aber auch James Bond begegnet diesem Land Rover immer wieder im Kinoabenteuer.

Hoflieferant für die Queen

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Der Discovery Series 4 (Generation 2) debütiert im Sommer 2009 als umfassendes Facelift des Modells von 2004.

(Foto: Land Rover)

Wirklich majestätischen Glanz und Glamour entfalten jedoch allein die Discovery, die im Dienst des englischen Königshauses stehen. Noch immer ist Land Rover als einziger Automobilhersteller im Besitz aller drei "Royal Warrants" - sprich Hoflieferant für die Queen, den Herzog von Edinburgh und den Prinzen von Wales. Die Rolle des Paradefahrzeugs für Königin Elisabeth II. von England übernimmt zwar der klassische, große Range Rover, aber als vielseitiges Alltagsauto auf den Anwesen von Balmoral oder Sandringham ist der Discovery eine Idealbesetzung, also nicht nur, wenn es darum geht, schwergewichtige Pferdetrailer zum Familientreffen beim Royal Ascot zu ziehen.

Da schadet auch eine negative Schlagzeile nicht, etwa als der 97-jährige Prinz Philip Anfang 2019 einen Unfall verursachte und nur 24 Stunden später die Anlieferung eines neuen Discovery in Sandringham House beobachtet wurde. Als Glücksbringer für die Royals bewährt sich der Discovery auch seit vielen Jahren, wenn es um die erste Fahrt im Leben eines Neugeborenen geht. Zuletzt haben Herzogin Kate Middleton und Prinz William ihren jüngsten Sohn, den kleinen Prinz Louis, in einem Disco aus der Geburtsklinik ins elterliche Heim gefahren.

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Im Jahr 2012 feierte Land Rover eine Million Discovery.

(Foto: Land Rover)

Es ist dieser Mix aus den Geländetalenten eines Arbeitstieres, dem Komfort eines luxuriös angehauchten SUV mit einem gerade noch großstadttauglichen Format, der dem Disco bis heute seine Alleinstellung in der fast schon unübersichtlich groß gewordenen Modellfamilie des britischen Allradspezialisten sichert. Entwicklungssprünge fielen beim Disco übrigens weit deutlicher aus als beim Range Rover.

Wo der erste Disco noch als Diesel nagelte wie eine Landmaschine und sein Temperament dem eines Transporters ähnelte (sofern nicht der bullige V8 unter der Haube brabbelte), zeigt der Discovery Series 5 alle Talente eines luxuriösen, gerade noch bezahlbaren Lifestyle-Vehikels. Genau damit hat er dazu beigetragen, dass Offroader heute trotz aller CO2-Diskussionen eine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, die sich vor 30 Jahren niemand vorstellen konnte. Sogar von den Boulevards der großen Metropolen sind Disco & Co. vorläufig kaum mehr wegzudenken.

Quelle: ntv.de, Wolfram Nickel, sp-x